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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 köpfen ihren Wert beweisen wollen. Wir sehen aus dem Angeführten zur Genüge, wie hochgradig das Fieber des Antisemitismus bereits die Geister erhitzt hat, und werden es darum begreiflich finden, wenn an Stelle des Denkens das Phantasieren getreten ist, denn ein Phantasieren nur ist es, wenn Lagarde fortfährt und von den Juden aussagt, sie wären ethisch verarmt. Nein! bei aller Trostlosigkeit, die sich auf dem Gebiete des Geisteslebens der Juden zeigt, können sie gerade auf dem Gebiete der Ethik, weil sie gar'zu große Schätze aus der Vergangenheit ererbt haben, die sich nicht so leicht aufzehren lassen, mit den Bekennern anderer Religionen zum mindesten als gleichwertig bezeichnet werden — wenn sie ihnen darin nicht über sind — abgesehen davon, daß die moderne Ethik, soweit sie auf der Religion basirt, unbestritten semitischen, jüdischen Ursprungs ist, so daß es Geist von unserem Geiste ist, der die Grundlage der modernen Kultur und Gesittung bildet. Aber Lagarde begnügt sich nicht mit dem Vortrag litterarischer Thesen, die schon zum so und so vielten Male aufgestellt wurden; er will auch, daß sie als unmstößliche Wahrheit das praktische Leben in unserem Vaterlande beeinflussen und fährt fort, von der schon oft betonten „Eiterung" zu sprechen, welche diese Fremden, die Juden, im Körper des deutschen Volkes als Nation in der Nation erzeugen. Beseitigt müssen die Juden werden, fort müssen sie, auswandern aus Deutschland, so lautet seine Forderung,, es sei denn, daß sie Deutsche werden. Diese vom Fanatismus dictirten Sätze eines Gelehrten vom Range Lagarde's kennzeichnen den Stand der Judenfrage m gewissen Kreisen am deutlichsten und sollen uns jedenfalls eine Mahnung sein, auf der einen Seite nicht zu vertrauensselig zu sein, aber auf der anderen Seite um so mutiger und entschiedener auf der Bahn unserer geschichtlichen Sendung fortzufahren, denn welche große Aufgabe gerade das Judentum in der Gegenwart zu lösen berufen ist, wird uns um so klarer, wenn wir sehen, wie das Christentum in seinen geistigen Spitzen das Heidentum noch nicht überwunden hat und noch immer unserer erlösenden Mithilfe bedarf. Oder klingt es etwa nicht heidnisch, wenn Lagarde ausruft: „Mit der Humanität müssen wir brechen, denn nicht das allen Menschen Gemeinsame ist unsere eigenste Pflicht, sondern das nur uns Eignende ist es?" Ehe wir andere Stimmen erklingen lassen, durch die der Weise von Göttingen am gründlichsten widerlegt wird, möchten wir nur die Frage aufwerfen, woher Lagarde denn eigentlich das moralische Recht genommen, die Juden sammt und sonders in Deutschland als den außernationalen Teil der Bevölkerung anzusehen? Trägt nicht der deutsche Jude alle Lasten und erfüllt er nicht gewissenhaft die Verbindlichkeiten eines Staatsbürgers? Hat man im heißen Kampfe, wo mutige Krieger Schulter an Schulter im Dienste des deutschen Vaterlandes standen, auch so gesprochen? als jüdische Jünglinge ohne Aussicht auf Lohn, der ihnen einmal ans diesem Gebiete nicht werden kann, mit ihrem Blute die Einheit unseres Vaterlandes mit erringen halfen? Wie? die Juden, die deutsch denken und fühlen, sprechen und schreiben, deren eigenste Litteratur, seit Moses Mendelssohn von echt deutschem Geiste getragen, in allen Kreisen verdiente Anerkennung gefunden, die sollen fremd sein auf dem heimatlichen Boden, auf dem sie das Licht der Welt erblickt, auf dem die Gräber ihrer Ahnen ruhen? Nein und abermals nein! Dann wären auch Fremde die Katholiken auf deutschem Boden, die auswandern müßten, wenn wir mit Fsnölon ausrufen: „O römische Kirche! o heilige Stadt! o teueres und gemeinsames Vaterland aller Christen! Alle sind ein einziges Volk in deinem Schooße, alle sind Mitbürger Roms und jeder Katholik ist römisch" (Kirchliche Monatsschrift von G. Pfeiffer und H. Jepp, 1*

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