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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-11-01 · Heft 11 (1.11.1884) · p. Seite 248

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (1.11.1884)
Date
1884-11-01
Page
Seite 248 (sequence 6)
Language
German
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248 öffentliche, zum großen Teile populäre Vorträge, die in englischer Sprache an jedem Sabbat-Nachmittage, an allen Festen und bei feierlichen Gelegenheiten abgehalten werden. Dieser Saal könnte auch die Ehren- und Ruhmeshalle Sir Moses genannt werden. Denn alle Wände sind mit den Testimonials (Adressen), die er von den Gemeinden, von Privaten u. s. w. erhielt, bekleidet. Unter Glas auf einem besonder» Gestelle ruhend, befindet sich das aus Silber ylle Situationen der Angelegenheit von Damaskus und seiner Thätigkeit darstellende Testimonial der Gemeinde Londons, das dem Anblicke jedes Eintretenden sich darbietet. Zahlreiche andere Geschenke aus dem Oriente bestehend in minutiös angefertigten Thorarollen und anderen Wertgegenständen befinden sich auf einem besondern Tische. Schlag zwei Uhr erschien Di-. Loewe und die drei Rabbiner; ein zahlreiches Publikum sowol von jüdischen als auch christlichen Bewohnern von Ramsgate, viele Gäste, die im Sommer hier an der See leben, hatten sich unterdessen eingefnnden. Alle lauschten der eminenten Beredsamkeit Dr. Loewe's, die sich sowol durch das gefühlvolle als auch geistreiche gelehrte und doch so allgemeine verständliche Behandeln des Themas den Beifall "aller Zuhörer erwarb. Nach einer Stunde unvergleichlichen geistigen Genußes, die mit einem innigen und sinnigen Gebete fiir Sir Moses' schloß, ging's zum Minchagottesdienste. Montefiore pflegte in früher» Jahren bei diesen Vorträgen selbst anwesend zu sein, in diesem Jahre fühlte er sich nicht mehr wol genug dazu. Ehe aber noch Dr. Loewe nach dem Minchagottesdienste bei ihm vorsprach, war er schon ganz wol von dem Inhalte seiner Rede unterrichtet und liebte es, gleich beim Eintritte die Elogen ihm entgegenzubringen. Damit schloß der interessante Sabbat- Nachmu in Ramsgate. An Werktagen dient aber die Anstalt ihrer eigentlichen Bestimmung. Sie soll eine Hochschule jüdischen Wissens sein und ist bestimmt zum Selbststudium für Rabbiner und zur Heranbildung geeigneter Rabbinatskanditaten. Zu dem Zwecke wurde Dr. Loewe als Rektor dieser Anstalt und noch drei Rabbiner als Lehrer unter diesem Rektorate ernannt. Nach einem bestinimten Zyklus wird abwechselnd von den drei Rabbinern von acht Uhr morgens bis zwölf Uhr nachts Talmud studiert, und an den zwei Sabbaten im Jahre vor Passah und vor dem Versöhnungstage ein halachischer Vortrag gehalten. An jedem Sabbate predigt ein anderer der drei Rabbiner und an den besondern Sabbaten, an den Feiertagen und feierlichen Gelegenheiten, wie etwa Gründungstag der Synagoge, des Kollege, am Sterbetag der sel. Lady Judith hält der Rektor über ausdrückliche Bestimmung Sir Moses einen Vortrag. Dr. Loewe hält auch im Winter an den Abenden zumeist für nichtjüdisches Publikum berechnete Vortrüge im Kollege selbstverständlich zur Belehrung über das Judentum, die auch von den Christen gewöhnlich so stark besucht werden, daß der Raum nicht mehr ausreicht und nicht Karten genug ausgegeben werden können. Die Vortrüge sind dann gewöhnlich in den Lokalblättern von Ramsgate und Margate abgedruckt. Sind auch bis heute in der Anstalt keine Schüler, so dürften sich im Laufe der Zeit durch das jetzt in England eifriger gepflegte hebräische Studium in den Freischulen dennoch welche finden, und würden sie auch iminer fehlen, so bleibt die Pflege des rabbinischen Wissens durch die daselbst für alle Zeiten anzustellenden Rabbiner für immer durch diese Siftung gesichert. Wer damit das Kapitel „Pflege des Gottesdienstes und des Studiums der Religion" bei Sir Moses abgeschlossen hält, würde gewaltig irren, denn dieses erhält seine mächtige Fortsetzung in dem endlosen und unbsch reib-

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