Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-10-01 · Heft 10 (1.10.1884) · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 10 (1.10.1884)
Date
1884-10-01
Page
Seite 229 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969712-2969723--1167-2971616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2*29 Diese Thora wurde jetzt Gegenstand allgemeinen Studiums. Das „kleine Heiligtum", welches an die Stelle des Heiligtums auf Zijon trat, nahm mehr den Charakter der Schule, in der Gebet, zumeist aber Belehrung das Opfer vertreten sollte, an. Nicht als ob man das Opfer für überflüssig erklärt hätte — und auch in dieser Beziehung folgte man den Fußstapfen der Propheten, die stets nur gegen die Form ohne Heiligkeit und religiöse Gesinnung, nicht aber gegen das Opfer selbst eiferten (vgl. Jer. 31, 13; 32, 18; Jes. 56,6,7«. ö.) man suchte nur in der Beschäftigung mit dem Gottesworte einen gleichartigen Ersatz; neben den Priestern und Leviten trat nun ein neuer Stand auf, der sich nur in Babel entwickelt haben konnte — der Stand der Mebinim, die Dolmetscher der Offenbarung und dadurch Prophetenjünger wurden. War es nämlich früher der Beruf des Prophetismus, das lebendige Organ der Offenbarung, die durch Moses begonnen, die Verkünder des böttlichen Willens innerhalb des Volkslebens zu sein, die Gegenwart im Spiegel einer von Gott geführten Vergangenheit darzustellen, das Organ der Volkstraditionen von Geschlecht zu Geschlecht in sich zu verkörpern (vgl. 2 Chr. 29, 30; Reh. 12, 46; 2 K. 4, 24; Jer. 26, 2; Hiob 5, 8; 15, 17—19; Ps. 78, 3; 22, 31 u ö), so machten sich jetzt die Schrifterklärer zur Aufgabe, das religiöse Bewußtsein, den religiösen Inhalt, der teils in den Schriften, teils im Volksleben schlummerte, zum Volksbewußtsein, zum Gemeingut der Gemeinde zu machen; das Wissen sollte Volkswissen, die Intelligenz Volksgut, der Kultus sollte Kultur werden. Die Weisheit beschränkte sich jetzt nicht mehr auf die Kammern der Weisen; „sie ruft auf den Straßen und auf den Märkten erhebt sie ihre Stimme, an den Ecken geräuschvoller Wege ruft sie, in den Eingängen der Thore in die Stadt spricht sie ihre Reden (Spr. 1, 20, 21; vgl. 8, 2—3). Der Standpunkt aber, auf dem die Religion Bildung wird, erhebt sich unwillkürlich über jene Anschauung, in der die Form alles ist, das Gottesbewußtsein durchbricht und durchdringt die Schale und wird rein, allgemein. So trat jetzt der Weisheit Rede, die Sprnchdichtung') einen Teil der Erbschaft des Phrophetis- 9 Kaum bei noch einem Buche der heiligen Schrift wäre es so schwierig, die Zeit der Entstehung zu bestimmen, wie bei den Sprüchen, die den Namen Salomo's an ihrer Spitze tragen. Sprüche sind der Ausdruck momentaner Stimmungen und Empfindungen des Volkstums, die stets das Eigentümliche an sich haben, daß, obgleich sie verschiedenen Zeiten und Strömungen angchöre», neben einander gehalten dennoch Klänge ein und derselben Seele zu sein scheinen. Allein gerade bei diesem Buche ist das Bewußtsein allmählichen Werdens durch die verschiedenen, Aufschriften die es in mehrere Teile teile», erhalten geblieben. Das Mascha! ist in Israel sehr alt (vgl. Rum. 21,7; l. Sam >0, l2; 24, 14), es ist die Erfahrung des Volkslebens, die teils bls geschichtliche Ueberlieferung, teils aus dem Privatleben sich erhalten hat. Durch 1. K. 3, 12 hat Salomo die ideale Grundlage zu dem. Buche gelegt, die späteren Geschlechter haben bewußt und unbewußt dazu Beiträge geliefert. Das Buch zerfällt in drei Hauptteile, denen sich kleinere Beiträge anschließen: a) K. 1—9 mit der Aufschrift „Spruche Salvnio's des Sohnes Davids, des Königs in Israel". 1, 1—7 bildet gleichsam die Einleitung zum ganzen Buche Dieser Teil scheint der jüngste der Hauptteile zu sein und seine Abfassung in die von uns behandelte Zeit zu fallen (vgl B. 9 ebaedamims. Die Darstellung ist abgerundet und die Sprache klar, wenngleich bereits ziemlich breit und nicht frei von Eigentümlichkeiten, vgl. 8, 4 iscliim statt anaoobim, l, 9 liwja, 9, 1 chochmot. u. s. w. Die Kapitel bilden eine Lobrede auf die Weisheit, die personifizirt wird, aus welcher Grundlage später die weitern Hypostase (im n. T. von logos, Hagia sophia als selbständige göttliche Person) vor sich ging Mit besonderer Vorliebe finden sich in diesem Teile Anlehnungen an Hiob vgl. 8 mit H. 28; 3, 14 mit H. 28, 18; 5, 3, 4 mit H. 20, 12; 8, 2b mit H. 38, b; 8, 29 mit H. 38, 10. d) K. 10—22, 16 mit der Aufschrift: „Sprüche Salomo's", wahrscheinlich der älteste und ursprünglichste Teil der Sammlung mit späteren Nachträgen 22, 17, s. und 24, 23 s.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.