Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1884)
- Date
- 1884-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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228 teils geschichtliche Berichte enthielten (vgl Sefer dibre Schelomo 1. K. 11, 41, das aber auch dem Chronisten kaum mehr vorlag, der 2 Chr. 9, 29 nur „Worte des Propheten Nathan, Ahijja's aus Silo und Jddo's des Sehers" vgl. auch 2 Chr. 12, 15 „Worte des Propheten Semaja" nennt, ferner Leier dibre hajjaraim le-malche Jehuda wejisrae], vgl. 2 Chr. 25, 26; 27, 7 u ö. dem Jes. 36—39 entnommen zu sein scheint), entstanden die historischen Bücher, die uns unter dem Namen „elftere Propheten" erhalten sind. Es sind Überarbeitungen älterer geschichtlicher Berichte, die durch logische Verbindung der Gegenwart angepaßt wurden. Allein auch an selbständigen Schöpfungen fxhlt es nicht, namentlich entwickelte das alles durchdringende Gottbewußtsein mit seiner Tiefe und Innigkeit die Lyrik in der Psalmdichtung, deren meisten Stücke diesem Jahrhundert angehören, zur höchsten Blüte (vgl. Geiger, nachgel. Schriften IV. 169), in der der Davidische Geist, verklärt durch die Geschicke der Zeit und durch die Hoffnung der Zukunft, in neuem Glanze aufleuchtete. Naturgemäß herrschte unter den Juden in Babel ein in religiösen Dingen rigoroser Geist, der schon von der Pflicht der Selbsterhaltung der verschwindend kleinen Minorität gegenüber der festen Masse des Heidentums eingegeben wurde. Das Ansehen der Priester und Opfer war durch die Verhältnisse in's Wanken geraten; wodurch sollte sich nun das Volkstum erhalten? In der Zeit des Prvphetisnins absorbirte der Kampf gegen das Heidentum der Kräfte zu viel, als daß noch Zeit und Kraft für positives Satzungsleben übrig geblieben wäre und Nicht-Götzendienst! war schon Judentum. Jetzt aber sollte die Gesammtheit durch bestimmte Formen gebunden, die religiöse Zeremonie sollte das Binde- und Erhaltungsmittel für das Volkstum werden. Was früher als Metapher, als bildlicher Ausdruck galt, das wurde jetzt nach und nach als reale Forderung angesehen. Von diesem Geiste erfüllt, gewöhnte man sich allmühlig die Thorat Mosche, ft die jetzt die Thorat Jahve schlechthin wurde und in der man den Urwillen für jede fernere Entwicklung des Volkstums glaubte, zu lesen. ') Auf die Zeit der Abfassung des Pentateuch hier näher einzugehen, ist nicht möglich. Diese Frage hat eine so mannigfache Behandlung erfahren und ist dabei in eine solche Verwirrung geraten, daß sie heute beinahe unlösbarer als je ist. Gewiß ist es, daß Esra bereits im Besitze der Thora war, als er nach Jerusalem zog, vgl. den bereits feststehenden Ausdruck Thora in Jes. 42, 4, 2!; 51, 4. 7; Thr 2, 9, Ez 7, 26. Der besondere Nachdruck, den Wellhausen, Gesch. S. 421 auf die Phrase in Esr. 7, 14 legt, und von der er mit Bestimmtheit auf Esra als den Redaktor des Pentateuch, namentlich des Priestercodex schließt, ist unberechtigt. Daß die Thora nicht in der Zeit Esra's und Nehemia's redigirt werden konnte, erhellt deutlich, wenn man die religiösen und politischen Verhältnisse dieser ein wenig mit in Betracht zieht. Jene Zeit, in der Priesterdünkel und Genußsucht sich im Tempel breit machte, war durchaus nicht geeignet, eine Einflußnahme der Priester bei Fixirung der Satzungen, ebensowenig eine solche Beachtung des Priesterstandes, wie er im Priestercodex gefunden, zu ermöglichen, vgl. Rosenzweig a. a. O S. 19. f; denn selbst in Esra überwiegt der Sofer den Priester und angenommen, er hätte dennoch der Priester Recht in solch hohem Grade vertreten wollen, so war Nehemia Mann genug, um aus seiner autipriesterlichen Gesinnung kein Hehl zu machen. Ähnlich äußert sich auch Professor Riehm in Halle in einem an mich gerichteten Schreiben über diese Frage. Noch sei erwähnt, daß gegen die Abfassung in dieser Zeit auch der Umstand spricht, daß den Leviten im Priestercodex' eine ziemlich untergeordnete Stellung angewiesen ist, während man in der Zeit Esra's deren Stellung sicherlich heben wollte, vgl. auch Grätz, Gesch. II. B. S. 129. Die sprachliche Bemerkung Wellhausens a. a. O. S 402 über das angeblich aramaisirende „kekim berit“ statt des ursprünglichen „Karat berit“ ist einfach unrichtig, denn: ersteres bedeutet ein Bündnis schließen, letzteres aber ein bereits bestehendes neu bestätigen.