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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-11-01 · Heft 11 (1.11.1884) · p. Seite 257

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (1.11.1884)
Date
1884-11-01
Page
Seite 257 (sequence 15)
Language
German
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257 Auch König Artachschaschta (Artaxerxes Longimanus1), der von 464—423 auf den« Throne Persiens saß und gleich seinem Großvater Darius den Juden wolwollend war, schenkte ihm volles Vertrauen und unterstützte ihn kräftig in seinem Vorhaben. Er händigte ihm eine Urkunde, die von seinen sieben Räten unterzeichnet war, ein, zufolge welcher Alle, die nach Jerusalem ziehen wollten, sich der Führung Esra's unterordnen sollten. Er selbst gab ihm Geschenke mit für das Heiligtuin und zugleich das Versprechen, für es, falls es notwendig sein sollte, selbst Unterstützungen aus Staatsmitteln zu gewähren; den Satrapen aber und sonstigen Beamten der Provinz ward iit der Urkunde strenge an's Herz gelegt, alles von dem Könige Verheißene seinem vollen Inhalte nach zu erfüllen, den Priestern und Leviten, sowie Allen, die dem Heiligtume Dienste leisten, Steuerfreiheit zu gewähren, Esra aber das Recht, nach Gutdünken Richter einzusetzen und die strenge Handhabung des Gesetzes selbst durch Verhängung schwerer Strafen zu sichern ^) (Esr. 7, 12—26). (Fortsetzung folgt.) Gßromk der Tagesereignisse im Judentums auf sozialem und literarischem Heviete. In der Nacht des 30. August verstarb in seiner Sommerwohnung unser geschätzter Mitarbeiter I>. A. Stein, Prediger an der Meisel-Synagoge in Prag, geboren zu Wanfried in Hessen am 13. Januar 1813. Nach zurückgelegten Studien wirkte er als Oberlehrer an der israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Kassel. Im Jahre 1848 wurde er als Rabbiner und Prediger nach Mlehm berufen, welche Stadt er nach zweijährigem Aufenthalte verließ, um in Annzig als Prediger der Altschottländischen Gemeinde seine Wirksamkeit zu entfalten. Seit dem Jahre 1864 hatte er die Stelle als Prediger an der Meisel-Synagoge in Prag inne. Stein war ein Mann von tiefer philosophischen Bildung, gleich hervorragend als Kenner des Talmud und als Kanzelredner, und hatte als wissenschaftlicher Theologe das Judentum auf der Höhe der Reform mit Eifer gelehrt und vertreten, unbeirrt und unbekümmert, ob Finsterlinge, denen es an Einsicht und Wissen gebrach, seine Wirksamkeit gut hießen oder nicht. Neben vielen Predigten und Gelegenheitsreden, die er auf besonderen Wunsch herausgegeben hat, und neben vielen zerstreuten Aufsätzen in den verschiedensten Zeitschriften hat er im Jahre 1860 eine Geschichte der Juden in Danzig veröffentlicht. Er strebte als Lehrer des Talmud eine wissenschaftliche Methode an. Zeugnis davon geben seine gediegenen Arbeiten „Ueber den Unterricht im Talmud nach wissenschaftlicher Methode" und seine „Talmndische Terminologie," die in gelehrten Kreisen sich allgemeiner Anerkennung 3 Jos ant. II, 5, 1 nennt fälschlich Lerxes den Freund Esra's, unter dessen Regierung er nach Jerusalem gezogen sein soll, welcher Annahme auch Michaelis und Fritzsche zu 3, Esr 8, 1 folgte». Aeltere Erklärer dachten au Artaxerxes Muemon, neuerdings auch F. de Sauley (6tude chronol dos livres d’Esdras etNeh. Paris 1868 p. 40) Einzelne Rabbinen (R. hasch. 3, b) dachten au Darius Hysdaspes. Der Name spricht für Artaxerxes s. Kleinert in Dorpat'schen Beitr. I., 24 f. -) An der Autheutie des Ediktes zu zweifeln liegt kein Grund vor, wenngleich zugegeben wird, daß das Schriftstück jndäisch gefärbt sei. Wahrscheinlich ließen aber die Könige die Schriftstücke an die einzelnen Provinzen von Schreibern, die denselben angehörten und die dem Hofe zugeteilt waren, ausfertigen. S. dag. Grätz, Gesch. II. ö. 128 A. 3.

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