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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 wieder als Geistesghetto in den Vordergrund gestellt wird, beseitigen! Dubois-Reymond, der berühmte Physiologe, hält den Antisemitismus für eine abgeschmackte Verirrung einer Heerde von Geistesarmen, gleich Antivivisection, Wollbekleidung, Vegetericmismus und Spiritismus. Ludwig Noirä, unser Nachbar vom Rhein, hält die Juden für sehr guteChristen, die so recht den neutestamentlichen Satz erfüllen: „Segnet die Euch fluchen, thuet Gutes denen, die Euch verfolgen." Er nennt die Humanität die herrlichste Frucht des Judentums. Francois Laurent, ein berühmter Belgischer Rechtsgelehrter und Historiker, der einstmals mit dem reformistisch gesinnten früherem Luxemburger Rabbiner Samuel Hirsch in Correspondenz stand, stellt sich Judentum nnd Christentum unter dem Bilde zweier Bäume vor, die zwar aus derselben Wurzel Hervorgiengen, dennoch aber einen verschiedenen Entwicklungsgang genommen haben. Er hält die gesonderte Existenz, die beide führen, für heilsam. Barthelemy Saint-Hilaire, einer der berühmtesten französischen Gelehrten und Staatsmänner, würde es geradezu für ein Unglück für die Menschheit halten, wenn die Juden zum Christentum« Übertritten, weil in vielen Geistern, die sich aufgeklärt und gelehrt dünken, die Gottesidee zum mindesten vorübergehend bis zum Verschwinden abgeschwächt sei. So spricht ein Mann, der in einem Lande lebt, wo der Materialismus allerdings noch nicht in Abrüstung begriffen, wie bei uns, wo der Gottesgedanke im Volke wieder mächtiger und lebendiger zu werden beginnt, wenn auch innerhalb des Judentums gedankenlose Atheisten — mit dem pharisaeischen Fanatismus verbündet — sich nicht scheuen, Religion als etwas zu bezeichnen, über das sie längst hinaus wären, während sie so recht eigentlich noch nie daran waren. Ludwig Foglar, einer der. hervorragendsten Dichter Oesterreichs schreibt: „Unter der Fahne des Antisemitismus segeln die Finsterlinge, die Denkfaulen und Abenteurer aller Sorten. Aber ehe sie dessen sich versehen, kann das Wetter Umschlagen, die beschwornen Geister wollen sich nicht bannen lassen, und dann kann die Losung auch lauten: „Friede den Hütten, Krieg den Pallästen". Diese Aeußerung voll tiefer Auffassung der Verhältnisse zeigen uns den Dichter als einen Mann, der die treibenden Ideen der Erscheinungen erlauscht hat, und sind dieselben darum unserer besonderen Beachtung würdig. Der Verfasser der „Randglossen zu dem Buche des Lebens," Gerhard vonAmyntor, will, daß es nur jüdische Deutsche, nicht deutsche Juden mehr geben soll. Nach seiner Meinung wird der Antisemitismus nicht eher entwaffnet werden, als nicht der Jude aufhört, eine Nation innerhalb der Nation bilden zu wollen. Gustav Kühne, einer der bedentendsten Schrifsteller des jungen Deutschland, der im vierten Bande seiner allgemeinen Geschichte auch über Moses Mendelssohn geschrieben, ist ganz jüdisch-messianisch gestimmt; er ersehnt neben dem alten und neuen Testamente noch ein drittes für die Menschheit und hält das erste naive reine Christentum für ein Neujudentum. Der Philosoph des Unbewußten, Eduard von Hartmann, von dem demnächst eine philosophische Abhandlung über die Stellung der Juden in der Gegenwart erscheinen wird, hat sich bereits auch früher in seinem Werke, „das religiöse Bewußtsein der Menschheit," des Weiteren über Juden und Judentum ausgesprochen. Er ist der Ueberzeugung, daß die gebildeten Antisemiten nur an den abweichenden Sitten und Gebräuchen der Juden Anstoß nehmen, die religiöse Sanktion haben, wie sich denn auch Patrioten daran stießen, daß die Juden ihre nationale Stammessolidarität über das ZugehöriAkeitsgefühl zum Vaterlande stellten. Was aber am schlimmsten wäre, das seien die Selbstzufriedenheit und die Selbstüberhebung. Nur eine gründliche Selbsterkenntnis kann helfen. In den Worten des Philosophen liegt

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