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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-10-01 · Heft 10 (1.10.1884) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 10 (1.10.1884)
Date
1884-10-01
Page
Seite 227 (sequence 9)
Language
German
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‘^V^- :^-v >S:; " *>-— ’* ' r"V .r./;\. — 227 — daß in dem Thun Geist herrscht, die blos mechanische Ausführung desselben sein; vielmehr ist mit jeder neuen Bethätigung notwendigerweise eine Neuschöpfung verbunden. Darum kann kein folgendes Geschlecht die Entwürfe des vergangenen ganz strikte ausführen, darum erscheint in jeder Zeit jede noch so hohe Offenbarung als eine andere. So bedingt es der menschliche Geist, hierin liegt seine ewige Verjüngung, die stete Erneuerung der Welt, der Fortschritt des Menschengeschlechtes. Somit erscheint der Rabbinismus als eine Phase, die von der Notwendigkeit, welche sich in der Geschichte äußert, eingeführt wurde, und ist auch in ihm kein positiver Fortschritt über den Prophetismus hinaus zu erkennen — erstreckt sich doch des letzteren Ideenwelt bis an das Ende der Tage — so muß doch auch diese Phase als geschichtliche Erscheinung geachtet und gewürdigt werden. Die Geschichte schafft nicht ewig Neues, die Gedankenarbeit des Menschengeschlechtes bleibt zuweilen scheinbar stille stehen, in Wahrheit aber verarbeitet sie die gewonnenen Säfte, damit diese in alle Glieder strömen; ausgegeben hat aber der Rabbinismus nie die Gedanken der Propheten, er hat sie blos mit einer Hülle umkleidet, um sie um so sicherer für Israel und die Menschheit zu erhalten. Es würde uns zu weit führen, wollten wir es näher vorführen, wie der Rabbinismus die große Erbschaft angetreten und nur gelegentlich wollen wir daher in folgendem tmrcmf Hinweisen. Ehe wir aber an die Geschichte Esras und seine Zeit schreiten, wird es notwendig sein, einen Blick auf die weitere Entwicklung des religiösen Lebens der Juden in Babel zu werfen: denn Babel gab den Impuls zu der neuen Gestaltung— die Fremde für die Fremde! Nie hätte Jerusalem diese Umgestaltung zu Wege gebracht, weil es sich für den ewigen Mittelpunkt des jüdischen Lebens hielt, weil es ohne sich kein Judentum zu denken vermochte. Nur die Freinde konnte eine neue Richtung anbahnen, weil in ihr die Notwendigkeit für die Anpassung der alten Lehre an ein Leben in veränderten Verhältnissen erwachte. Schon gelegentlich unserer Besprechung des Einflusses, den das Exil auf die Gola hatte, fanden wir, daß in Babel ein frisches Geistesleben herrschte. Dieses hörte auch in der Folge nicht auf, vielmehr fand es in der Freiheit, deren sich das Volk in Handel und Wandel erfreute und die ihm zu beträchtlichem Wolstande verhalf, namentlich aber in der blühenden Kultur, die in Persien und Babel heimisch war, kräftige Nahrung, so daß gerade das Exil und mit ihm das darauffolgende Jahrhundert mit Recht das goldene Zeitalter des jüdischen Geistes, die Blütezeit der jüdischen Literatur genannt werden darf. Die Politik absorbirte keine Kräfte, sie konnten sich alle mit Eifer und Ruhe in den Dienst des religiösen Lebens stellen; zudem scheint es, als ob nur der Druck in Israel Elastizität des Geistes zu schaffen vermag. Die Liebe zum Volkstum hatte naturgemäß besondere Liebe zur Sprache der Ahnen geweckt (vgl. Neh. 13, 23—25) — die Sprache ist eben des Volkstums ureigenstes Leben — zugleich aber auch das Streben, die nationale Geschichte aus den Trümmern der Zeit zu retten und durch Verbreitung im Volksleben zu erhalten. Aus Kriegsverzeichnissen (Leier milobawot Jahve vgl. Num. 21, 14), die aus alter Zeit herrührten, aus Geschlechtsregistern (Leier hajachas, vgl. Esr. 2, 59, Neh. 7, 5, 64, Jos. vita § 1), die schon Wecjett Verifizirung der Erbrechte bedeutende Wichtigkeit besaßen, aus älteren Aufzeichnungen, die teils Lieder (vgl. Leier hajjasehar Jos. 10, 13; 2 Sam. 1, 18),

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