Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1884)
- Date
- 1884-11-01
- Page
- Seite 262 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969724--1201-2971651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
262 in Lüttich, äußert sich in seinem Werke „kllsmants d'äoonomio politique,“ nachdem er den günstigen Einfluß der jüdischen Religion auf die wirtschaftliche Entwicklung seiner Bekenner nachgewiesen, daß die Intoleranz, diese Abweichung vom wahrhaft religiösen Leben, ein ökonomischer Fehler gewesen, der aus Spanien die Juden vertrieben, welche den Handel förderten und für die Bedürfnisse des Kredits sorgten, und daß Holland, wohin die religiöse Freiheit die Präskribierten aus den andern Ländern und die Opfer all' der Intoleranz zog, damit zum Gedeihen des Landes in bedeutendem Maßstabe beitrug. Bei dem Kongresse für Hygiene in Haag wurde von Dr. Corfield voll Bewunderung auf die Bibel hingewiesen, in welcher so weise Einrichtungen angetroffen werden. Die Lehre Mosis wurde als Muster hingestellt unter staunendem Hinweise ans den Reichtum der Naturkunde, der sich in Allem zeigt. — Im kroatischen Landtage wurde eine Interpellation des Abgeordneten Pfarrer Josef Zoric, betreffend den Uebertritt vom Christentum zum Judentume, von dem Sektionschef Uaucina dahin beantwortet, daß fortan demselben nichts ini Wege stehe; und am 9. September hat der Unterrichtsausschuß dem galizischen Landtage über die Aufhebung der Winkelschulen, „Cheder“ genannt, berichtet. Diese hochwichtige Angelegenheit wurde von dem Verein zur Hebung der Volksbildung in Krakau angeregt. Nach dem Berichte kommen mit dem dritten Jahre, manchmal schon früher, Kinder in diese Schulen und müssen in diesem zarten Alter den ganzen Tag hindurch in dunklen, schmutzigen, dunstigen Stuben zubringen. Der Ausschuß spricht sich für die Aufhebung dieser Anstalten aus und trägt unter Anderem auch an, in Ortschaften, wo die jüd. Jugend in größerer Anzahl die öffentlichen Volksschulen besucht, für dieselben den Unterricht in der hebr. Sprache und Religion einzufiihren. Traurig genug, daß unsere Glaubensgenossen in Galizien darin noch auf vormendelssohnischem Standpunkte stehen und um mehr als ein Jahrhundert zurück sind. — In Lemberg ist vom Magistrate eine Verfügung der galizischen Statthalterei eröffnet worden, laut welcher „von nun an die Leichen verstorbener Israeliten unbedingt in gut verschlossenen Särgen vom Sterbehause auf den Friedhof zu tragen sind, und daß es nicht gestattet ist, den Sarg vor der Beerdigung nochmals zu öffnen." Auch in Frankfurt werden die Särge auf dem Friedhofe nochmals geöffnet. In Rußland werden sogar in manchen Gemeinden reiche verstorbene Juden in demselben Baderaume gereinigt, in welchem sonst Lebende baden! — In Tlotuito mußte jüngst die Polizei eingreifen, um die Schlägereien im Gotteshause zu hindern. Darob alle möglichen Angebereien bei der Regierung durch Juden in Bezug auf Militärsachen. Es scheint wohl nur, daß man, da gerade der Abschnitt „Korach" aus der Thora gelesen wurde, hierzu eine lebende Illustration geben wollte.. — Aehnliche Vorgänge werden aus Kalla berichtet. Mit Recht heißt es im „Haraeliz“; Es ist das eine Entweihung des göttlichen Namens, eine Schande vor den Nichtjuden, und wir werden dadurch Gegenstand der Verachtung bei den Feinden. Am 4. August kam es in Dembrowih zu Judenkravallen, ebenso auch in Kowno. In Dorfgemeinden werden die Ausweisungen jüd. Familien immer zahlreicher. — Aus Amerika gelangte ein Schreiben nach Europa, in welchem davor gewarnt wird, leichtfertig Juden aus Rußland und Rumänien emigrieren zu lassen. Nur arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen finden dort Brot, alle Anderen verhungern — In der Türkei hat es Osman Pascha durchgesetzt, daß in einem Ministerrate der hohen Pforte beschlossen wurde, die Kolonisation Palästinas durch russische und rumänische Juden zu gestatten, wenn dieselben türkische Unterthanen werden. — Baron Henry de Worms hat in der „Times" seine Stimme für die armen Juden