Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1884)
- Date
- 1884-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969724--1200-2971650- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
261 erscheint und wir müssen auf unsere Distriktual - Verordnungen Hinweisen, die Gesetzkraft besitzen und sagen, daß die Anhänger unserer Konfession in Frieden» christlicher Liebe und Einigkeit leben sollen." — In Großwardein sprach Ungarns Ministerpräsident Tis;a vor seinen Wühlern und betonte, daß der ungarische Staat stark genug sei, um auch die Agitation zu bekämpfen, welche das gute Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen stört, wenn sie in Gewaltthätigkeit ausartet. Tisza wünscht im Sinne der gesetzlich ausgesprochenen Rechtsgleichheit auch die Vertretung der jüd. Konfession im Oberhause. — Kaiser Iran; Zosef sprach bei Gelegenheit seiner Anwesenheit in Arad zur katholischen Geistlichkeit, daß sie auf seine Gnade rechnen könne, wenn sie die Gläubigen von den nationalen oder konfessionellen Reibungen abhalten wird, und zum Führer der jüdischen Deputation Herrn Oberrabbiner Steinhardt: „Gnädig empfange ich Ihre Huldigung und seien Sie überzeugt, daß ohne Unterschied des Glaubens jeder Bürger des Landes, den die Treue und eine selbstlose patriotische Haltung darum verdient machen, auf meine Gnade und auf den Schutz meiner Regierung jederzeit rechnen kann." — Ein katholisches Kirchenblatt „Magyar Korona," „Ungarische Krone" schreibt: „Wir haben viel zu oft das Auftreten der Antisemiten misbilligt, als daß man uns jetzt dessen beschuldigen könnte, daß wir denselben etwa die „Stange halten" wollten Im Gegenteil! Wie bei andern Gelegenheiten, erklären wir auch jetzt, daß dasjenige, was im Antisemitismus verdammenswert ist, nicht erst jetzt oder künftig durch das Wort einzelner, wenn auch noch so angesehener Männer, oder durch Versammlungen und „Konvente" verdammt werden müsse; da es ja bereits durch den Stifter der christlichen Religion verurteilt worden ist, der da die Welt gelehrt hat: „liebe deinen Nächsten wie dich selbst" — dies lehrt die Kirche seit nahezu zwei Jahrtausenden. Dies verkündet sie von der Kanzel herab und prägt es in der Schule in das Herz der Heranwachsenden Geschlechter ein. Je größer der Einfluß dieser Religion, welche dergleichen lehrt, in der Schule, in der Gesellschaft, im Staate, sowohl bei Christen, als auch bei Israeliten, um so gewisser wird der Antisemitismus verschwinden und nichts zurücklassen, als leeren Dunst." — In Wien wurde der „Tisza-Eszlarer Fall von Gesa Gnody" konfisziert. — Auch in Petersburg wurden die Schriften Ljntostansliy's, des russischen Rohling, die im Jahre 1880 von oben herab belobt und empfohlen wurden, für das ganze russische Reich von der Regierung verboten. — In der Zeitschrift ,,La vilte de Paris" wird zur Gründung eines Vereines, um den Antisemitismus zu bekämpfen, aufgefordert und in Jassy erscheint ein Blatt „Lupta" (Kampf), welches die Regierung in Rumänien wegen ihres Gebahrens gegen die Juden energisch bekämpft. — In der „Presse Departementale" in Algier wird das Judentum verherrlicht. Die Katholiken werden aufgefordert, erst die erhabene Geschichte der Juden kennen zu lernen, wodurch sie zu anderen Urteilen gelangen würden. — Pater Georg Pruteir, welcher in Neschen wohnte, sagt unter Anderem in seinem „Vermächtnis an die Lehrer" Folgendes: Sollte den Priestern der unbedingte Genuß lieber sein als Pflichterfüllung; sollten sie durch Unsittlichkeit, Materialismus und Atheismus die Wohlfahrt der Bürger untergraben; so steht der göttlichen Vorsehung noch ein Menschenstamm zu Gebote, um die gefallene Menschheit aufzurichten. Vor 1800 Jahren haben Juden, Christus und seine Apostel, die heidnische Welt ans der Sittenlosigkeit zur Humanität gehoben; von dem Juden kann man auch eine Erlösung der gefallenen Christenheit erwarten, wenn die Kirche durch Aberglauben, die Schule durch Unglauben die Vernunft unterdrücken und die Thierheit im Menschen herrschend machen. — Emile de Laveleye, Professor der Nationalökonomie 23*