Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1884)
- Date
- 1884-10-01
- Page
- Seite 225 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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225 zu schaffen. Wollen sie es vielleicht versuchen? Nun es sind der Versuche dazu schon allzuviel gemacht worden, sie sind nicht gelungen. Sie werden aber auch nicht gelingen. Dafür sorgt „der nicht schläft und nicht schluniniert, der Hüter Israels." Es giebt einen Grund der Feindschaft, dessen sich der davon Betroffene nicht zu schämen hat, dessen er sich sogar rühmen kann. Diese Ehre darf Israel im Nanren seiner Religion in Anspruch nehmen. Diese Religion beruht ans Grundsätzen, vor deren Wahrheit und Verwirklichung fast alle Völker des Altertums gezittert haben, und vor denen noch viele Schichten der modernen Gesellschaft zittern. Von diesen Sätzen ist einer als Wurzel anzusehen, aus welcher die andern sich als Stämme erheben. Dieser eine lautet: Es ist ein absolut einziger Gott. Daraus folgt: Das gesammte Menschengschlecht ist eius, weil Kinder dieses Gottes. Es giebt nur ein Recht für alle Kinder dieses Gottes. Würde und Adel werden nicht durch Geburt sondern durch persönliches Verdienst erworben. Das Ideal der Menschheit liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Diese Sätze der Religion sind dem größten Teile der Menschen noch nicht bekannt und nicht von ihm verstanden, sonst würden sie schon zur Geltung gekommen sein. Diese Sätze sind der Frieden zunächst für Israel, aber auch der Frieden dereinst für alle Menschen; aber sie sind der Unfrieden für die Feinde der Menschheit, die nur ihre Selbstsucht befriedigen wollen, und weil sie fürchten »daß Israel rede," daß es diese Grundsätze lehre und verbreite und in Anwendung bringe, „sind sie Israels Feinde", hassen sie Israels Religion und deren Träger. Weil sie ihre Vorurteile nicht aufgeben, auf ihre Vorrechte nicht verzichten, ihre Vorteile nicht verlieren wollen, sind sie Feinde der Religion, welche sie nicht anerkennt. Darf nun wol den Israeliten der Rat erteilt werden: Suchet euch von diesem Hasse zu befreien, diese Feinde euch günstig zu stimmen durch Aufgabe jener Grundsätze? Nimmermehr darf das ein gewissenhafter Israelit! Das hieße raten: Verleugnung der Wahrheit, Abfall von der Religion! Darum rufe, ich euch zu, Br. u. Schw. in Israel: Ertraget geduldig diese Feindschaft, seid stolz auf diesen Haß! Seid darauf gefaßt, um eurer Religion willen von jenen Feinden verfolgt, beraubt, getötet zu werden! Seid bereit, wie so viele eurer Väter und Mütter für die Wahrheit den Tot zu erleiden! Ihr kennt das Wort, das mit Thrünen und Blut auf allen Blättern unsrer Geschichte geschrieben ist, das Wort, das aus tausenden von flammenden Scheiterhaufen erscholl, das Wort, vor den: unsre Feinde erst zittern, dann verstummen, dann mit uns darin übereiiistimmen werden, unser Abschiedswort vom Versöhnungstag: Höre Israel der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig, Gelobt sei der Name seiner Herrlichkeit in aller Ewigkeit!