Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1884)
- Date
- 1884-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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entsetzt. — Am 5. Mai ist der neue israelitische Friedhof in Luxemburg eingeweiht worden. — In Saarwellingen wurden am jüdischen Friedhofe 10 Grabmonumente umgeworfen und zertrümmert irnd in Znowrastam wurden etwa zwanzig Leichensteine von den Gräbern gerissen, und auch ein kostbares Denkmal zertrümmert. Es kam daselbst fast zur Leichenschändung. Die Thäter, welche als Motiv Judenhaß angeben, sind bereits in der Person zweier Malergehilsen entdeckt. — In Bonn meldeten sich jüdische Gymnasiasten zur Teilnahme an dem fakultativen hebräischen Unterricht in der Prima unter der Bedingung, deniselben mit bedecktem Haupte beiwohnen zu können, weil ihr Ritus es ihnen anders nicht gestatte. Ob solchem Ritus, der übrigens unbegründet ist, (vgl. Trachten der Juden von Dr. Adolf Brüll. S. 11) nicht Rischus folgt, wollen wir dahingestellt sein lassen. Das Judentum muß sich von pseudoorthodoxer Seite in Deutschland überhaupt manche Schändung befallen lassen. Man lese z. B. folgendes Stück aus einer Berliner jüdischen Zeitschrift: Es ist eine auch von uns wiederholt konstatirte Thatsache, daß die Fortschritte auf dem Gebiete der Technik dem gesetzestreuen Juden die Erfüllung der religionsgesetzlichen Vorschriften oft nicht unwesentlich erleichtern. Wir sind heute in der erfreulichen Lage, unsere Leser auf eine derartige Erleichterung Hinweisen zu können. Wer kennt nicht die Kalamität, daß der „Schabbos-Ofen" entweder seine Dienste versagt und das Essen kalt bleibt, oder daß er zu gut funktionirt und das Essen verbrennt. Beide Misstände werdeit vermieden durch den Gebrauch der neuen Kochapparate „Grudeheerd" genannt, welche seit 21/« Jahr von der Firma Emil Heckenbach u. Co. (Berlin, Kochstr. 19) eingeführt werden. Dieselben brennen ohne jede Bedienung 30 Stunden, eignen sich deshalb ganz vorzüglich zu „Setz-Oefen," und dürfen auch religionsgesetzlich ruhig hierfür gebraucht werden. Dazu kommen noch die praktischen Vorteile, daß die Grudefeuerung ohne die geringste Rauch- oder Rußbilduug Tag und Nacht brennt, jede Feuersgefahr ausschließt und durch die stets gleichmäßige Hitze-Entwickelung die bereiteten Speisen weit schmackhafter macht. Schließlich hat die Grudefenerung auch noch den Vorzug enormer Billigkeit, indem ein Grudeheerd während voller 24 Stunden Tag und Nacht nur für 6—10 Pf. Brennmaterial (Grudekoaks) konsumirt, d. h. kaum den vierten Teil für Holz und Kohlen. Mit Recht findet die in Warschau erscheinende „Hazefira* (Nr. 20, Jahrg. 1884) die deutsche Pseudoorthodoxie lächerlich und giebt ihr zu bedenken, daß es sogar verboten sei, am Sabbath einen Cylinderhut zu tragen. — In Kranbfurt a. M., wo jetzt die Judengasse fällt, wurde jüngst bei den Orthodoxen eine Hochzeit unter freiem Himmel niit dem üblichen Weizenwerfen und allem, was dazu gehört, in altjüdischer Weise gefeiert. Auch servierten nur jüdische Kellner des Weines wegen. Auch aus Kastei in Mähren berichtet uns ein Reisender, daß er daselbst Augenzeuge einer Trauung unter freiem Himmel gewesen. Unter dem schwarzen modernen Cylinder des Bräutigams blickte verschämt am Hinterkopfe die mit Gold bordierte weiße Kittelhaube heraus. — Aus Dien schreibt uns Herr A. Löwit: Als erste neue Institution unseres derzeitigen Präses der Wiener Kultusgemeinde Herrn Poltab Kitter von Borkenau — eines höchst würdigen Nachfolgers Kuranda's — der in seiner Kandidatenrede auf die Reformirung des Gottesdienstes und Wiederbelebung des jüdischen Interesses im Innern des jüd. Hauses das Hauptgewicht legte, wurde Sonntag, d. 18. Mai die erste Mädchen konfirm atiofi in Wien gefeiert. Zu dieser religiösen Feier, die zu Zeiten des fei. Predigers Mannheimer hier schon usuell gewesen, seit ca. 30 Jahren aber nicht mehr bethätigt wurde, hatte sich diesmal eine große Menge junger Mädchen