Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1884)
- Date
- 1884-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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249 lichen Abschnitte von seiner Wolthätigkeit. Seit Jahren schreibt ein Thoraschreiber in Wilna und einer in Jerusalem abwechselnd ein Jahr um's andere eine neue Thorarolle in prachtvoller Schrift, und unter großer Festlichkeit schreibt Sir Moses selbst an jeder die drei letzten Worte und widmet sie dann seiner eigenen oder armen Synagogen. Eine solche in Wilna geschriebene prachtvolle Thora spendete er im Jahre 1877 der neugebauten Synagoge in Linz „aus Achtung für deren geistliches Oberhaupt," den Schreiber dieses, wie er der Widmung beifügte. Wenige Autoren gibt es, die Sir Moses ihre Werke nicht zusendeu und mrt mehr als entsprechernden Geschenken bedacht werden. Seine Wolthätigkeit entzieht sich der Darstellung. Ganze Stöße von Briefen bringt jede Post; aus allen Himmelsgegenden und Weltteilen kommen die verschiedensten Bittgesuche in allen denkbaren Sprachen; er läßt sich täglich Bericht erstatten und giebt die Weisung zu deren Beantwortung und nicht geringe Summen wandern jährlich nach Jerusalem, nach Asien, nach Afrika, nach Rußland, nach Deutschlaild, Österreich und lindern so manchen Schmerz, trocknen so manche Tränen und rufen unzählige Dankgebete für den stillen Spender in Ramsgate hervor, für den hundertjährigen, der wie selten ein Mann für das Unglück der Menschen ein vorzügliches Gedächtnis und ein noch vorziiglicher.es Herz besitzt. Wie die persönliche Not und des einzelnen Misgeschick, so fand öffentliches Unglück fürstliche Hand und fürstliche Spende bei Sir Moses. Die Feier seines 99. Geburtstage im vergangenen Jahre zeigte, was der Name Montefiore den Menschen, den Engländern, dem Hofe, der königlichen Familie und dem jiidischen Volke bedeutet. Er ist ein echter Jude im Herzen und im Leben, im Hause und im jüdischen Volke, aber auch in der höchsten nichtjüdischen Gesellschaft, sein stolzes selbstbewußtes Judentum in Verbindung mit der feinsten gesellschaftlichen Lebensart machte ihn der höchsten Aristokratie, der englischen Königin und der ganzen königlichen Faniilie wert, und diese Wertschätzung verdankt er sicherlich dem Umstande, daß er ein ganzer Mann und ganzer Jude immer und überall blieb. Wir wünschen zum Abschluß seines Jahrhunderts, daß das zweite Jahrhundert ihm noch lange seine Geistesfrische und Körperkraft erhalte, vielleicht erweckt sein Geist in England und auf dem Kontinent eine Montefiore-Schule unter unfern Reichen und Großen, die von dem täglich wachsenden Antisemitismus sich endlich mahnen lassen mögen, daß die beste Besiegung und Vernichtung desselben ein Llitv-oorpo nach dem Muster Sir Moses Montefiore's zustande bringen könnte, ausgerüstet von Deutschlands Inden gegen den antisemitischen Jndifferentismus im Innern und gegen de» fanatischen Antisemitismus nach Außen. Bielitz. Dr. A. Kurrein. Per Kßueta*). Schäumend kiissen mit Getöse Weite Wogen das Gestade, Von der Höhe grüßet Palma Die so freudig zu ihr jagen. Palma, rings im Mandeldufte! Heiterkeit und Wonne athmend Oeffnet gern das Herz den Lauten, Die ihin rauschen von dem Strande. *) Dieser Spottname, welcher Speckfresser bedeutet, wird ans den Balearen den von Inden Abstammenden noch heute beigelcgt.