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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-09-01 · Heft 9 (1.9.1884) · p. Seite 213

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 9 (1.9.1884)
Date
1884-09-01
Page
Seite 213 (sequence 19)
Language
German
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213 übrigens bei dieser Gelegenheit inst Armden, daß mir gerade von christlicher Hefte der Wunsch geäußert wurde, die Mache klar zu stellen." Wir haben aus dieseüi/ wie wir aus Annoncen ersehen, unter dm Auspizien orthodoxer Autoritäten ^eräusWchenK Gebetbuche, das von Fehlern «l» Ungenauigkeiten wimmelt, trsehen, wie hochgrädiß die Zgnoranz in den elementarsten Dingen in diesen Preisen geworden und däst die orthodoxen Autoritäten nicht einmal auf das Ätrkbut eines 8iänr-L.»mict»n^ düs ist eines Individuums Anspruch machen können, welches durch gewohnheitsnkäßiges gedankenloses Mitmachen aller Ceremonieen wenigstens einigt Kenntnisse auf dem Gebiete der Ritualistik erlangt hat, die es nur eine Staffel höher äks den Unwissenden (Am Ha-Arez) stellen. Wir verweisen beispielsweise auf die erste Seite des Gebetbuches, wo bei einem Gebetstücke ein Alef fehlt, das nicht erlassen werden darf, soll das betreffende Wort nicht eine unerlaubt; Bedeutung an seiner Stelle erlangen. Besonders versündigt haben sich die orthodoxeü Autoritäten, die sich auf Seite 56 als gottvergessen zeigen, auf Seite 42, wo sie nach Lev. r. 19 sich als Weltzerstörer bekunden, indem sie statt 8s ein Cheth setzen. Auch mit dem Wiederaufbau Jerusalems auf Seite 130 sind sie in Konflikt geraten, indem sie aus „bauen" „Söhne" Machen. Der Messias hat Seite 114 seinen notwendkgen Punkt nicht am rechten Flecke. Der Priestersegen ist am Punkte der Gnade oft verstümmelt und Gottes Wille uin ein Nutt beraubt S. 139. Ohne weiter uns auf die massenhaften Druckfehler einzulassen, auf die Abschreibungen in Bezug auf die Bräuche aus i)r. Bür's „Abodath Jisrael,“ die manche Verschlimmbesserungen erfahren haben, wollen wir nur noch auf die ungeheuerliche Ignoranz der orthodoxen Autoritäten Hinweisen, die beim Mussafgebete am Neujahrs- und Versöhnungstage allen Ernstes aus Unkenntnis den Satz zweimal sogar stehen ließen „Und wir können nicht hinaufgehen (nach Jerusalem) und erscheinen und uns bücken vor Dir" S. 108, 119. Nein, Ihr lieben orthodoxen Autoritäten, Euch geht jeder Beruf ab, im Judentume zu wirken! Ihr gebt Euch schon bei dem Nachdrucke eines Gebetbuches der Lächerlichkeit preis, denn Euer neues in Frankfurt a. M. ausgegebenes Gebetbuch ist für Synagogen und Schulen unbrauchbar. Dieses Gebetbuch bleibt schon durch die Verwandlung des Neujahrs- und des Versöhnungstages im Wallfahrtsfeste ein Schandfleck in der jüdischen Literatur und verwahren wir es wohl als ein bibliographisches Kuriosum in unserem Bücherschränke. — Im Britisch- Museum zu London erregen viele semitische Antiquitäten, welche dem Publikum zugänglicher gemacht worden sind, dessen lebhafte Aufmerksamkeit. — Bei den traurigen Ausschreitungen gegen die Juden zu Nischnq-Aowgorod in der Vorstadt Kunamino am 19. Juni kamen folgende 10 unschuldige Juden um ihr Leben: Zamnel Aeffelmann» Moses Goldin, Chajim Kapiloivslri, Zoet Grrschonowih, Aaruch Koch, dessen Frau und zwei Söhne David und Zchechnah, David Alsarowih und Abraham Heidenberg. Am 21., abends, wurden die Getöteten zur Erde bestattet. Ist es nicht zu verwundern, daß unter solchen Verhältnissen die Kommission zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden in Rußland das Bedürfnis wohl anerkennt, die russischen Gesetze zu Gunsten der Juden zu ändern, den gegenwärtigen Zeitpunkt hiefür aber nicht für den geeigneten hält? Es ist gar nicht abzusehen, wie tief der giftige Haß russische Unmenschen gegen ihre jüdischen Mitbürger erfüllt. So wird von einem Orte berichtet, daß daselbst zur Zeit der Regennot die Christen mit gefüllte^ Wasserkrügen einhergehen, um jeden ihnen begegnenden Juden zu begießen, denn nach einer Tradition sei das ein probates Mittel uni Regen zu bekommen. Sie durchbrechen auch die Fenster an jüdischen 19*

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