Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1884)
- Date
- 1884-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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179 **t' 7^'v' \T'r" “ ■ ***?■*--r. --..7.^-^-,: r,,j „v <t J?:«h .*,*< w *s + *<$z umrahmt das tief gefurchte Gesicht. Wenn das halbbeschlossene Auge sich öffnet und aufblickt, ist einem, als ob Jahrhunderte voll tiefer Gedanken und stiller Rätsel ans ihn niederschanen. Schreiber dieses war bereits wiederholt diesem Greis begegnet, niemals ohne stehen zu bleiben und ihm nachzusehen, ohne jedoch erfahren zu können, wer also seine Aufmerksamkeit fesselte. Endlich erfuhr er's. „Das ist der Doktor Zunz!", sagte man ihm. Unbeschreiblich ist das Ehrfurchtsgefühl, das ihm dieses Wort einflößte, und unvergeßlich ist ihm dieser Augenblick. Es giebt keinen Namen, den die jüdische Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts zu verzeichnen hat, der mit mehr Ehrerbietung und Liebe von den Jüngern der jüdischen Wissenschaft, wie von den Förderern und Pflegern derselben, ausgesprochen wird, als der Name Zunz. Aber auch die Männer des praktischen Lebens, wie die der weiteren wissenschaftlichen Berufskreise, haben den Mann und den Namen Zunz zu ehren sich bemüht. Zunz's siebzigster Geburtstag veranlaßte die Mäcene der jüdischen Wissenschaft zur Gründung einer Stiftung, die seinen Namen trägt. Zn seinem achtzigsten Geburtstage veranstaltete das Kuratorium dieser Stiftung eine schöne Ausgabe seiner kleineren gesammelten Schriften in drei Bänden. Diese Schriften - und mit dieser Mahnung möchten wir schließen --- sollten in keiner jüdischen Familienbibliothek fehlen. Sie bilden nicht nur die reinste und lauterste Quelle vielfacher Belehrung über das Judentum, sondern werden auch als Erzeugnisse eines Genius in ihrer edlen Form überall in den Gemütern die Keime wahrer Religiosität und idealen Strebens wecken. Denn nur letztere und die bessere Erkenntnis vom Wesen und der Geschichte des Judentums bilden oen Panzer, der gegen die giftigen Pfeile der BerleNmdunH und des Hasses wahrhaften Schutz gewährt. „Der Gedanke ist mächtig genug, ließ Zunz unter sein Bild setzen, ohne'Anmaßung und Unrecht über die Anmaßung und das Unrecht zu siegen." Znm neunten Ab. Der Hfieltojude vor dem Wusvogen in Wom. Heil dir, mächtiger Titus, du hast überwunden Judäa! Preisend nennt dich die Welt, feiernd den seltenen Sieg. War es doch Israels Stamm, der sich wähnte vom Himmel bevorzugt, Aus Urzeiten erwählt, Kämpfer für Gott und sein Reich. Denk'st Eleasars, Johannes' und Simons, der trefflichen Helden, Scheint der errungene Sieg wert eines ewigen Ruhms, Dein war der Sieg und Triumph und du wurdest zum Himmel erhoben — Ständest heute du auf: Israel lebet noch heut! Ringsum schaust du die Trümmer des Forum rbmanum, Grüßt Kolosseum dir zu, heult Palatin nebenan. Einzelne Säulen erzählen von deinen Palästen und Tempeln, Roms Glanz ruhet in Staub, klagend besingt es die Kunst. Drüben nur Konstantins Bogens, der scheint dir tröstend zu winken, Weisend auf göttlichen Plan, lenkend die flüchtige Zeit: l) Konstantin d. Gr., der das Christentum annahm, erklärte es zugleich als Staatsreligion.