Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 stand dieser Prüfung an das „Einkommen" d. h. an die Heirathsbewilligung denken. Vor dem Rabbi stehen die jungen Brautleute von dem ganzen Ernste der Situation durchdrungen, die Braut, den Finger zum Munde erhebend, besinnt sich ans die Antwort, über welche auch der Bräutigam in Spannung nachdenkt. Die versammelten Verwandten, unter denen die Portraitfigur des verstorbenen Professors Moritz Oppenheim hervortritt, sind in Erregung bei einander, lauschend auf die Antworten. Hinter dem Rabbi steht ein Talmudschüler. Vorn aber sitzt, die Prüfung genau verfolgend, der Vertreter der weltlichen Macht in seiner Uniform, der Kreishauptmann, die Amtspapiere unter der Hand. Auf dem vierten Bilde ist „Der Einkauf der Sabbathfische" (am Freitag Morgen nach dem Frühgottesdienste) dargestellt. Jedermann weiß, daß bei den Juden seit undenklicher Zeit das Fischessen am Freitagabend Sitte ist und sich gewissermaßen zu einem geheiligten Brauche gemacht hat. Ein alter Schriftsteller schreibt darüber: „rc. Sonderlich müssen sie sich um gute Fische bekümmern; die Juden halten durchgehends viel von Fischen, welche ihnen zu essen erlaubt sind; Gott hat ihnen verboten, was nicht Floßfedern und Schuppen hat, vermuthlich in geheimer Absicht, sie der Abwendung von Lastern dadurch zu erinnern, denn die Fische, so nicht Floßfedern und Schuppen haben, sind zum Schwimmen nicht gar bequem und sind daher mehrenteils am Boden, wo der Schlamm am größten ist und nähren sich also von Unreinem und Finsterem, geben daher ein Bild unreiner Sünder ab, welche die Werke der Finsternis treiben; die armen Juden begnügen sich mit Häringen und geringen Fischen, die Reichen aber sparen keine Kosten u. s. w." Der Schauplatz des Bildes ist der alte Samstagsberg mit dem Blicke nach der Nikolaikirche,- an welcher, zu der Zeit, wo die Scene gedacht ist, noch die Garküche mit ihren Nebengebäulichkeiten, Schuppen und Wache stand, in welcher der Ochse bei der Kaiserkrönuug gebraten wurde. Aus dem Grubloch der Küche schaut der Kopf des letztgebratenen Ochsen hervor. Rechts an der Kirche öffnet sich an dem großen Eckhause des Römerbergs und der alten Mainzergasse das Gäßchen nach dem Fahrthor hin. In doppelter Reihe stehen auf dem Platze die Bretterbuden der Fischer mit den charakteristischen Fischkasten und den an hoher Stange aufgehängten Waagen. Die Justizia auf dem Römerbrunnen wird rechts sichtbar. Die Einkäufe sind in vollem Gange. An der ersten Bude verkauft eine gebräunte Dame der Halle ihre Waare, sie den Feilschenden anpreisend. Ein großer Fisch ist entkommen und peitscht mit gewaltigen Schlägen den Boden. Zwei Knaben, wovon der eine das bekannte alte Netz mit den zwei Stäbchen trägt, bemühen sich, den Flüchtling wieder einzufangen, vor welchem ein junges Mädchen sich furchtsam abwendet. Die Straße hindurch, wo links und rechts gekauft und gehandelt wird, schreitet in feierlichem Schritt ein Weiser des Talmud, ihm nähertsich ein Profaner und beklagt sich sichtbar über die theuren Marktpreise. Die Kaufenden tragen zum Teil ihren Beutel mit den Gebetmänteln unter dem Arme, welchen sie beim Frühgottesdienste gebrauchten. Um die Ecke links im Vordergrund biegt soeben ein schmuckes Dienstmädchen in die enge Gasse der Fischer ein, den großen Henkelkorb mit Gemüse, schon tüchtig beladen, tragend. Ein Junge fährt querüber auf einem Schubkarren einen großen Zuber voll verkaufter Fische davon. Unter den Gesichtern der Zuschauenden und Kaufenden auf dem Markte bemerkt man u. a. Herrn v. Rothschild, Goldschmidt, Dr. Michael Heß und Gottlieb Bing. _ Hermann Junker.