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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-11-01 · Heft 11 (1.11.1884) · p. Seite 259

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (1.11.1884)
Date
1884-11-01
Page
Seite 259 (sequence 17)
Language
German
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259 Die evangelischen und katholischen Geistlichen folgten der Einladung nichts Auch einige jüdische Familien können sich mit den Orgeltönen nicht befreunden und haben sich zu einer Separatgemeinde verbunden- Aus Anlaß der Feier erschien eine Festschrift: Geschichte der Juden in Erfurt, ein Skizze. — Am 5. und 6. September fanden die Einweihnngsfeierlichkeiten der neuen Synagoge in Landau statt. Die Tage gestalteten sich zu Ehrentagen nicht nur für die jüdische Gemeinde, sondern zu einem Ehrenzeugnis für die Stadt Landau, in der der Geist der Eintracht und des Friedens zwischen den Bürgern verschiedener Konfessionen herrscht. Alle Häuser waren mit deutschen und bayerischen Fahnen nnd viele auch mit Blumen nnd Guirlanden geschmückt. Herr Rabbiner vr. Grünebaum, der seit einem halben Jahrhundert dort segensreich wirkt, hat durch seine hohe wissenschaftliche Begabung, wie durch seine charakterfeste reformistische Richtung viel zur Hebung der jüdischen Gemeinde beigetragen und zur Achtung und Anerkennung, die ihr in nichtjüdischen Kreisen geworden. Er hielt im alten Gotteshause die Abschiedsrede. In seinen trefflichen Weihreden am 5. und 6. September sprach er über die Pflege des Geistes im Gotteshause und zwar über den Geist an sich welcher er sein soll und wie wir ihn zu pflegen haben. Neben dem Glauben an Gott betonte er den Geist des reinen Menschtums; Gebet, Thoravorlesung, Predigt, Orgel und Gesang sollen die Mittel sein, um den echten Gottessinn und Menschengeist zu pflegen und zu heben. Das Landauer Tagblatt schließt seinen ausführlichen Bericht mit den Worten: Mögen gleich wie alle politischen Parteien allsammt auf dem gemeinsamen Boden des Vaterlandes stehen, — so hart sie sich auch bekämpfen — so auch die Konfessionen unserer Stadt in allen Zeiten beweisen, daß ihr Gott ein einziger und ihnen allen gemeinsamer ist! — Am 9. September fand die Einweihung der neuen Synagoge in Bromberg statt. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Gebhardt. Das Bromberger Tagblatt begrüßte den Tag mit einem Aufsatze, der Zeugnis davon ablegt, wie es auch in christlichen konservativen Kreisen dem Judentume an Anerkennung nicht mangelt. Herr Regierungspräsident v. Tiedemann, der auch an dem Festdiner teilnahm, sagte unter anderem: der Kaiser, obwohl streng evangelischer Christ, werde sich dieses Tages freuen, denn schützend und liebend umfasse des Kaisers Arm alle seine Kinder. — Am 16. September fand in Zürich die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. — In Turin haben König Humbert und Gemahlin die neuerbaute Synagoge besucht und 1000 Lire für dieselbe gespendet. — Am Abend des 26. Oktober finden in allen Synagogen des Britischen Reiches ans Anlaß des 100 jährigen Geburtstages Wosrs Montefiores Festgottesdienste statt. Die vom Herrn Chief Rabbi entworfene uns zugegangene hebräische Liturgie mit englischer Üebersetzung besteht aus passend gewählten Psalmen und einem dem feierlichen Momente angemessenen eigens hierzu verfaßten Gebete, in welchem auch der verstorbenen edlen Äudith Erwähnung geschieht. — In Garahumora in der Bukowina lebt ein Jude mit Namen Keimet Werdler, der fünf Geschlechter bei Lebzeiten sieht, die von ihm herstammen. — Aus Budapest berichtet man von der Gründung einer „Reformierten Synagoge" durch Herrn Rabbiner Dr. A. Stern, der bereits früher umfassende theologische Gelehrsamkeit an den Tag legte. Dieselbe soll auf positivem Glaubensboden stehen und als Religionsbasis das mosaische Gesetz anerkennen. Der Talmud soll keine didaktische Autorität genießen, da in ihm das Separationsprinzip verfolgt wird. Die Ref. Synagoge will an dem Prinzipe der historischen Kontinuität festhalten und will weder theoretisch noch praktisch ihre Anhänger auf neue Bahnen leiten, oder etwa das Glaubensband 23

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