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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-11-01 · Heft 11 (1.11.1884) · p. Seite 255

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (1.11.1884)
Date
1884-11-01
Page
Seite 255 (sequence 13)
Language
German
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255 Verhältnisse jener dürftigen Zeit zu rechtfertigen. Es waren aber Verordnungen, die mit Ernst das Ziel anstrebten, das Leben dem Gotteswort und das Gotteswort dem Leben anzupassen. Welch ein Irrtum daher namentlich in christlichen Kreisen herrscht, wenn von der Zeit des „starren Gesetzes", der „Zuchtrute Israels" im Gegensätze zum Prophetismus gesprochen wird, erhellt gerade aus der Thatsache, daß in den maßgebenden Organen des religiösen Lebens jener Zeit das Streben vorherrschte, das Gesetz seinem Geiste nach zu erfassen. Diese geistige Bewegung hat allerdings nicht immer Erleichterung betreff der Uebung religiöser Observanzen geschaffen, wie es auch ein Irrtum ist, der unsere Zeit beherrscht, wenn mit der Reform auf religiösem Gebiete stets von Freund und Feind der Begriff laxerer Befolgung gewisser Zeremonien verbunden wird — die wahre Reform besteht vielmehr in der Verinnerlichung und Flüssigmachung des religiösen Gedankens, in dem Streben, Zeit und Glaubensanschauung in Wahrheit in Uebereinstimmung zu bringen, in dem religiösen Leben das Zeitbewußtsein zu verkörpern. Und in diesem Sinne war auch Esra ein Reformator. Allein trotz dieser selbständigen Entwicklung blieben die Juden in Babel doch stets mit dem Mutterlande in Verbindung; Jerusalem blieb nach wie vor der Mittelpunkt der schönsten Erinnerungen an die glorreichsten Ereignisse, die sich au vergangene Tage knüpften, wie auch der Brennpunkt der größten Hoffnungen an eine schönere Zukunft. So oft es notwendig ward, schickte man dahin Gesandtschaften, mit Geschenken für das Heiligtum reich versehen, vielleicht um Entscheidung in religiöse Fragen einzuholen, wie solches auch früher bereits geschah, da im vierten Regierungsjahre des Darms von Babel aus eine Anfrage an die Priester und Propheten — wir finden also auch die Priester bereits als Ausleger des Gesetzes — gerichtet wurde, ob denn auch jetzt noch, nachdem der Tempel bereits errichtet ist, der Fasttag des fünften Monates in alter Kraft bleibe? Der Prophet Secharja behandelte die Anfrage nach mannigfachen Richtungen hin und gelangt zu dem Ausspruche, daß die Fasttage des vierten, fünften, siebenten und zehnten Monates dem Hause Juda — in Juda geht jetzt ganz Israel auf — zur Wonne und zu Festtagen werden sollen, nur mögen sie Wahrheit und Frieden lieben (Sech. 7, 1—8, 19*). Anfrage und Antwort sind gleich merkwürdig, denn beide bekunden den freien und befreienden Geist, den das Studium des Gotteswortes in Babel weckte. Auch sonst zogen aus Babel fromme Wallfahrer nach Jerusalem (vgl. Jos. arch. 17, 2, 2),' um daselbst in freudig gehobener Brüder Mitte die Festtage Hadar u. s. w. genommen werden, wahrscheinlich um durch Schwenken der Pflanzengattungen die Festfreude zu bekunden (vgl. 2. Makk. 10, 6; Jos. ant. 3, 10, 4; 13, 13, 5; Mischna SukkckS, I f.) ein Brauch, der nebenbei bemerkt auch bei anderen Völkern gelegentlich des Herbstfestes wiedergefunden wird, wodurch es erklärlich wird, wie Plutarch Symposs. 4, 6, 2 dazu kommen konnte, den Juden den Bachusdienst zuzuschreiben. Anders aber ward dieses Gebot in der Zeit Esra's aufgefaßt: man brachte es nämlich mit dem anderen, sieben Tage laug in Hütten zu wohnen (Lev 23, 42 f.) in Verbindung und verkündete in allen Städten und in Jerusalem: Gehet hinaus in's Gebirg und bringet Oliocnblätter, Blätter von Oelbäumen u. s. w, um eine Sukka zu machen (Reh. 8, 15; vgl. Sifra c. 17). ') Schwierigkeiten macht in Sech. 7, 2 namentlich „Beth-el,“ das, als Acc. genommen, als Bezeichnung für das Gotteshaus ungebräuchlich ist; auch die Worte als Subjekt zu nehmen und au das zum ehemaligen Nordreiche gelegene Städtchen Bethel zu denken, befriedigt nicht, ebensowenig die folgenden Namen als Subjekt zu betrachten. Am befriedigendsten ist die Erklärung Raschi's und anderer jüdischer Kommentatoren: „man (die Juden in Babel) sandte zu dem Gotteshause (statt Botb-el ist Bet-elohim zu lesen) den Sarezer- und kegem-msleeb/' welche Narnen auf babyl. Ursprung Hinweisen (vgl. 2. K. 19, 37). So auch Hieronym. und Michaelis z. St.

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