Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1884)
- Date
- 1884-11-01
- Page
- Seite 258 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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258 erfreut. In seinem Nachlasse befinden sich auch viele Traktate des Talmud mit vokalisiertem Texte, deutscher Uebersetzung und erläuternden Anmerkungen. Am 1. September fand unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis des Verstorbenen statt. Die Trauerfeier dauerte vier Stunden; es sprachen an seinem Sarge die Herren Oberrabbiner Hirsch, Di-. Tauber, Dr. Pack und Dr. Griin. Seine sterbliche Hülle ruht neben dem großen Rappaport. Friede seiner Asche, Ehre seinem Andenken! — Am 22. August starb in Klehne, wo früher Stein gewirkt, der dortige Rabbiner Dr. I. M. Kreiman». Er stammte aus Krakau und absolvierte seine philosophischen Studien in Leipzig. Durch die Herausgabe des „Wehishir," eines Kommentares zum zweiten Buche Moses, nach einer Münchener Handschrift, zu dem er einen Superkommentar geschrieben, hat er sich als tüchtiger Kenner des Talmud in den weitesten Kreisen anerkennender Würdigung zu erfreuen. — In Oberdorf in Würtemberg wurde am 21. August der dortige Bezirksrabbiner Oberdörfer zur Erde bestattet. Kirchenrat Dr. Wassermann-Stuttgart hielt die Grabrede. Aus Oberdorf stammen viele jüdische Gelehrte mit klangvollen Namen. — Am 30. August starb in Haag der dortige Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde, Jakob Jerares, in einem Alter, von 80 Jahren. — Am 21. August starb in München der Journalist Herr Cmanucl Prager. Er gehörte zu den Mitgliedern der israelitischen Synode, welche zu Augsburg vom 11.—17. Juli 1871 getagt hatte. — Am 4. September starb in Wien der Schriftsteller Dr. Carl Caro, geb. in Breslau im Jahre 1850. Sein Prcislustspiel „Die Burgruine" hat ihn in weiten Kreisen bekannt gemacht. — Herr Prof. Dr. Ludwig Zehrend aus Greifswald, dessen Wahl zum Rektor der Universität vor Jahresfrist sehr viel von sich reden machte, hat einen Ruf an die Breslauer Universität erhalten und angenommen. — Auf dem Archäologen-Kongresse in Odessa wurde Herr Harkavy zum Vorsitzenden der orientalilschen Sektion erwählt. — An das Hebrew-Union-College in Cincinatti wurde Herr Dr. Zirndorfer, bisher Rabbiner in Detroit, früher Seminardirektor in Münster, als Professor berufen. — Herr Breitner, Präsident der jüdischen Gemeinde in Nonstantinopel, ist vom Kaiser von Oesterreich durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph's Orden ausgezeichnet worden und Frau Esther Cohen, die Frau des Leibarztes Elias Pascha, empfing vom Sultan den Ehefkatorden, eine Auszeichnung, die nur wenigen Damen vom höchsten Range in der Türkei zu Teil wird. — In Wilna wurde der zum Bürgermeister der Stadt erwählte Jude, Namens ^traust, von der Regierung nicht bestätigt. — Herr Oberrabbiner Iadok Kahn in Paris führte bei der Preisverteilung der Schulen im vierten Arrondissement den Vorsitz. — Der Subdirektor der Pariser Sternwarte, Herr Worih Löwy, repräsentierte Frankreich auf der internationalen Konferenz in Washington zur Herbeiführung der Längeu- Einheit und der Normal-Weltuhr. — Herr La» in Paris, Generalinspektor der Bergwerke, wurde zum Direktor der höheren nationalen Bergwerkschule ernannt. — Von verschiedenen Einweihungen neuer Synagogen wird uns berichtet, die wir in chronologischer Reihe hier folgen lassen. Am 26. August wurde eine Synagoge in Kassel, am 29. in Pirmasenz und am 4. September in Keidenburg eingeweiht. An demselben Tage fand auch die feierliche Schlußsteinlegung der durch den Architekten Ileischer in gothischem Stile prachtvoll ausgeführten Synagoge in Mariahilf-Wieu statt und am 9. die Einweihung derselben, bei der Prediger Dr. Ungar die Festrede hielt. Es ist dies die erste Synagoge im Wiener Bezirk, in der die Orgelklänge ertönen. — Am 6. September wurde die Synagoge in Erfurt ihrer Bestimmung übergeben. Herr Rabbiner Dr. Kroner hielt die Festrede.