Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- Seite 286 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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286 wie das Blatt „Id« Polish Yidel“ in N. 14 berichtet. In London werden in einem dramatischen Klub Stücke in jüdisch deutscher Mundart aufgeführt. So am 30. August ein historisches Drama „Manasse ben Israel," verfaßt von Kahenellenbogen und am 23. August „Manies Sindel" oder „Alles a Chulem" (Traum) eine Tragikomödie in 4 Akten von Jamar. — Von christlicher Seite will man in London daran gehen, ein jüdisches Museum zu gründen. Es sollen zu diesem Zwecke bereits große Summen gezeichnet sein. — Die englische Missionsgesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter ben Juden hat im verflossenen Jahre ein Deficit von 3,601 Dollar zu verzeichnen. — In Aorwich besuchte am letzten Versöhnungstag der Convertit Bergmann die dortigen Synagogen, um Mission zu treiben. — An dem Sarge des Schneidermillionärs Isaak Moses in London, der sich den Luxus eines eigenen Jnseraten-Poeten gönnen durfte, waren Kränze, gespendet von den höchsten fürstlichen Persönlichkeiten, zu sehen. — Herr Marcus Adler» von Palästina zurückgekehrt, erhebt seine Stimme für die aus Jana nach Jerusalem eingewanderten Juden, welche Ackerbauer und Handwerker sind und sich in Jerusalem nicht ernähren können. Nach einer bei ihnen herrschenden Tradition sollen sie Abkömmlinge der zehn Stämme sein. — In Frankreich befinden sich nach der letzten Volkszählung 94 jüdische Gemeinden mit 76 900 Seelen und in Algier 58 Gemeinden mit 47 750 Seelen. — Claude Morel, Redakteur des bereits eingegangenen „L’ Antisemitique“ wurde wegen Erpressung zu 14/a Jahren Zuchthaus verurteilt. Er war schon sechsmal vorherbestraft. — Ein großartiges graphisches Prachtblatt wird demnächst die Pressen der Association des Arts graphiques (12 Rue l’Echiquier) in Paris verlassen. Das für den Salonschmuck bestimmte Kunstblatt soll eine Verewigung Sir Moses Montefiores sein und stellt neben dem wohlgelungenen von gediegenen Allegorien umgebenen Portrait des greisen Philantropen die markantesten Episoden aus seinem thatenreichen Leben dar. Ein biographischer Text wird dieses reichgeschmiickte Prachtblatt begleiten. — Die Bilder aus dem jüdischen Leben von dem Holländischen Meister der Kupferstechkunst aus dem vorige» Jahrhundert Bernhard Pitart (geb. 1663, gestorben 1733) sind im Verlage bei Durlacher in Paris unter dem Titel Scdnes de la vie juive erschienen. Auch die in Paris erscheinende Wochenschrift. „Illustration“ brachte jüngst ein Bild, darstellend einen im Talmudstudium vertieften greisen Juden. — In Paris ist ein Buch „Mission de Juifs“ erschienen, in welchem das Judentum verherrlicht wird. Ernst Krnan hat in seinen neuen Studien über Religionsgeschichte auch dargethan, daß die Juden um die Erhaltung des hebr. Originaltextes der Bibel, wodurch allein eine Reformation im Ehristentume möglich war, die größten Verdienste haben. Spinoza nennt er einen Mann voll Religion und heiligen Geistes, vor dem sich Alle beugen sollten. — In Italien grassirt neben der Cholera auch der Antisemitismus. So hat Pater I. I. Orgelia, Bruder des Kardinals, in der „Civilta Cattolica“ einen giftigen Aufsatz gegen die Juden veröffentlicht. Derselbe hat eine treffliche Widerlegung in einem zu Padua erschienenen Buche „Pro Judäis“ von dem katholischen Gelehrten Dr. Guidetti gefunden. In diesem Buche wird auch der Nachweis geführt, daß die Lombarden und Florentiner viel größere Wucherer gewesen als die Juden im Mittelalter. — Zur Feier des 200jährigen Bestehens der portugiesischen Synagoge in Amsterdam erschien eine Festschrift von de Castro „He Synagoge der Portugeesch-Israelitische Gemeente to Amsterdam“. In derselben Stadt haben die Besitzer von Eafä's, welche von einer gewissen Art christlicher Gäste besucht werden, Ausnahmspreise für Juden, die sich dort restaurieren