Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- Seite 284 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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284 teilungen. Herr Dr. ftiebltinber schildert darin den schrecklichen Zustand der Chedarim und den Mangel jeglichen Religionsunterrichtes bei Kindern, die christliche Schulen besuchen. Die Gründung eines Lehrerseminars in Lemberg, wo bereits Anfänge hierzu vorhanden sind, ebenso auch einer Handwerkerschule, sind dringend notwendig. Mit dem Ackerbau wird es in Galizien bei den Juden schwer halten, jedoch müssen auch Versuche nach dieser Richtung gemacht werden. — In Wien erscheint zweimal wöchentlich der „Neuer Wiener Israelit" in hebräischen Lettern, herausgegeben von Morih Dornbusch, welcher neun Jahre der Redaktion des „Wiener Israelit" auch als Herausgeber und Chefredakteur angehört hat, der vom 3. Oktober den Eigentümer gewechselt hat. — Von Ch?. Fippe's „Bibliographischer Anzeiger" der gesammten jüdischen Literatur der Gegenwart, der 1879 in Wien erschienen ist, soll der zweite Teil demnächst in Druck gelegt werden. — Von Dr. I. A. Mach ist erschienen: „Einblicke in die Geschichte der Entstehung der talmudischen Literatur" (Wien 1884, Verlag der Buchhandlung D. Löwy). Der Verfasser führt in diesem Werke den Nachweis, daß die Mischnah und der Talniud erst zur Zeit der Saburäer, als der Islam ins Leben trat, niedergeschrieben wurden. Diese auch für das praktische Judentum eminent wichtige Frage wird mit vieler Sachkenntnis, die auf Beherrschung des weit auseinanderliegenden Stoffes ruht, und mit einer Klarheit, wie man sie sonst gewöhnlich nicht in Arbeiten über die talmudische Literatur anzutreffen pflegt, behandelt und wirken die Resultate überzeugend auf den Leser. — Von Dr. Giidemann's Geschichte des Grsiehmigswefens und der Kultur der abendländischen Juden ist der zweite Teil erschienen (Wien, bei Alfred Hölder). Der Verfasser, ein fleißiger Forscher und kundiger Führer auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte, bietet uns in diesem höchst bedeutenden Werke eine Darstellung der Kulturzustände der Juden in Italien während der Zeit des Mittelalters dar. Ein solches Buch läßt sich nicht von der Hand wegschreiben. Ausführliche Nachrichten und naheliegende Quellen, aus denen die Kenntnis des zu behandelnden Stoffes leicht zu haben ist, sind fast gar nicht vorhanden und vereinzelte Daten und Andeutungen, die in den verschiedensten Werken der älteren Literatur sich vorfinden, geben auch keine fertige Geschichte. Umsomehr Anerkennung verdient die Leistung des Verfassers, der mit umsichtiger Sorgsamkeit das ganze, teilweise auch den Sachkennern bisher verborgen gebliebene Quellenmaterial zusammengetragen, jede einzelne Angabe auf ihren Inhalt geprüft und auf Grundlage solcher vielfältigen gründlichen Untersuchungen eine in sich zusammenhängende lichtvolle Schilderung des mittelalterlich jüdischen Kulturlebens in Italien während der genannten Zeitperiode entworfen hat. Das Buch ist reich an neuen Ermittlungen und Aufschlüssen, wie z. B. über die Juden in Sardinien, von denen fast gar nichts bekannt war, über die jüdische Petruslegende, in der der Verfasser eine Variation ähnlicher christlicher Sagen erkennt, über die Gemeindeverfassung der Juden in Palermo u. a. m. Auch die Leistungen der einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten, des Arztes Sabbatai Donolo, des Dichters Immanuel de Fermo, des Talmudforschers Jesaia de Tram, des Moralphilosophen Jechiel b. Jekutiel u. a. werden in zutreffender Weise charakterisirt. Wir wollen zum Schluffe die populär gehaltene, klare und geschmackvolle Darstellung hervorheben, die dem Buche einen weiteren Leserkreis zu sichern geeignet ist. — Ferner sind erschienen: Zwei Neden, an der Bahre und am Grabe des verstorbenen Rabbiners A. Stein, Prediger an der Meisel-Synagoge in Prag (Verlag von Schmelkes), über die Herr Dr. Rothschild-Alzey berichtet: Die eine hielt Ober-