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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-11-01 · Heft 11 (1.11.1884) · p. Seite 244

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (1.11.1884)
Date
1884-11-01
Page
Seite 244 (sequence 2)
Language
German
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244 Aristokrat, wie es nur der feinste englische Hofmann, der seine Ahnen bis auf Wilhelm zurückführte, sein konnte. Nichts von jenem gemachten Börsenadel, von dem Geldprotzentum der modernen Parvenüs haftete ihm an; er besaß, bevor er noch von seiner Königin zum Ritter geschlagen wurde, jenen Adel von Geburt, die spanische Grandezza und Ritterlichkeit, die merkwürdigerweise den ehemaligen spanischen Juden, trotzdem er nahezu vier Jahrhunderte dem geliebten heimischen Boden fremd geworden, im vorteilhaften Gegensätze zum deutschen Juden unverwüstlich im Blute rollt, und ihn sein Judentum nicht wie ein unveräußerbares Märtyrertum, sondern wie eines der edelsten Adelsattribute mit Selbstbewußtsein, mit Stolz auf die ruhmvolle Vergangenheit tragen läßt. Die Kluft zwischen Judentum und der sogenannten „Gesellschaft", woran unsere „Großen" der Gegenwart regelmäßig scheitern, war hier im Vorhinein überbrückt. Es kann daher nicht als etwas außergewöhnliches angesehen werden, daß nicht in der frommen Natur des englischen Bankiers und seiner gleichgesinnten Gattin eine natürliche Erklärung finden könnte, wenn im Jahre 1827 Sir Moses und Lady Judith eine Pilgerreise nach dem heiligen Lande antreten und von dem Augenschein daselbst das regste Mitleid für die traurige Lage der Brüder im Oriente und besonders Palästinas nach Europa und England mitnehmen. Eine reiche Quelle der Unterstützung und ein stets geneigtes Ohr für jedes Leid, für jede Not und für jede Beschwerde war seitdeni den Juden Palästinas in London geöffnet. Wie durch die Vorsehung dazu bestimmt und vorbereitet erschien Montefiore der Versammlung in der Vorhalle der Londoner Synagoge, den Schmerzensschrei der unglücklichen Glaubensbrüder in Damaskus im Jahre 1839 an Ort und Stelle auf dem von ihm bereits gekannten Boden selbst zu hören, zu prüfen und die dem ganzen Judentume, der Judenheit, ja der Menschheit angethane Schmach vor den Augen der Welt blos zu legen. Er wurde in England nicht allein als der Glaubensgenosse, der zur Rettung seines Glaubens und seiner Brüder auszieht, angesehen, er wurde sowol von der Königin als auch von den Engländern als der Vertreter einer englischen Sache betrachtet und von deren allgemeinen Sympathien begleitet, was auch aus dem Umstande hervorgeht, daß ihm zur Überfahrt über den Kanal ein Staatsschiff von der Königin zur Verfügung gestellt wurde. Ihm allein, seiner imponierenden Persönlichkeit, seinen feinen höfischen^ Manieren, seiner Energie und seinem gewandten, diplomatisch klugen Vorgehen ist der Erfolg und Sieg zu danken, den er über die französischen Jntriguen am ägyptischen Hof, über die unberechenbare Willkür eines orientalischen Despoten errang, und durch welchen er den den unglücklichen, fälschlich angeklagten, verhafteten und gefolterten Glaubensgenossen die Freiheit brachte und jedem weitern Versuche, das Blutmärchen zu einem Anklagemittel gegen die Juden immer neu aufzufrischen, mittels Fernians des Sultans von Konstantinopel die Möglichkeit benahm. Was Sir Moses den Juden gethan, und wie wahrhaft er dafür von allen Herzen gefeiert und verehrt werden muß, haben wir leider durch die Tißa- Eßlaer Affaire, die man als zweite verschlechterte Damaskus-Auflage unmöglich gehalten hätte, am 3. August 1883 nachempfunden. Die schönste Probe seines echt jüdischen Gesinnungsadels, hat er vor den Augen von drei Weltteilen, Europa, Asien, Afrika abgelegt, und das jüdische Volk hat ihn zum Ritter ohne Furcht und Tadel geschlagen, bevor er noch mit der Baronetwürde in London von der englischen Königin ausgezeichnet wurde. Das ganze jüdische Volk hatte jetzt wieder einmal sein großes edelmütiges

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