Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1884)
- Date
- 1884-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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ISO zusammengefunden. Diese versammelten sich um 10 Uhr Morgens in dem Tempel der inneren Stadt lind nahmen, 78 an der Zahl, vor der Bundeslade Aufstellung. Herr Dr. Jellinek richtete nun an die jugendliche Schaar in seiner altbekannten meisterhaften Weise eine Ansprache, der er den 3. Vers des 24. Psalms zu Grunde legte. Er schilderte den Mädchen das echte israelitische Herz, die israelitische Denknngs- und Gesinnungsweise in wahrhaft hinreißender Weise und forderte sie auf, dieselben in Zukunft zu bethätigen. Sodann stieg er von der Kanzel herunter, um mitten unter den Konfirmandinnen 6 Fragen über den Hauptinhalt der jüdischen Glaubenslehre aufzuwerfen, die von den Mädchen im Chore beantwortet wurden. Nun faßte Herr Dr. Jellinek die gegebenen Antworten in einer Ansprache zusammen und forderte die Mädchen auf, ein Gelöbnis abzulegen, daß sie diesen Lehren und diesem Geiste des Judentums treu bleiben wollen, welches diese im Chore in deutscher Sprache ablegten. Mit einem Segen beschloß nun Herr Dr. Jellinek diese Feier, zu deren Beginn und Schluß auch vom Tempel- Chote die passenden Lieder vorgetragen wurden. Donnerstag darauf, am 22. Mai, versammelten sich ungefähr ebenso viele Mädchen zu demselben Zwecke im Leopoldstädter Tempel, woselbst Herr Dr. Güdemann die Konfirmation vornahm, derselbe suchte in witziger Weise diese Konfirmation als Wiederbelebung der alten jüdischen Hakhel-Versammlung in jedem 7. Jahre zu erklären. Nur seien die Rollen ein wenig vertauscht: während früher die Eltern ihre Kinder in die religiöse Versammlung mitbrachten, sei jetzt die einzige Hoffnung der jüd. Religion auf die Kinder gegründet. Wenn sonst immer die Jungen von den Alten lernten, dürfe jetzt einmal auch der umgekehrte Fall eintreten. Sodann las Herr Dr. Güdemann die 6 Fragen einzeln ab, zur Beantwortung jeder derselben ein Mädchen nanientlich aufrufend. Dieses trat vor, beantwortete laut die Frage und die übrigen Mädchen wiederholten die Antworten im Chore. Herr Dr. Güdemann faßte nun diese Antworten zusammen als große Bausteine im Gebäude der Religion, zu denen auch noch Mörtel notwendig sei, oder als große Scheine im Schatzkästlein des Herzens, zu deneir er noch etwas kleine Münze zum Einwechseln beilegen wolle. Und nun legte er den Mädchen an's Herz, durch Bescheidenheit und Häuslichkeit zu glänzen und nicht durch Aufwand und äußeren Schmuck, daß nicht mehr die jüdischen Mädchen und Frauen der Vorwurf treffe, sie seien schön und herrlich, sie werden aber verunstaltet durch ihren Reichtum und Schmuck. Sodann wurde das Gelöbnis von einem Mädchen vorgesprochen und von den übrigen im Chore wiederholt. Mit dem Segen, welchen Herr Dr. Güdemann nun den Mädchen erteilte, und einem deutschen Liede schloß diese Feier. Gewis läßt sich nicht leugnen, daß die Idee, die Mädchen durch eine eigene religiöse Feier in den Bannkreis des jüdischen Interesses zu ziehen, sehr richtig ist und Erhaltung und Weiterverbreitung verdiente. Allein bei der Art, wie dies jetzt geschehen, zeigten sich mehrere Fehlgriffe, die die Sache schädlicher machen oder mindestens weniger lebensfähig gestalten. Zunächst sollte die Konfirniation an einem jüdischen Feiertage abgehalten werden. Sodann schädigt die Massenhaftigkeit der Auftretenden die Feierlichkeit der Weihe, namentlich aber die Antworten im Chore machen einen nichts weniger als würdigen Eindruck. Geradezu profanisirt aber wurde dieses Weihefest durch den Putz und Toiletten-Luxus, der da getrieben wurde. So erscheinen Mädchen zum Tanze, nicht zur religiösen Weihe. Namentlich wo diese en masse vorgenommen wurde, Hütte man sich hüten müssen, daß der größere oder geringere Reichtum der Eltern da so kränkend für die anderen zur Schau getragen würde. Viel dürfte auch zur