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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 11

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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— 11 — dacht der Alten; sie haben die Säcke bei sich in welchen die Gebetmäntel der Väter sich befinden. Eine personenreiche Gruppe, von den: Wechsellichte des Mondes und dem in Händen haltenden Lichte übergossen, zieht sich die Straße entlang dem Hintergründe zu. Unter diesen sind die Portraitfiguren von Moses Mendelssohn, Kompert, James von Rothschild, Vorsänger Popper und dem verdienstvollen Gemeinde-Aktuar Elias Ullmann. Im Schatten an der rechten Seite des Vordergrundes erscheint eine Frau, die Sterbekleider teilweise mit einem Shawl verdeckt, ein kleines Mädchen abwehrend, welches sie an der Hand führt und das neugierig sich herzudrängen will. Das zweite Bild ist: „Die Brautschau". In dem Hause der Braut hat sich der Freier in Begleitung seines Vaters eingefunden. Die Präliminarien sind beendet, die Fragen nach Stand und Vermögen beantwortet, der Heiratskontrakt in Ordnung. Des Bräutigams Vater, am Tische zur Linken sitzend, wirft einen letzten Blick auf das wichtige Schriftstück. In ihm ist das Portrait des bekannten Rabbiners Dr. Leopold Stein verewigt, welcher den Text zu den Oppenheimschen Bildern geschrieben und sonst auch als Schriftsteller einen Namen hat. Der Sitte gemäß erscheint in der geöffneten Thür in Begleitung der Mutter die Braut, verschämt die Augen niederschlaaend. Sie trägt als Zeichen der Einwilligung in die Verlobung einen rosafarbenen Liqueur, Rosoglio geheißen, fettes Gebäck und andere Süßigkeiten auf silberner Schale. Mit befangenen zögernden Schritten geht ihr der Freiersmann entgegen, in der Hand den Rosenstrauß. Lächelnd drängt der Vater der Braut den Verlegenen vorwärts. Rechts im alten Ledersessel thront die Großmutter; auf den Stock gestückt, schaut sie mit Teilnahme der Scene zu, die ja auch sie einst erlebte, an ihrer Seite lehnt der Enkel mit dem Gleichmut der Jugend. Neugierig drängt sich ein Knabe durch die Thür und ein junges Mädchen, hinter dem Tisch stehend, giebt eine stumme Zuschauerin ab. Das Zimmer, welches seitwärts den Blick in einen Alkoven gewährt, ist nach altmosaischem Ritus ausgestattet. An der Wand nach Morgen hin prangt in Umrahmung das hebr. Wort Misrach. Das Gewürzbüchslein fehlt nicht im Raume und in dem geöffneten kleinen Wandschranke liegt bei dem Sabbathbecher die geflochtene Wachskerze, welche am Sabbathschlusse angezündet wird. Da stehen auch die 5 Bücher Mosis. Die vielzinkige Sabbathlampe glänzt hell von der Decke herab und giebt dem Ganzen den traulichsten Abschluß. Das dritte Gemälde stellt „Die Prüfung der Brautleute vor dem Kreisrabbiner und dem Kreishauptmann" dar. Das Lokal des Vorgangs ist ein Vorraum der Synagoge. An der Wand über der Thür, welche zur Synagoge führt, steht der Spruch: Das ist die Pforte des Herrn, die Gerechten werden dahinein gehen. (Psalm CXV1II, 20.) Zur Seite die Inschriften: Höret! Hebet eure Augen in die Höhe! Höret! Wen? Gott den König, den Höchsten. Wenn? Höret! Des Morgens, Mittags uud Abends. Auf dem grün überhangenen Tische auf der Estrade inmitten des Bildes zeigt eine Rolle auf dem Pult des Rabbiners die Worte aus dem Talmud-Traktat Kethuboth Kap. 1 ß 1: Eine Jungfrau heirathet man am 4., eine Wittfrau am 5. Tag in der Woche, denn zweimal in der Woche sitzen die Richter in den Städten, nämlich den 2. und 5. Tag, damit, wenn der Bräutigam wegen der Reinheit etwas, vorzubringen hätte, er beizeiten vor die Richter kommen könne. Der alte Rabbi, mit dem Gebetmantel angethan, prüft die jungen Leute alls dem religiösmoralischen Lehrbuche „öno Zion"; nach dem Gesetze konnten sie erst nach Be-

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