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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-10-01 · Heft 10 (1.10.1884) · p. Seite 233

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 10 (1.10.1884)
Date
1884-10-01
Page
Seite 233 (sequence 15)
Language
German
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233 sie keineswegs und ruft: „Wer prahlerisch Almosen verteilt, ist ein Sünder" (das. 4). Rabbi Akiba Pflegte so zu spenden, daß er nicht erkannt wurde. Er kleidete sich >vie ein Bettler, ging selbst unter die Armen und ließ unbemerkt Geld fallen, er wußte es aber so klüglich einzurichten, daß kein Unwürdiger es fand und aufhob (Jalkut zu Ps. 4l, 2). Wir haben diese Beispiele hier deshalb etwas ausführlich mitgeteilt, um den Talmudfeinden zu zeigen, man könne auch viel Edles und Erhabenes in demselben finden, wenn man nur iu wohlwollender uud nicht in böswilliger Absicht darin blättert. Und wir können zum Schlüsse nicht zu bemerken unterlassen, daß die Wohlthätigkeitslehre des Judentums keine Glaubens- und Stammesunterschiede kennt. Es heißt ausdrücklich und wiederholentlich in der Bibel: „Du sollst das Feld nicht vollständig abernten und keine Nachlese in dem Weinberge halten. Den Abfall der Erndte, den Rand des Feldes wie die Nachlese überlasse dem Armen, der Witwe nnd Waise und dem Fremdling." (Lev. 19, 11, Deut. 24, 22). Auch der Talmud befiehlt, selbst die Armen der Heiden zu unterstützen (Gittin 59) und ihre Kranken zu besuchen (Schebuot Abschu. 2). Eines der anziehendsten Beispiele unterschiedsloser Mildthütigkeit ist schließlch das von Boas und Ruth in der Bibel. Die heidnische Schwiegertochter sammelt im Schweiße ihres Angesichts Aehren auf dem Felde für ihre verarmte jüdische Schwiegermutter, und der jüdische Gutsbesitzer läßt sie zn seinen Schnittern sich setzen, daß sie aß und sich sättigte, und befiehlt seinen Knechten, absichtlich viel Aehren fallen zn lassen, daniit die arme Moabiterin ein volles Bündel heinitrage. Echte und rechte Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit ohne Ansehen der Person, des Stammes und des Glaubens sind die sichersten Kennzeichen einer wahren sittlichen Bildung. Diese wahre sittliche Bildung hat das Judentum, wie wir gezeigt, durch unablässige Veredlung des Geistes, des Herzens und Gemütes an,gestrebt, um dem Ideale des allgemeinen Menschentums näher zu kommen. Das Volk Israel hat durch die heidnische Umgebung nnd durch seine eigentümlichen Schicksale und Verhältnisse vielfach umschränkt dieses Ideal in seiner Mitte wenn auch noch nicht voll und ganz ausgeprägt, so doch trotz seiner individuellen Gestaltung dasselbe stets bewußt in sich getragen und gehegt. Kßronik der Tagesereignisse im Iudenlmne auf soziakem und Literarischem Gebiete. Der 10. August, der neunzigste Geburtstag des Herrn ve. Leopold Iuiy in Ilerlin, wurde in den weiteste» Kreisen der Judenheit in erhebender Weise gefeiert und legte Zeugnis davon ab, daß nian für die Wissenschaft des Judentums und für ihre Vertreter noch immer einen größer» Kreis begeisterter Anhänger findet. In vielen Gemeinden fanden Festgottesdienste statt, bei welchen die Verdienste des Jubilars in gebührender Weise hervorgehoben wurden und die Unzahl von Briefen, Telegrammen und Adressen, in den verschiedensten Sprachen abgefaßt, welche am 10. August in das sonst so stille Heim des greisen

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