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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-09-01 · Heft 9 (1.9.1884) · p. Seite 212

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 9 (1.9.1884)
Date
1884-09-01
Page
Seite 212 (sequence 18)
Language
German
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212 den „Mitteilungen vom deutsch-israelitischen Gemeindebuude, herausgegeben vom Ausschuß derselben liegt uns die 13. Nummer (38 S.) vor. Dieselbe enthält einen ausführlichen Bericht über den vierten ordentlichen Gemeindetag zu Berlin am 14 April 1884. S. 10 beklagt Herr M. G. Lewy: „Wir haben Gemeinden, die ganz ohne Kenntnis dessen sind, was nach jüdischem Ritus gestattet ist oder nicht." Als würde sonst gar nichts fehlen und Alles in schönster Ordnung sein! Der Ritus stört oft bessere Bestrebungen, wie aus S. 16 zu ersehen ist, in dem Berichte über die Ausbildung von jüdischen Krankenpflegern, wobei nach dem Berichte des Sanitätsrates Marcuse der Ausschuß auf Hindernisse gestoßen sei, die vorzugsweise ritueller Natur sind. Möchte doch auch der D. I. G. B., der, wie sein verdienter Präsident Herr G.-R. Dr. Kristeller hervorhebt (S. 6), statutenmäßig die Aufgabe hat, Aufklärung über das Judentum zu verbreiten, es sich auch angelegen sein lassen, Aufklärung im Judentume zu verbreiten, denn die vielgepriesene Einigkeit der verschiedenen Richtungen ist nur eine äußerliche, erkünstelte, die keine Bürgschaft für dauernden Bestand gewährt, wie sich das jüngst wieder in einer Gegenerklärung gegen die Beschlüsse des Berliner Rabbinerkongresses gezeigt hat, bei der sogar 3ffcankfurt n. ill. ins Schlepptau der Hildesheimer, Lehmann, Plato, Heilbut genommen ist, deren ersterer Herrn Rabb. Dr. Goldschmidt in Weilburg, weil er nicht genug pseudoorthodoxen Fanatismus gegen die Orgel an den Tag legte, das ihm früher erteilte Rabbinerdiplom entzog, worüber schon sogar die in Galizien und Rußland erscheinenden jüd. Zeitschriften ihr Hohnlachen nicht zurückhalten können. Den Riß heilt man nicht durch einige Friedensphrasen. Nur aus der Wahrheit quillt begeisterte That. Sehr angenehm wurden wir berührt durch die letzten 4 Seiten, welche „Erbauliches von Dr. Samuel Kristeller" enthalten. Die Mitteilungen des D. I. G. B. gewinnen dadurch nur an Wert. — In der Kirchlichen Monatsschrift III. Jahrg. S. 355 findet sich in einem Artikel „Die Orgel" von M. Kanzler in Dortmund ein Satz, der der' Berichtigung bedarf. Es heißt daselbst: Zuerst berichten uns der h. Augustin und Hieroniimus von 2 Orgeln Magrepha und Maschrokita im Tempel zu Jerusalem, deren Klang bis an den Oelberg gereicht haben soll. Eine solche Stelle ist in Hieronymus nicht vorhanden, dagegen findet sich im Talmud ein Bericht über ein orgelartiges Instrument, Magrepha genannt, im jerusalemischen Tempel, dessen Klang man sogar bis nach Jericho gehört haben soll. (Vergl. Mischnah Tamid Ilt., 8; Arachin 10b ff.; Talmud jerus. Sukkah V., 3 u. 6, aus letzterer Stelle auch Jalkut Koheleth 8 989.) — In der „Franks. Ztg." vom 7. Juli (Abendbl.) schreibt ein Herr S. L.: „Ein Druckfehler in der Slobotzky'schen Ausgabe eines israelitischen Gebetbuches, das so ziemlich der Abdruck des seit 100 Jahren in Rödelheim verlegten sehr guten Gebetbuches ist, gab zu den drolligsten Redereien Anlaß. Es wird nämlich in einem Festtags-Gebet, zur Erinnerung an den ehemaligen Opferdienst im Tempel, eine Stelle aus deni alten Testament, Abschnitt Pinehas, citirt, in welcher es gleich Eingangs heißt: Wehikrai'tem Ischeh u. s. w., d. h. Ihr sollt ein Feueropser dem Herrn bringen, bestehend aus so und so viel Arten Tieren u. s. w. Statt dessen findet man in der Slobotzky'schen Ausgabe: Wehikraftem Ischob (statt Ischeh Feuer), und ihr sollt eine Frau opfern. Das Citat aus dem alten Testament nun, das seit Jahrhunderten an genanntem Platz im Gebetbuch richtig steht und das jedem jüdischen wie christlichen Bibelkundigen sattsam bekannt ist, ist nun durch jenen sinnentstellenden Druckfehler nicht allein ein Gegenstand des Gelächters bei den Kundigen, sondern auch der tendenziösen Verläumdung bei Böswilligen geworden. Ich konstatire

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