Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Doch wird das Licht das Szepter sich erstreiten Und kommen wird ein sonnenklarer Tag, Der in dem Menschen nur den Menschen findet Wenn Jud und Christ ein Menschenrecht verbindet, und fährt dann fort, daß die Juden, wenn auch ihre Existenz als Volk ihr Ende erreicht hätte, immer noch das Salz der Erde sein sollen, die Völker beglückend durch ihre geisüge Begabung und durch ihren tugendhaften Sinn. Aber dann müsse ernstlich ein Ende nehmen die Selbstabsonderung, die trennet anstatt zu verbinden. Wir wollen schließlich uoch die bedeutungsvolle Aenßerung des Kriminalisten und Rechtslehrers Franz v. Holtzendorf hervorheben, der in den Juden die Verkörperung zweier Gegensätze, der hochgradigen Zähigkeit und der kühnen Voraussetzungslosigkeit, erblickt, die auch im beschränkten Nationalsinn neben weitestem Kosmopolitismus in Erscheinung tritt. Der rohe Antisemitismus, meint der erfahrene Gelehrte, scheitere an der öffentlichen Rechtsordnung, doch im steten nicht kontrollierbarem Wachsen sei der geheime latente Antisemitismus begriffen. Man denkt gegenwärtig nicht nach ethischen Prinzipien, sondern nach materiellen Interessen. Hier liege die schwierige Aufgabe der Bekämpfung. An die geldgelehrten Pharisäer richtet er das Mahnwort: „In einer scheinbar stillstehenden Zeit wie im früheren Mittelalter konnte das Judentum in seinem Ghetto oder in eigenen Stadtquartieren eingesperrt bleiben oder sich selbst abgeschlossen halten. In dem jetzigen Strome der Zeitbewegung bleibt ihm keine andere Wahl, als entweder seinen Anteil in der Führerschaft sittlicher Probleme geltend zu machen oder allmälig zu Grunde zu gehen." Paul de Lagarde konnte keine passendere Widerlegung finden, als durch die Stimmen der Männer, die seine Glaubensgenossen und zum Teil seine engeren Stammesgenossen sind, und wie er ausruft: Deutschland ist das Herz Europas und daß, wenn es gelingen würde, hier das Judentum zu zerstören, die Frage für ganz Europa gelöst wäre, so rufen wir aus, daß wir Juden in Deutschland, welche zur leiblichen Emancipation, die jetzt angegriffen wird, auch die geisüge Emancipation, die unzerstörbar ist errungen haben, dazu berufen und ausersehen sind, den Aufschwung, den das Judentum seit dem Auftreten Moses Mendelssohns in einigen vom prophetischen Geiste erleuchteten Männern genommen hat, fortzuführen und ihren Bau auszuführen, anstatt ihn zu zerstören. Stützen, nicht stürzen sollen wir diese Burg unserer Macht nnd Hoffnung. Folgen wir in unserem Wirken der Aufforderung, das Judentum nach innen zu läutern und nach außen Anteil zu nehmen an der Geltendmachung sittlicher Ideen und der Haß wird sich in Liebe umwandeln, schweigen wird der Kampf und Friede im Bunde mit der Wahrheit wird uns beglücken im Aufschauen zu einer Lehre, die die Zierde und der Stolz aller Edlen ist und bleiben wird.?ie Iortsetzung der HPpeicheim'schen Allder aus dem jüdischen Lelm?) Die rituellen und familiären Gebräuche des alten Judentums tragen in sich eine so tief sittliche und religiöse Kraft, daß sie demjenigen, dem sie zum *) Wir haben die hier von dem Künstler beschriebenen Bilder im Original gesehen. Nach den höchst günstigen Eindrücken, die wir empfangen, zweifeln wir nicht, daß dieselben als eine