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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-12-01 · Heft 12 (1.12.1884) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 12 (1.12.1884)
Date
1884-12-01
Page
Seite 271 (sequence 5)
Language
German
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271 wiederum zu nehmen suchen, das Lebenslicht des Geistes auslöschen, daß sie wie ehedem schaurige Finsternis bedeckt, da werden auch wir, wie einst Jakob an den Grenzen seiner Heiinat, von neuen unerwarteten grimmigen Feinden uns angegriffen sehen. Denn wo die Gottesliebe aufgehört hat, da geht es auch mit oer Menschenliebe bald zu Ende, da führt die zügellose Selbstsucht das Scepter, da übt der ungemessene Dünkel, der losgelassene Frevel seine Schreckensherrschaft aus. Der Gottessinn bändigt den bösen Geist, der die Leidenschaften des Menschenherzens aufwühlt, er bannt die finsteren wohnhaften Vorurteile, die nur Zwietracht und Entfremdung schaffen, er weckt höhere und edlere Empfindungen in den Gemütern und beseelt uns mit rechtschaffener liebevoller Gesinnung. Wir, die wir des Wohlwollens unserer Mitmenschen so sehr bedürfen, wir können nicht anders als den Menschenhaß bekämpfen und zu nichte machen. Wir müssen, um das Heil zu vollführen und den Segen zu stiften, der von uns ausgehen soll, die wahre Eintracht und Verbrüderung aller Menschheit anstreben. Die tiefere Quelle des Menschenhasses ist aber die Gottlosigkeit, bei der das Herz entartet und das Gemüt verwildert. Für das Göttliche eintreten, für die wahre Menschlichkeit einstehen, der Vergötterung der Lüge, der Ausbreitung des Hasses entgegenwirken dadurch daß wir selbst im Lichte emporstreben, unermüdlich ausharren bis zum Morgen jenes großen Tages, an welchem nur ein Gott und eine Menschheit sein wird, das ist unser Beruf, das ist unser Sieg und für alle Zukunft der Stamm unseres Heiles und Friedens. Tierschutz und Wenschentieve. Die „Allgemeine Tierschutz-Zeitschrift für das Großh. Hessen" Nr. 9 hat es rühmlichst anerkannt, daß Humanität und Nächstenliebe, Abwehr von Rohheit und Erziehung zu milden Sitten, daß also auch die Grundsätze und Lehren des Tierschutzes Prinzipien des Judentums sind und in den Schriften des A. T. Erwähnung finden. Uns ist dies freilich längst bekannt, allgemein aber wird dies von den Christen noch nicht anerkannt; selbst in der Tierschutz-Zeitschrift haben wir früher für die Anerkennung dieser Ansicht kämpfen müssen. Freuen wir uns daher, daß die Wahrheit Annahme findet, von woher sie auch komme. Jndeß sind doch einige Zusätze und Verbesserungen zu den Auffassungen jener Zeitschrift erforderlich. Richtig wird das Verbot, das Lämmchen in der Milch seiner Mutter zu kochen, im Sinne des Tierschutzes und der Humanität aufgefaßt. Aber dann ist es falsch, zu übersetzen: in der Milch, sondern es muß heißen: an der Milch. Dies will sagen: so lange das Lämmchen an der Mutterbrust ist und saugt. In dieser Weise und im Sinne dieser Erklärung übersetzt ja auch Luther. Diesem Grundsätze entsprechend ist auch geboten, das Junge wenigstens 7 Tage bei seiner Mutter zu lassen, und verboten, Junges und Altes zugleich zu schlachten. Ebendahin gehört auch das Verbot, Vogelnester auszunehmen, solange die Vogelmutter auf den Eiern oder den Jungen sitzt; und zwar ist dies verboten sowohl zum Schutze der Brut, wie aus Rücksicht gegen die Alten. Wenn es dann im Gesetze weiter heißt: „die Mutter sollst du fortschicken und die Jungen dir nehmen," so ist nicht damit gemeint: gewaltsam fortjagen; darin würde weder Schutz noch

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