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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-11-01 · Heft 11 (1.11.1884) · p. Seite 256

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (1.11.1884)
Date
1884-11-01
Page
Seite 256 (sequence 14)
Language
German
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256 im Heiligtume des Herrn zu feiern, oder auch um auf den Gräbern der Ahnen zu weinen (Neh. 1, 2). So kam es, daß man in Babel genaue Kenntnisse von dem Verfalle des sozialen und religiösen Lebens in Judäa besaß. Wie mochte wol das Herz Esra's und seiner Gesinnungsgenossen pochen, wenn fromme Pilger seufzend die Kunde von dem dort herrschenden Elend verbreiteten! Anders sollte es werden in und mit der Gottesstadt! das war der einzige Gedanke, der ihn beschäftigte. Sein Entschluß war gefaßt, er wollte Babel verlassen, um nach Jerusalem zu ziehen. Esra der Priester (Esr. 7, 11, 21; 10, 11, 16; Neh. 8, 2, 9; 12, 26) entstammte dem Geschlechts des Pinehas, des Mannes, dem als Lohn für den Eifer, den er für die Reinheit des Gottesglaubens in einer Zeit, in der allgemeine Ohnmacht die Signatur der Lage war, bekundete, das göttliche Bündnis ewigen Priestertums verheißen ward; er war ein Enkel Seraja's, der durch das Schwert Nebukadnezar's fiel (vgl. 2. K. 25, 18—20; 1. Ehr. 5, 401). Sicherlich stand er bereits in Babel unter seinen Zeitgenossen in hohenl Ansehen; denn nur so wird sein Einfluß auf die durch ihn herbeigeführte Umgestaltung in Jerusalem erklärlich; namentlich galt er als bedeutender Kenner des alten Schrifttums, dem er alle seine Kräfte, sein ganzes Leben widmete, weswegen ihm der Ehrenname Sofer^) (Esr. 7, 11, 21; Neh. 8, 4, 9, 19; 12, 26, 36) beigelegt wurde. *) In Esr. 7, 1—5 fehlen vgl. 1. Chr. 5, 29—41 und 6, 35—38 fünf Namen, ein Umstand, der unsere Annahme, daß ursprünglich nur Esr. 1—6 zur Chronik gehörten, die folgenden Kapitel aber, die sich sowohl in Sprache, als in Tendenz von den ersteren unterscheiden, aus der Feder eines andern Schriftstellers flössen und das eigentliche Buch (verbunden mit Nehemia) bildeten, bestätigt (vgl. Rosenzweig a. a. O. S. 16 ff). Noch drei andere Namen fehlen im 3. Esra. Irrtümlicher Weise hat man Esra zu den Hohenpriestern gerechnet. Juchasin 13 b. ed, Crac. Meor Enajim K. 37. 2) Sofer wird bald mit Schreiber, bald mit Schriftsteller erklärt. Zunz, Gottesdienst'. Vorträge S. 27 meint, es bedeute beides zugleich. Wol wahr, aber nicht in einer und derselben Zeit! Etymologisch wird das Wort gewöhnlich von sat'ar kratzen, schaben (von Thierhäuten), das mit 2afar Nagel vgl. Jer. 17, 1 verwandt ist, abgeleitet vgl. Lermerke Kanaan XXIX. Löw, Beiträge 1. 115. Allein sakar wird als verdum niemals in der Bedeutung „schreiben." sondern stets in der von „zählen, erzählen" gefunden und in derselben wird es auch in den verschiedenen verwandten Dialekten gebraucht. So bedeutet safara im Arabischen sciripsit librum, composuit rem, illuxit aurora, davon Sappir Ex. 28, 19; Hiob 28, 6 u. ö., ebenso bedeutet sippar im Zabischen Buch und Morgen und im Aram. werden wir es nicht von zefar kratzen, sondern zefar, Morgen, Klarheit (vgl. ereb Abend und vermengen) ableiten; safar als verb. bedeutet demnach etwas klar machen, davon sefer, eine zusammenhängende Schrift und 8ofer wird derjenige genannt werden, der irgend ein geistiges Erzeugnis liefert. Die Richtigkeit dieser Annahme wird am besten durch 2. Chr. 26, 11 bestätigt, wo neben dem Sofer auch der Schoter genannt wird. Ersterer ist der Schriftsteller, letzterer der mechanische Schreiber (8afar hat iti allen semitischen Sprachen die Bedeutung schreiben, so auch im Assyrischen, vgl. Schräder a. a. O. ß. 62, vgl. das späthebr. scbetar). Löw a. a. O. nimmt Sofer in seiner ersten Phase in der Bedeutung von Lohnschreiber, als zweite Sofer od. Maskir und zuletzt als Schriftsteller. Richtiger wird die Entwicklung des Wortes wol so dargestellt werden müssen: der Vorläufer des Sofer war der Scboter, der Schreiber, dem die Zählung des Volkes oblag. Der Name Sofer kam erst in Gebrauch, als das literarische Leben einen besonderen Ausschwung nahm (vgl. Ps, 45, 2; s. auch Levita, Na8oret bammasoret Sulzbach S. 7). In diesem Sinne gibt auch die chald. Paraphrase neblirn mit 8afraja wieder s. Targ. zu 1. Sam. 10, 5; 1l, 12; Jer. 26, 7; Deutr. 33, 1, ebenso kommt der Ausdruck im Talm. in der Bedeutung von Lehrer vor, Miscbn. Sota 9, 15; B. batra 21a; Jer. Demai 7, 4; Jer. Meg. 1, 4; 3, 3, 5. Bgl. auch Ber. 45a, wo Sofer als gleichbedeutend mit ebaebam im Gegensätze zu bor steht. Erst in späterer Zeit, da der Name Sofer nach und nach verschwand und der ebaebam an seine Stelle trat, wurde das Wort in der Bedeutung als Lohnschreiber, der Thorarollen und sonstige zum rituellen Gebrauche erforderlichen Schriften verfertigte, genommen, in welchem Sinne es auch heute noch gebräuchlich ist; vgl auch Kid. 30a; Schekalnn 5, 1; Sukka 20a; Sanh. 21b u. ö., vgl. auch Tractat Soferim.

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