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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-12-01 · Heft 12 (1.12.1884) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 12 (1.12.1884)
Date
1884-12-01
Page
Seite 274 (sequence 8)
Language
German
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274 ihm zu essen und zu trinken, denn feurige Kohlen sammelst du dadurch auf sein Haupt (Sprüche 10,12. 25, 20 ff.). Freilich sind das, auch Aussprüche des N. T., aber zunächst stehen sie im A. T., und das Christentum hat sie dem Judentum und seinen Schriften entnommen. Der Ausspruch Hillel's: „Was du nicht willst, daß man dir es thu, das füge du auch keinem Andern zu", findet sich, statt in dieser negativen Form, in affirmativer auch im N. T.; aber Hillel lebte vor Jesus, und Jesus hat diesen Grundsatz Hillel entnommen. Wäre das Gebot der universellen Nächstenliebe eine Lehre des Christentums und dem Judentum ftemd, dieses würde sich gescheut haben, eine oppositionelle Lehre, zumal als die Christen den Juden feindlich gegenüber standen, in sich aufzunehmen. Akiba und Ben Assai, Märtyrer und Zeitgenossen der Hadrianischen und römisch-christlichen Verfolgung, erinnern trotzdem an das Gebot der Nächstenliebe, und zwar schon vom Standpunkte des Menschentumes und der Humanität aus, da das Gebot: „du sollst deinen Nebenmenschen lieben, auch den Fremden, der bei dir wohnt" (Lev. 19, 18 u. 33) universell ist und sich auf jeden Menschen bezieht ohne Unterschied der Naüon und Konfession. Und nun will man sagen, das Gebot der universellen Nächstenliebe ist dem Judentum unbekannt geblieben und erst durch das Christentum aufgestellt worden. Angenommen selbst, es wäre so, obwol es nicht so ist, hätten dann die Juden den Christen in den Werken der universellen Nächstenliebe von Anfang an und alle Jahrhunderte hindurch über sein können? Streite man doch nicht um Worte und graue Theorieen, die praktische Liebe der Juden, nicht die auf Glaubensgenossen beschränkte, sondern die Universelle, auch gegen Christen, selbst gegen die Juden feindlich gesinnten und handelnden Christen, geübt, hält der christlichen Liebe, nicht blos gegen Juden, auch gegen Christen geübt, vollends die Wagschale, ja zieht diese noch etwas tiefer. Das so genannte „praktische Christentum" zur Anregung und Bethätigung der praktischen Nächstenliebe, ist erst eine Erfindung der Neuzeit, ist kaum über die Fassung des ideellen Begriffs hinausgekommen und in die sichtbare Erscheinung des Lebens fast noch nicht getreten; das „praktische Judentum" aber ist uralt und hat seit lange sichtbare Lebensformen angenommen und bis heute bewährt. Alzey. vr. Rothschild. Kyanuka. Schullied von I. Jacobsohu, Lehrer an der jüd. Töchterschule in Berlin. Draußen Nebel, trüb und feindlich, Dunkle Nacht und Wintergraus Aber Lichtschein, hell und freundlich, Strahlt von Judas Häusern aus; Und beim milden Glanz der Kerzen Tönt ein alter, frommer Saug, Und er singt von Judas Schmerzen Und von Judas Not und Drang. Wie es Pharao gezwänget In des Sclavenjoches Last, Wie's verstoßen und gedränget Nirgends Ruhe fand und Rast, Wie's von einem Land zum andern Viele hundert Jahre lang Wandern mußt und immer wandern, Alles dies erzählt der Sang.

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