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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-11-01 · Heft 11 (1.11.1884) · p. Seite 245

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (1.11.1884)
Date
1884-11-01
Page
Seite 245 (sequence 3)
Language
German
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245 Heldenherz entdeckt. Sir Moses war der Lebanon (das Herz) Palästinas und ganz Israels, die Zuflucht, wohin das noch mehr als genügend vorhandene Elend, die Not des gedrückten, noch immer unmenschlich behandelten Volkes sich zu wenden und seine Klagen zu ergießen hatte. Die Notschreie aus Marokko, Rumänien, Rußland und Roms Mortarageschichte fanden bei ihm den lebhaftesten Wiederhall und führten ihn unverweilt jenen Ländern zu. In Marokko hatte er int Jahre 1863 die Christen ebenso wie die Juden durch seinen Einfluß bei Hofe zu Danke verpflichtet. Mehr von augenblicklichen als nachhaltigen und andauernden Erfolgen waren seine Reisen nach Rumänien 1867 und nach Rußland 1870 und 1872 begleitet. Gegen Pius IX. non possumus erwies sich Sir Moses Energie nicht ausreichend. Vergebens versuchte er bei den Kardinälen deren Mithilfe zur Ermöglichung einer Audienz beim Papste zu erlangen. Als er eines Tages bei einem solchen „vorsprach, fragte dieser mit raffinirter Bosheit: Wieviel er dem Vicekönig von Ägypten wol für seinen Ferman gegeben habe? Schlagfertig wie immer antwortete Sir Moses: Nicht soviel als ich Ihrem Diener im Vorzimmer für das Aufhängen meines Rockes in die Hand gedrückt habe. Sir Moses erreichte nichts in Rom, doch als er in seinem Hotel am Freitag abend wie gewöhnlich mit seinem Begleiter und „Freund", wie er ihn nennt, Dr. L. Loewe die Semiroth sang, da erbaten sich die im anstoßenden Gemache weilenden Kardinäle, die Thüre öffnen zu dürfen und lauschten andächtig und ganz erbaut dem Gesänge. Der Mortara-Knabe blieb getauft und wurde nicht zurückgegeben. Am öftesten nahmen seine Hilfe und seine Besuche die Bewohner Jerusalems in Anspruch. In den Jahren 1856—66—75—78 war er wieder dort, und er war wol der erste, welcher mit praktisch richtigem Blicke erkannte, daß den Bewohnern aus ihrem Elende nur durch Erziehung und Gewöhnung zum Ackerbau, zum Handwerk und zur Industrie aufzuhelfen sei. Dazu hätte es Millionen bedurft, und das Vermögen eines einzigen auch mit dem stets offenen Herzen Sir Moses, wie es ein zweites nicht mehr giebt, reichte nicht hin. Es hätten alle Gemeinden Europa's das Werk fördern und unterstützen müssen; doch für Palästina ist bis heutzutage zu wenig Begeisterung bei den Juden Europa's, und so blieb es denn bei dem einzigen Versuchsgebiete, das Sir Moses an der Straße nach Hebron gegenüber dem Jaffathore gekauft und mit allen landwirtschaftlichen Geräten eingerichtet den jüdischen Bewohnern überlassen hatte. Seit Jahren beehrt Sir Moses den Schreiber dieses am Hüttenfeste mit einem Ethrog aus jenem Gebiete. Gemeinhin hält man die geschichtliche Bedeutung dieses Mannes für Juden und Judentum damit abgeschlossen, wie es in den Geschichtsbüchern in größerem oder geringerem Umfange dargestellt wird. Wer ihn aber näher als aus Geschichtsbüchern und Zeitungen kennt, wem das Glück beschicken, ihn und sein Leben mit eigenen Augen in East-Cliff Lodge in Ramsgate zu sehen und beobachten zu können, der trägt die Überzeugung mit sich, daß der Name Montefiore auch ohne jene Thaten, welche die jüdische Geschischte als die ihrigen für Ewigkeiten bereits festhült, mustergiltig, einzig und unvergleichlich im Judentum dasteht und durch die stillen Schöpfungen auf seinem Grund und Boden der Unvergeßlichkeit und Unsterblichkeit in den Herzen des jüdisihen Volkes sicher ist. Da erscheint er jedem als der letzte Ritter der spanisch-jüdischen Granden, der letzte Maecen mit dem echt jüdischen Herzen voll wahrer spanischer Hoheit und Seelengröße für jedes jüdische Werk, für die jüdische Religion und für jüdisches 22*

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