Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- Seite 269 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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269 einmal in offenem Kampfe sich dir entgegenstellen; du mußt von der göttlichen Kraft des Geistes beseelt, mit den Waffen des Lichtes und der Wahrheit ausgerüstet sein, dann wirst du trotz alles Ansturms blinder Verfolgungssucht auszuharren vermögen, bis für alle Menschheit der lichtbringende Morgen angebrochen ist. Auf diese Geistesmacht mußt du dich stützen und alle Götter, die man gegen dich anruft, um deinen Glauben zu Nichte zu machen, und alle Machthaber, die sich wider dich erheben, um dein Recht in den Staub zu treten, werden dir den Sieg nicht zu rauben vermögen, der zum bleibenden Frieden führt und endlich deine Feinde und Gegner dir zu Freunden und Verbündeten macht, die dich segnen und dich mit Treue und Ehre umgeben. In der Bewahrung des Namens, der an Gotteskraft und Geistesmut uns erinnert, liegt unsere Aufgabe; kämpfen müssen wir gegen die Vergötterung des Ungöttlichen, von der wir auch selbst noch gar nicht frei sind, und kämpfen' müssen wir gegen den Menschenhaß, den wir gar so schwer empfunden haben. Das giebt uns ein Recht des Bestandes und bringt uns den unausbleiblichen für alle Menschheit erfolgreichen Sieg. Irrig ist die Annahme, daß das alte Heidentum mit seiner Vergötterung des Nichtigen in unserer Mitte längst überwunden und das Werk der Läuterung unseres Glaubens und Strebens bereits vollbracht und zu Ende geführt sei. Von Israel, dem die wahre Gotteserkenntuis offenbart und mit ihr auch der Schatz der erhabensten Lebensweisheit erschlossen wurde, hätte man es freilich am ehesten erwarten sollen, daß es die Fahne der Geisteshoheit stets Hochhalten und der großen Sendung, die durch die Gnade des Ewigen ihm übertragen ward, sich würdig zeigen, ihr mit edler unerschütterlicher Beharrlichkeit stets treu bleiben werde, allein die Thatsachen haben diesen berechtigten Erwartungen nicht immer entsprochen, ja oft auch das Gegenteil derselben bewiesen und dargethan. Die Wahrheit sollte von uns heilig gehalten werden, die Gerechtigkeit auf dem Boden unserer Glaubensgemeinde ihre feste Heimat finden, das Streben nach geistiger Veredlung und Vervollkonnnnung bis ins Innerste der Seele uns erfüllen, und wir haben mit ausgesprochenen vollem Bewußtsein der Lüge gehuldigt, die umwandelbaren Gesetze der Gerechtigkeit unserem zufälligen Wollen und Belieben unterordnet und unseren Sinn nur dem Vergänglichen und Irdischen zugewendet und, indem wir im Herzen unserem Gotte uns entfremdeten, vor den Götzen des irdischen Lebensgenusses uns in den Staub geworfen. Ja wir können heute, wo die Erfahrung von Jahrtausenden uns schon weiser und verständiger gemacht haben sollte, nicht einmal sagen, daß die Schilderung eines solchen Verfalls blos auf die Zeiten paßt, in denen unsere Propheten mit ihren von himmlischem Feuer durchglühten Worten diese Abgründe der Entartung so schaurig erleuchteten, oder beini Anblicke der furchtbaren Strafgerichte, die über unsere Väter ergiengen, ihnen die Quelle aller Leiden, die gottvergessene Sündhaftigkeit, deutlich und sichtbar wurde. Wer wollte es leugnen, daß das Nebel auch heutzutage noch fortbesteht, ja gerade in gegenwärtiger Zeit sich wiederum recht tief bei uns eingewurzelt hat? „Dem Jakob war die Sonne aufgegangen und siehe! da hinkte er an seinem Fuße und konnte nicht recht vorwärts kommen," erzählt uns die heilige Schrift und wahrlich! man kann das Gleiche auch von dem Sen Israel behaupten. Es ist nach langer Nacht ihm ein freundlicher Morgen rochen, es hat gleiches Licht und gleiche Sonne mit allen den Völkern, in deren Mitte es lebt, aber wir tappen, währendem der helle Tagesglanz dieser neuen Zeit uns umgiebt, dennoch wie in dunkler Finsternis dahin, es ist die innere Geisteskraft erlahmt und daher ein fortwährendes Schwanken und Hinken, 42*