Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1884)
- Date
- 1884-11-01
- Page
- Seite 251 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Dieser, ebenfalls ergriffen, Tröstet nun den scheuen Alten: Heute sind doch andre Zeiten, Und es herrscht das Recht für Alle?! O, mein Herr, ihr seid im Irrtum, Vorurteil ist eine Natter, Deren Gift sich lang vererbet, Unheil im Verborgenen schaffend. Nicht, daß man uns menschlich nennet Bei dem Namen, den wir tragen, Kurzweg liebt man uns zu heißen Nur die „Leute von der Straße". Und wir wohnen wie vor Zeiten Noch in unfern alten Gassen Und wir wählen zur Gefährtin Nur die Tochter unsres Stamines. Hättet ihr, begann der Andre, Selber nicht euch anzuklagen: Daß ihr selbst voni Volk euch trennet, Seinen Glauben nicht beachtend? Nimmermehr! Wir Alle, Alle, Unsre Frau'n und Mädchen alle Eifern mit den frommsten Christen, Wenn wir zu den Kirchen wallen. Herr, wie lang so Auf der Erde deir Herr, wie lang sol Herr, wie lange, ,s Berlin. Wenn uns Eins noch unterscheidet Von den andern Volkesmassen, Sind's vielleicht die alten Züge. Jene Züge, die ihr kanntet. Aber jetzt wollt mir erlauben, Euren Namen zu erfragen, Denn es drängt mich, ihn zu kennen, Wenn ich länger euch betrachte. „Wisset denn, ein früh Gelübde Führte mich zu eurem Strande, Denn es trieb mich, die zu sehen, Die einst lebten meinem Stamme." Du ein Jude! springt entsetzt auf Der Chueta und von dannen Eilet er, den Waldweg suchend Und verlor sich bald im Walde. Schäumend küssen mit Getöse Weite Wogen das Gestade, Von der Höhe grüßet Palma Die so freudig zu ihr jagen. Nur ein Fremder steht mit Thränen Vor dem Jesusthor gebannet, Blickt zum Himmel auf und seufzet: Herr, wie säumest du so lange! man entweihen l Namen? Haß regieren? rr, wie lange? I>. Levin. Eine Wtteikurrg ans der jüngsten Waböinerversammkung von vr. Hochstädter, Bezirksrabbiner zu Bad Ems. In der jüngsten Rabbinerversammlung zu Berlin hatte ich bei der Vorberathung über die erste These nur zweimal gesprochen. 1) Als von einer Seite die Bemerkung gemacht wurde, daß die sogenannten Antisemiten selbst diese humane These nicht anerkennen wollen; indem dieselben behaupten, daß die Worte: „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich selbst!", welche unmittelbar hinter dem Satze: „Du sollst Dich nicht rächen und keinen Haß bewahren gegen die Söhne Deines Volkes!" stehen, sich auch nur auf die Volks- und Glaubensgenossen beziehen! Darauf erwiderte ich: „Wir brauchen bei dieser These nur Bezug zu nehmen auf die ersten und wichtigsten Schriftgelehrten Hillel, Rabbi Akiba und Ben-Assai, deren Aussprüche über die allgemeine