Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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280 in unfern Monatsblättern (4. Jahrg. S. 72) angezeigte Schrift von Dr. Sam. Spitzer, Oberrabbiner in Esseg „Ueber Baden und Bäder bei den alten Völkern, namentlich bei den Hebräern, Griechen und Römern. Eine hygienische Skizze." In demselben Hefte der Zeitschrift des D. P. V. berichtet I. G. Stickel über jüdische Münzen aus Jerusalem. Herr Baurat Schi« daselbst läßt die durch Bodenarbeiter gemachten Funde sammeln und überweist dieselben deutschen Kabinetten. Das Jenaische Kabinet besaß bis jetzt nur drei jüdische Münzen und dankt die erwünschte Vermehrung in Kupfermünzen Herrn Schick. Unter den neuen Münzen finden sich Exemplare aus den Tagen des jüdischen Königs Alexander Jannai 105—78 v. Ehr., aus den Tagen Herodes des Großen 40—4 v. Ehr. und Herodes Archelaus 4 v.—6 n. Ehr. Siebzehn Münzen stanimen aus den Zeiten 66—70 n. Ehr. — Ein großer Teil des Papyrusfundes von Fayum ist in den Besitz der ägyptischen Abteilung des Königl. Museums nach Berlin gelangt. Unter den alten Handschriften finden sich auch Reste von Bibelcodices, darunter auch Stücke der griechischen Bibelübersetzung (LXX), so z. B. das vierte Kapitel der Genesis. Auf Veranlassung der Firma Brill in Leiden hat die königl. Bibliothek in Berlin eine bedeutende Sammlung arabischer Handschriften erstanden, die von Prof. Ahlmardt in Greifswald geprüft wurden. Die Sammlung besteht aus 1600 Werken in 1052 Bänden. — Die „Allgemeine Evangelisch lutherische Kirchenzeitung" (Nr. 19,1884) bringt unter „Reformationsgeschichtliche Kuriosa" von F. D. als neunten Artikel einen Aufsatz überschrieben: „Der kalte Wind von Kihdorf". In demselben wird Klage darüber geführt, daß Luther in seinen Schriften von 1542—t 543 in den Standpunkt des Mittelalters, über den er sich 1522 reformatorisch erhoben hat, zurückgefallen sei. Er, der die faustrechtliche Selbsthilfe der Bauern verurteilt hat, ruft die Christen auf, die Synagogen niederzubrennen und die Juden zu bedrücken. Der deutsche Paulus ist zurückgefallen in die Schwächen des Saulus, früher ein Verehrer Reuchlins, welcher der Kirche die hebräische Sprache erschlossen, stellt er sich auf Seite Pfefferkorns. Seine Ratschläge werden unchristlich und „die Gewalt der Natur wird in ihm mächtiger als die Gewalt des Geistes". Diesem Hasse Luthers fehlt der paulinische Hintergrund tragender und hoffender Liebe. Am 1. Februar schreibt er auf seiner letzten Reise an Catharina von Eisleben aus: Ich bin gar schwach gewesen auf dem Wege hart vor Eisleben, das war meine Schuld. Aber wenn du dagewesen wärest, so hättest du gesagt, es wäre der Juden oder ihres Gottes (des Teufels) Schuld gewesen, denn wir mußten durch ein Dorf hart vor Eisleben (Rißdorf), darinnen viele Inden wohnen, vielleicht haben sie mich so hart an ge blasen und wahr ist, als ich bei dem Dorfe war, gieng ein solcher kalter Wind hinten im Wagen hinein auf mein Kopf durchs Baret, als wollts mir das Gehirn zu Eis machen. Es bleibt nach dem Schreiber ein dunkler Schatten, wenn auch nicht der dunkelste im Werke Luthers, daß er schließlich mittelalterliche Judenverfolgungen heraufbeschwor. Die Folgezeit hat den späteren Luther nach dem früheren berichtigt. — A. Dielefttd's Hofbuchhandlung in Karlsruhe hat „Blätter für Bücherliebhaber" (Nr. 113) enthaltend Hebraica und Judaica ausgegeben mit über 500 Nummern wertvoller Bücher, welche ein Bibliophile mit Verständnis gesammelt hat. — In der Ituhr'schen Buchhandlung (G. Gerstmann) in Berlin (1885) ist erschienen: „Die Bedeutung des Judentums. Rede, gehalten am Versöhnungstage von Dr. Immanuel Kitter, Prediger der jüd. Reformgemeinde." In derselben' wird auf die unsterbliche Seite des Judentums und auf das unvergängliche Licht, welches von ihm ausstrahlt (an-