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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-09-01 · Heft 9 (1.9.1884) · p. Seite 197

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 9 (1.9.1884)
Date
1884-09-01
Page
Seite 197 (sequence 3)
Language
German
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197 der sich von dem einfachen Tierleben völlig unterscheidet, einhauchen, wodurch eben die Thora augenfällig t e n d e n z i ö s auf eine ganz aparte Entstehungsart des Menschen hinzielt, der nicht durch das schöpferische Gotteswort etwa blos keimartig entstanden und dann einer stufenweisen Selbstentfaltung überlassen ward, sondern der körperlich und geistig vollendet aus der bildenden Gotteshand hervorgieng. Aus dieser absichtlich grundverschiedenen Darstellung der Menschenwerdung geht es bis zur Evidenz hervor, daß die mosaische Schöpfungsurkunde, die doch, der logischen Konsequenz gemäß, auch das Menschenwesen, wie das übrige Weltall, durch das allmächtige Gotteswort hätte erstehen lassen müssen, keine naturwissenschaftliche, sondern ausschließlich eine religiös-ethische Tendenz habe, weil sie nämlich den Menschen, von dem allein die Thora die Verehrung Gottes und die Beobachtung seiner religiös-sittlichen Gesetze fordert, in die innigste Beziehung zu dem göttlichen Schöpfer bringen wollte, und zwar dadurch, daß sie ihn zum Bewußtsein fiihrt: er sei nicht, wie die andern Weltwesen, blos aus des Schöpfers Geheiß entstanden, um dann einer zufälligen Selbstentwicklung überantwortet zu bleiben, sondern die Allgüte Gottes beschäftigte sich besonders liebevoll mit seiner Kreation, schuf ihn mit eigner Hand und gab ihm Geist von seinem Geiste, an den er dann die Vorschriften eines religiös-sittlichen Lebens richtete. Dieses Bewußtsein der engsten, unmittelbarsten Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer bildet den mächtigen Fels, auf dem ein göttliches Religions- und Moralgebäude sich begründen kann; wird dieser Fels gerüttelt, so muß es in sich zusammenbrechen. In diesem Punkte, was die Menschenschöpfung betrifft, giebt es keine Transaktion zwischen der modernen Theorie und der Bibel, zwischen Moses und Darwin, dessen Entstehungslehre, möge sie wahr oder falsch sein, nimmer mehr das Fundament einer reinen Theologie, einer resigiös-ethischen Lehre von einem Gotte sein kann, zu dem ja der Mensch, dieser Entwicklungstheorie gemäß, in keinem engeren Verhältnisse stünde, als der bliihende und verwelkende Grashalm des Feldes. Wo daher von der Religion die Rede ist oder von dem Buche, die sie in in die Menschengesellschaft einführte, sollte ein solcher Ausgleich, der nur zu Sophismen führen muß, nicht einmal versucht werden; die Sphären beider Theorien liegen soweit von einander entfernt, wie der Himmel von der Erde, und da wir es hier nur mit dem Ersteren zu thun haben, nämlich mit dem Geisteshimmel der Religion und Ethik, welchen die Thora über die Menschheit hinwölbt, so müssen wir blos untersuchen, ob die biblische Schöpfungsgeschichte, die nicht als untersuchende und prüfende Naturlehre sich geltend machen will, jene passende und sichere Leiter ist, welche zu Gott führt auf den Sprossen ethischer Ideen, die in der bibl. Schöpfungsurkunde wie in keiner andern Kosmogonie des Altertums in reicher Fülle vorhanden sind. Diese ethischen Ideen nun strahlen uns aus dem Bilde der bibl. Schöpfungsgeschichte ganz besonders hell entgegen, wenn wir gewissermaßen als Schlagschatten derselben die Kosmogonie der alten Griechen uns stets gegenwärtig halten, welche nicht blos einen Mangel an ethischer Tendenz bekundet, sondern einer solchen gradezu Hohn spricht. *) Die Schöpfungsurkunde der Thora setzt eine ff Die Kosmogonie» der alten orientalischen Völker, wie z. B. die der Indier in den Veilas, ja selbst in den IlpanisekaUs, die schon eine gewisse Philosoph. Spekulation bekunden, stehen der biblischen Schöpfungsurkunde gar ferne. Sie sind krasse Vergötterung der Natur und ihrer rohen Kräfte, die durch die ausschweifendste Phantasie zur gemein-sinnlichen Symbolisirung entarten. Auf das Ethisch-Menschliche wird gar nicht reflektirt. Von mehr ethischem Werte ist die ihr verwandte arische Anschauung. Ihr zu Folge beherrschen zwei entgegengesetzte Prin- 18*

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