Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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283 werde ich aufmerksam verfolgen, doch werde ich nach besten Kräften Sorge dafür tragen, daß ich die Verbreitung dieser Lehren und die Vergiftung des Volkes verhindere. Das Resultat zehntägiger Verhandlung war ein Sieg der Regierungspartei mit 62 Stiminen über die Gegner. Nach dem neuen Gesetzentwürfe über die Organisation der ungarischen Magnatentafel als Oberhaus wird von der Regierung in dasselbe auch ein Rabbiner zum lebenslänglichen Mitgliede ernannt werden. — Herr Heinrich Ireund in Budapest wurde in den erblichen Adelstand erhoben. — Bei dem Mnfkirchner Zentral-Wahlausschuß lief ein Gesuch eines Antisemiten, Df. jur. und. phil. Dietrich ein, mit dem Verlangen die Juden aus der Wählerliste zu streichen, weil das Emanzipationsgesetz nur von Gleichberechtigung der Israeliten, nicht aber der Juden spreche. — Bei dem in Wie« vom 6.-8. September abgehaltenen Gewerbtage richtete der Uhrmacher Buschenhagen an den Vertreter des Handwerkes die Frage, ob es sich nicht empfehlen werde, wie in Spanien gegen die Juden vorzugehen. — Prof. Rudolf v. Ähering wird im III. Bande seines Werkes „Der Zweck im Rechte" auch die Judenfrage berühren. Er schreibt hierüber an Herrn Isidor Singer: „Für die gegenwärtige Veranlassung mag die Andeutung genügen, daß ich die geschichtliche Entwicklung des Gedankens der Menschlichkeit verfolge und den Nachweis führe, daß dieser Gedanke, zu dem sich die Griechen und Römer noch nicht erhoben hatten, die vielmehr die Fremden als rechtlos betrachteten, in dem Rechte des alten Testamentes mit aller Klarheit und Bestimmtheit ausgesprochen worden ist, womit ich dann das Auftreten von Christus mit der Lehre der Liebe in Verbindung bringe. Dem Volke, das unserer modernen Welt den Gedanken der Menschlichkeit und der an keinen Unterschied des Glaubens geknüpften Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitismus durch die Verläugnung dieser Grundsätze ihm gegenüber. Gottlob, daß dieselben in der heutigen Welt bereits zu feste Wurzeln geschlagen haben, um diesem Unterfangen Erfolg in Aussicht zu stellen." — Im „Heimgarten" hat der Dichter Kosegger ein offenes Schreiben an junge Antisemiten in Wien gerichtet, worin es heißt: Bursche! Ihr habt mir — und wie Ihr sagt — im Namen Eurer Genossen Vorwürfe gemacht, daß wir das Judentum protegierten. Wir hassen die Geld- und Schacherjuden, die oft bis zur'Tollheit um's goldene Rind tanzen. Wir hassen die Protzjuden mit ihrem äußeren Prunk und ihrer inneren Hohlheit.-Wir sagen es manchen Juden ins Gesicht, daß wir sie verabscheuen, wir sagen dasselbe auch manchem Christen ins Gesicht.-Ihr jungen christlichen Schlemmer, Schreier, Streber in der Großstadt seid zehnmahl verjudelter, als der arme Poet, der dem unschuldigen Teile der Juden das Wort redet. Oder seid Ihr trotz Eueres Studiums der Kulturgeschichte so albern zu glauben, daß es unter den Juden keinen ehrlichen edel und ideal angelegten Charakter giebt? Unter je hundert Menschen getrauen wir uns einen wahrhaftigen Menschen zu finden — auch bei den Juden. — Ihr belehrt uns Bursche! daß die größten Männer aller Zeiten Antisemiten waren. Gewiß Richard Wagner, Lessing, Spinoza, Christus, selbst Moses waren Antisemiten in dem Sinne, als sie Feinde der crassen Ichsucht und des goldenen Kalbes gewesen sind. Aber glaubt Ihr, daß Schiller, Rousseau, Luther das goldene Kalb der Christen weniger gehaßt haben?-Je brutaler Ihr das ganze Judentum bekämpfet, desto lebhafter werden wir von der Poetengilde, die, wenn auch nur Wenigen, verteidigen, welchen Ihr Unrecht thut, ein Unrecht, wie wir es in der blutigen Geschichte der Menschheit tief verabscheuen gelernt haben. — Die Gesterreichische israelitische Man; veröffentlicht das sechste Heft ihrer Mit- > 25