Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1884)
- Date
- 1884-09-01
- Page
- Seite 198 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969722--1135-2971583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
198 übernatürliche Gotteskraft, Elohim, von Ewigkeit her voraus, welche vor Allem Himmel und Erde schuf, und dann als schöpferischer Geist schützend und schirmend *) über den Wassern schwebte, um zuerst das Heil-- und Segenvollste, das Licht zu schaffen. Hier also giebt es keinen wilden Kampf neidisch-feindseliger Gewalten, welcher der Weltschöpfung vorausging; Alles entstand auf Befehl und unter dem Schutze des göttlichen Werkmeisters in friedlicher Harmonie. Nicht so in der hellenischen Schöpfungsgeschichte. Sie läßt der Kosmogonie, der physischen Weltschöpfung, eine Theogonie, eine Götterschöpfung vorangehen, in welcher die gräßlichsten Schandthaten, Vater-, Gatten- und Kindermord geschildert werden, und wie schließlich, indem das Göttergeschlecht der Uraniden von dem Göttergeschlechte der Kroniden, vernichtet wird, das alles Ethische verhöhnende böse Prinzip: „Gewalt geht vor Recht" zum triumphierenden Siege gelangt; * 2 3 4) ein Prinzip, das dann konsequenter Weise auch auf die irdische Welt- und Menschenschöpfung ausgedehnt wird. Die biblische Schöpfungsgeschichte läßt früher den Himmel und dann die Erde entstehen, '■') giebt also dem Reinern und Heiligem die Priorität, die sie dem Lichte der Finsternis gegenüber gewiß einräumt, indem sie nur von der Erschaffung des Lichtes spricht, die Finsternis jedoch nicht positiv entstehen läßt, sondern blos als einen Lichtmangel betrachtet. In der Schöpfung des Lichtes sieht sie nicht blos das Ästethisch- Schöne und Nützliche, sondern auch und ganz besonders das Ethisch-Gute auf Erden sich verbreiten, indem gewissermaßen die Lichtsphäre die erste, unerläßliche Bedingung ist, gemäß welcher nicht allein das physische, sondern auch das höhere geistige und moralische Menschenleben sich gestalten und entfalten kann. Der erste Lichtstrahl, welcher durch des Menschen Auge in sein Inneres dringt, weckt auch das schlummernde Licht in seiner Seeles) Darum stellt sie auch das sinnige Urteil auf: „Gott sah das Licht, daß es gut sei", worin sie nicht so sehr die äußere Schönheit, als vielmehr die innere belebende Kraft und ethische Wirkung des Lichtes besonders hervorheben will durch den Ausdruck: Tob5), der im Hebräzipien kämpfend die Well;, das Licht oder das Gute, die Finsternis oder das Böse. Und dieser die ganze Welt umfassende Kampf zieht auch das menschliche Herz in seinen Bereich. Vgl. Munk. a. a. O. I. S. 3 f. Creuzers Symbol, u. Mithol. I 180 ff. ') Das hebr. Wort: raelmt' deutet zumeist auf ein liebevolles Beschirmen, auf ein friedliches Umschweben hin. Bgl. V. M. 32, 11. *) Hesiod. Theog. B. HO-452, worin das Uraniden-Geschlecht besungen wird; dann B. 453 —1019, wo das gewalthätige Kroniden-Geschlecht siegend vorgeführt wird. s) Bgl Midr. R. Absch I. wo die Kontroverse, ob der Himmel oder die Erde früher geschaffen wurde, damit endet, daß die Himmelsschöpfung der Erdenschöpfung vorangieng. Absch. 3 wird der Lichtschöpfung sogar vor der Weltschöpfung der Vorrang eingeräumt, was wohl Alles auf den ethischen Gedanken hinzielt, dem Edlern das Vorrecht zu vindizieren. Göthe im „Faust" läßt auch in der That durch eine sophistische Rede des Teufels, des Sohnes der Finsternis, dem Lichte das Vorrecht streitig machen, indem er, der Teufel, die Nacht als Mutter desselben verherrlicht, was natürlich recht charakteristisch eben nur der Teufel behauptet, dieser Erzfeind alles Ethischen. Neben der ethisch. Bedeutung, die in der bibl Darstellung der Lichtschöpfung liegt, finde ich auch eine Übereinstimmung mit der Naturlehre, die gleichfalls nur das Licht für eine positive Erscheinung, die Finsternis hingegen blos negativ als Lichtmangel erklärt. 4) Vgl. Casp. „Urgeschichte der Menschheit" I. S. 12—28, wo die Unentbehrlichkeit des Lichtes für die geistig-sittliche Kulturentwicklung des Menschengeschlechtes historisch nachgewiesen wird. Die sogenannten „Troglodyten" Höhlenbewohner, waren nicht blos körperlich, sondern auch kulturell gänzlich verkommen. 5) Tob, so es das den Sinnen Zusagende, Schöne bedeutet, steht immer mit marod. Gen 24, 16, war I. Kön. 1, 6 und raui 1. Sam. 16, 12. und entspricht dem griech.: kalos