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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-12-01 · Heft 12 (1.12.1884) · p. Seite 282

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 12 (1.12.1884)
Date
1884-12-01
Page
Seite 282 (sequence 16)
Language
German
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282 Auf den Sarg des verstorbenen reformirten Bischofs Kagy Peter in Klausenburg legte auch die dortige israel. Gemeinde einen Kranz mit der Inschrift „Die israel. Gemeinde ihrem großen Gönner" nieder. — In fjliuidt wurde Morih v. Urbanowsky auf jüdischem Leichenwagen zu Grabe gefahren, auch hat die katholische Gemeinde von der jüdischen die schwarze Fahne geliehen. — In Tis;a Markani wurde bei der Einweihung des jüdischen Gotteshauses die Festrede von einem christlichen Priester gehalten und in H;iget mußte an den jüngsten Festtagen Herr Rabbiner Teitelbaum unter polizeilicher Bedeckung seine Rede zu Ende halten, den seine Gegenpartei bei Beginn derselben von der Kanzel zerren wollte. — Im böhmischen Landtage brachte am 7. Oktober der Abgeordnete Palacka die Eingabe der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft ein, in welcher verlangt wird, daß von dem für religiöse Zwecke votiertem Gelde auch die israelitischen Gemeinden bedacht werden sollen. — In Izegled kam ein Junge in das Geschäft des. Herrn Morih Hirschel mit dem Anträge, er wolle ihm zu den jüdischen Festen Christenblut verschaffen und lud ihn ein, zu diesem Zwecke sich mit ihm nach der Wohnung der Lydia Molnar zu begeben. Hirschel that dies auch, aber in Begleitung von Polizeibeamten. Mail fand Lydia an beiden Händen blutend. Nach ihrem gleich abgelegten Geständnisse wollte sie die Juden des Verbrechens überführen, Mordversuche zum Zwecke des Blutverbrauches gemacht zu haben. — In ijriis ist die Verbindung „Pontana" am Real-Obergymnasium wegen antisemitischer Propaganda von der Regierung aufgelöst worden. — Der Gerichtshof in Krakau verurteilte Moses Kitter, Marcele Ztochlisln und Eitel Kitter zum Tode durch den Strang wegen Verbrechens des Mordes, begangen an Iranstska Mnich. In den weitesten Kreisen werden die Eheleute Ritter für unschuldig gehalten. Man hofft, daß die sofort angemeldete Nichtigkeitsbeschwerde das Urteil aufheben werde. — Der oberste Gerichtshof in Budapest fällte am 10. Oktober das Urteil über die Rädelsführer der vorjährigen Judenexesse im Oedenburger Komitat, bei welchen bekanntlich ein Jude getötet wurde. Das Urteil der obersten Instanz weicht nicht blos in der Qualifizierung des Verbrechens durch die unteren Instanzen ab, sondern es verdoppelt und verdreifacht auch das Strafausmaß. — Kaiser Iran; Joseph eröffnet« am 29. September den ungarischen Reichstag in Budapest und betonte, daß mit politischer Weisheit und, wo es nötig, mit voller Energie die Uebelstände behoben und die zu Reibungen zwischen Nationalitäten, Konfessionen und Gesellschaftsklassen führenden Aufreizungen beseitigt werden sollen. Gegen diese Verdammung der antisemitischen Bewegung, welcher der Adreßausschuß des Abgeordnetenhauses zustimmte, wendet sich der Entwurf der antisemitischen Partei mit dem Verlangen nach Revision des Strafgesetzes, welches „die spezifisch jüdischen Verbrechen bemäntle". Sie betrachtet die Emanzipation als einen großen politischen Fehler. Es sind bei der Debatte viele harte Worte auf Grund von Lügen gegen die Juden besonders durch den Abgeordneten Zimandy laut geworden, die der Ministerpräsident Tis;a begeistert zurückwies, indem er ausrief: Im vergangenen Jahrhundert gelang es Manchem, durch Hexenprozesie dunkle düstere Blätter — ich will mich keines stärkeren Ausdruckes bedienen — in die Jahrbücher der ungarischen Justiz einzufügen. Nun, den Herren Antisemiten wird es gelingen, ebenso düstere und betrübende Blätter dem Diarium des ungarischen Abgeordnetenhauses einzufügen. So wie aber Jene aufhörten und wie darüber jeder nüchtern denkende und christlich fühlende Mensch den Stab brach, ohne daß die Sache ein Resultat gehabt hätte, so werden auch die Antisemiten mit ihrem Wirken endigen. Die Früchte ihrer Lehren (der Antisemiten)

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