Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1884)
- Date
- 1884-10-01
- Page
- Seite 240 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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240 des Berliner Vertrages und dem neuen Hausirgesetz für zweifelhaft hält, will darüber Erkundigungen einholen, ob es wahr sei, daß man die Juden verhindern will, das Land zu verlassen. Im Bezug auf unsere Mitteilung (N. 8 der Monatsblätter S. 210) Herrn?av>d Kohn-Iedell betreffend, wird uns aus Rumänien von glaubwürdiger Seite berichtet, daß genannter Herr durch die Reden, die er gehalten, wie durch den Eifer, den er an den Tag gelegt, sich so die Herzen gewonnen, daß er zum Rabbiner einer größeren Gemeinde erwählt wurde. Die heftigen Auslassungen gegen genannten Herrn im „Haibri“ sollen ihren Ursprung in Streitigkeiten der Väter haben, die beide als Redakteure jüdischer Zeitschriften in Galizien in heftiger Fehde mit einander begriffen waren. — Jüdische Auswanderer wurden von Ueiv-Uorlr nach Europa zurückgeschickt, damit sie dem Staate nicht wegen ihrer Armut zur Last fallen. Das Land der Freiheit ist kein Boden für Menschen, die kein Geld haben. Die Lage der Heimatslosen ist eine höchst traurige. Mögen doch auch jüdische Vorstände das bedenken und erwägen, wie traurig es sei, heimatslos zu werden und nicht wie neulich in Kriedberg, die Sünde auf sich laden, ihren Lehrer, dem die besten Zeugnisse über Leistung und Führung zur Seite stehen, nach lbjühriger Thätigkeit brodlos zu machen. In christlichen Kreisen herrscht darüber Entrüstung und die Abschaffung deutscher Gebete daselbst gerade in jetziger Zeit ist in Regierungskreisen unlieb vermerkt und als eine That angesehen worden, die eher entfremdet, anstatt befreundet. Auch von moralischen Mishandlnngen anderer Lehrer in nächster Nähe Frankfurts sind uns Berichte zugegangen, doch wir wollen besser hierüber vorläufig schweigen. Es wäre hoch an der Zeit, daß in diesen Kreisen befreiende Geistesherrschaft' statt knechtender Pöbelwirtschaft zur Geltung gelange. Mit Recht heißt es in der Zeitschrift „Kritik und Reform": „Unsere Gemeinden bestehen heute aus steuerzahlenden Mitgliedern und die Gemeindevertretung besteht aus einem Verwaltungsrat. Geld wird eingenommen, Geld wird ausgegeben und das Judentum ist ein Geldinstitut geworden, nach dem Gehalte der Münze will man den Wert des Judentums berechnen." Wir brauchen jüdische Geister, die das Judentum der Lethargie entreißen, Männer, die da begreifen, was unsere Zeit von einer jüdischen Gemeindevertretung fordert, Wie wohlthuend hebt sich gegenüber solchen beklagenswerten Erscheinungen im Gemeindeleben Deutschlands ein Bericht über die Zustände der jüdischen Gemeinde in Hohenems ab. Dort find seit circa 40 Jahren deutsche Lieder und deutsche Gebete im Gottesdienste in Verwendung. Jeden Sabbat wird eine kurze Homilie oder Besprechung des verlesenen Textes und alle vier Wochen in der Regel Predigt gehalten, doch dauert der Gottesdienst, da seit Jahren der dreijährige Cyklus eingeführt ist, blos beiläufig eine Stunde. Dies bewirkt, daß er zumeist gut frequentirt und weihevoll abgehalten wird. Die Damen befinden sich in der Synagoge rechts von den Herren und — beten andächtig mit. Auf der Gallerie ist der Chor postirt, an dem sich die vornehmsten jungen Damen und Herren aktiv beteiligen. Eine Gemeinde, die auf solch' geistigem Niveau steht, verdient den Vorzug vor jenem in Stagnation und Sterilität verfallenden Gemeinwesen, wo Alles sich nur um mechanische, gedankenlose Werkelei und maschinenmäßige, gewohnheitsträge Werkheiligkeit dreht. — Der „Welche llirdamim" Verein, dem wir die Veröffentlichung vieler wertvoller hebräischer Werke verdanken, soll wieder erwachen. — Bei (ff. I. Krill in Leiden ist eine Auswahl von Grabsteinen auf dem Niederl.- Portug.-Israel. Begräbnisplatze zu Guderlrerli an der Amstel nebst Beschreibung und biographischen Skizzen von D. Hennques de Castro erschienen. — Der Verein