Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-10-01 · Heft 10 (1.10.1884) · p. Seite 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 10 (1.10.1884)
Date
1884-10-01
Page
Seite 230 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969712-2969723--1168-2971617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

230 mus an. Nicht das Volk Israel ist hier die Hauptsache, sondern der Mensch. „Wol dein Menschen, der auf mich (Weisheit) hört, vor meinen Thoren wachet Tag um Tag, die Pfosten meiner Thnren hütet; denn wer mich findet, findet Leben und erlangt Wolgefallen vor dem Ewigen; wer aber wider mich sündigt, der frevelt gegen sich selber. Alle, die mich hassen, lieben den Tod" (8, 34—36); „durch mich regieren Könige und beschließen Edle das Recht, durch mich üben Fürstenmacht die Fürsten und Hochgestellten, alle Richter der Erde" (ib. 15—16). Ja, groß und schätzenswert ist die Weisheit, denn alles Streben und Handeln findet in if)r den Maßstab des Wertes; „wenn du die Einsicht rufest, zur Vernunft erhebest deine Stimme; wenw du sie suchest wie Silber, gleich verborgenen Schätzen ihr nachgräbst, dann wirst du des Ewigen Furcht verstehen und Gottes Erkenntnis finden" (2, 3—6). Gleich den Propheten, die ans die Verinnerlichung der Religion durch die Reinheit des Herzens, durch Demut und Liebe dringen (vgl. Am. 5, 22, 24; Jes. 1, 11—17; Hos. 6, 6; 8, 13; 9, 3, 4; 14, 3; Micha 6, 3—8 u. ö.), wird in den Sprüchen das Leben in Liebe, Milde und Großmut als allein wertvoll empfohlen: verweigere nicht dem die Wolthat, dem sie gebührt, wenn es in der Macht deiner Hand ist, sie auszuüben; sage nicht zu deinem Nächsten: gehe hin und komme wieder, morgen will ich es dir geben, wenn du es doch hast". (3, 27); denn „nicht nützen die Schätze des Frevels, aber Almosen rettet vom Tode" (10, 2); „wer sich des Armen erbarmt, der leiht Jahve und sein Wolthun wird er ihm vergelten" (19, 17 vgl. auch II, 26; 24, II; 28, 27 u. ö). Sanftmut legt den Zorn (15, 1), vom Streite fern bleiben, macht dem Manne Ehre (20, 3) und der Ruhm des Menschen ist, über Vergehen hinweggehen (19, 11). Sprich nicht: ich will Böses vergelten — hoffe auf Gott, er wird dir helfen <20, 22); wenn dein Feind fällt, freue dich nicht und wenn er strauchelt, juble nicht dein Herz — Gott könnte es sehen, es mißfiele ihm und er lenkte von ihm seinen Zorn ab (und lenkte ihn auf dich 24, 17—18). Namentlich aber wird Redlichkeit im Handel und Wandel empfohlen „falsche Wagschalen sind ein Greuel Gottes, aber volles Gewicht ist sein Wolgefallen (11, 1); verrücke nicht die alte Grenze, die deine Väter gemacht haben (22, 28) und komme nicht auf das Feld des Waisen (23, 10); wer sein Vermögen mehrt durch Zins und Wucher, der sammelt es für den, der den Armen Gutes thut" (28, 8). In jedem Spruche tritt die Hoheit der Tugend, ohne welche alle Gaben und Güter nichtig sind (vgl. 11, 22; 31, 30 u. ö.), in vollem Maße hervor. Die Religion erscheint hier als dynamische Macht, die Selbstüberwindung und Beherrschung jeder Leidenschaft, die Unterordnung des eigenen e) K. 25—29 mit der Überschrift: ..Auch dieses sind Sprüche Salomo's, die zusammen getragen haben (heetik eigentlich übertragen, vielleicht von einem Idiom in's andere) die Männer Hiskia's des Königs von Jehuda." Nicht selten werden hier einzelne Sprüche aus dem 2. Teile wiederholt; vgl. 25, 24 mit 21, 9; 29, 3 mit 10, 13; 26, 15 mit 19, 29; 28, 6 mit 19, 1; 28. 19 mit 12, ll; 26, 22 mit 18, 8; 27, 12 mit 22, 3; 27, 13 mit 20, 16; 27, 15 mit 19, 13; 27, 21 mit 17, 3. Nachträge aus späterer Zeit sind K. 30 und 31, 1 — 9 vgl. V. 2 beri statt beni und V. 3 die Plnralendung in statt im. 31, 10 31, eine Lobrede auf das biedere Weib, ist entschieden spätesten Ursprunges; dieses beweist schon die alfabctische Aufeinanderfolge der Verse, der Anfang einer poetischen Spielerei in Folge des Verfalles der Poesie, wie sie später wieder bei Juden, Arabern und Persern gebräuchlich wurde. In Agur 30, l und Lemuel 31, 1 wollen jüdische Ausleger und nach ihnen Hieronymus, eine Umschreibung des Namens Salomo's, andere eine symbolische Bezeichnung finden, vgl. Jalk. Spr. 30.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.