Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-09-01 · Heft 9 (1.9.1884) · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 9 (1.9.1884)
Date
1884-09-01
Page
Seite 199 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2969669-2969712-2969722--1136-2971584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

199 ischen, so er als Adjektiv allein steht, mehr den inner» Wert, die Güte und Tüchtigkeit einer Sache kennzeichnet, als ihre äußere Erscheinung. Dieses Urteil wiederholt die bibl. Schöpfungsurkunde einigemal, um, wie schon die Alten richtig bemerkten, absichtlich hervorzüheben, daß Gott selber gleichsam eine innige Freude, ein neidloses Wolgefallen an dem Gelingen der Weltschöpfung bekundete. Zu alldem steht nun der hellenische Schöpfungsbericht im grellsten Gegensätze und markirt in scharfen Strichen die grundverschiedene Anschauungsweise des alten Judentums und Griechentunis. Denn diesem Letztern gemäß war nicht der Himmel, sondern die allnährende Erde, Gäa, nächst dem Chaos, zuerst entstanden, und das Licht ging blos als sekundäre Erscheinung, aus der Vermählung des Crebos mit der Nyx, des Dunkels niit der Nacht hervor, welche als das erstgeborne Kind des Chaos betrachtet wird. Die Gäa, also das Irdische, ist auch die Mutter des Uranos, des gestirnten Himmels, der dann in unzüchtiger Vereinigung mit ihr all die gewaltigen Titanen, iibermütigen Cyclopen und Riesen erzeugte, welche aus der lichtraubenden Gewalt des neidischen Vaters sich nur durch dessen Ermordung befreien konnten, zu welcher die eigne Mutter Gäa sie aufstachelte. Wahrlich, eine solche von der krassesten Unsittlichkeit, von Haß und Neid, von Unzucht und Mord erfüllte religiöse Vorstellungsweise, welche die Typen des Rohen und Genieinen, die Nacht und die Erde, zu den Urmaterien der Götter- und Heroenwelt machte, mußte mit psychischer Notwendigkeit jedes Gefühl im Keime ersticken und den griechischen Bolksgeist zur Vergötterung der Sinnlichkeit führen, welche, wie Heraklit gesagt haben soll, die mit Leidenschaften behafteten Götter zu unsterblichen Menschen erniedrigte, die stolzen Menschen zu sterblichen Menschen erhöhte. Wie ganz anders die biblische Schöpfungstheorie! Sie richtet vor Allem, indem sie den Bann der Sinnlichkeit durchbricht, den Blick des Menschen empor zum Himmel und zum Lichte, über denen ein wohlwollender, allgütiger Schöpfer thront, und lehrt ihn die Urheimat seines Geistes nicht auf Erden, sondern in jenen Höhen zu suchen, aus welchen ihn der Schöpfer das erste Tob, das Gute des Lichtes neidlos gesendet hat." Kaposvar. Dr. Rosenberg. Leiv und Seele. (Sanhedrin 92.) Der röm'sche Kaiser Antonin Fragt Rabbi seinen Freund: „Einst bei dem ew'gen Weltgericht Gar leicht es mir erscheint, Daß so der Leib als auch die Seel' Mit gültigem Beweis Sich frei von aller Erdenschuld Und sündenrein erweis'. und dem latein: pnlebor. Allein stehend bedeutet es „Gut", sich auf die innere Tüchtigkeit einer Sache oder Sittlichkeit einer Person beziehend, wie das griech.: agathos. Die Septuag. aber setzt zwar hier „w tos hoti kalon“ was aber mehr hellenisch , denn jüdisch ist. Wie sehr auch die alten Midraschweisen hierin mehr die ethische Seite der Lichtschöpfung betont fanden, bezeugen ihre poetisch kühnen Deutungen, nach dem sie dem Lichte sogar eine messianische Sendung an die Menschheit ertheilten. Vgl. Midr. R. II. 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.