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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-08-01 · Heft 8 (1.8.1884) · p. Seite 178

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 8 (1.8.1884)
Date
1884-08-01
Page
Seite 178 (sequence 8)
Language
German
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178 ihm mit derselben bis in sein Greisenalter gefolgt. Zunz hatte beim Erscheinen des letztgenannten Buches (1865) sein siebzigstes Lebensjahr bereits um eins überschritten. Aber wie viel fehlt, daß wir die literarischen Schöpfungen, die dieses Leben ausfüllten, alle nahmhaft gemacht hätten! Da fehlt beispielsweise das 1845 im ersten Bande erschienene, zwar nicht fortgesetzte, aber doch nahezu 600 Seiten umfassende Werk „Zur Geschichte und Literatur", in welchem Zunz die mehr gelehrte Literaturgeschichte des Mittelalters, wie er sie in seiner oben erwähnten Monographie über Raschi einleitete, um einige grundlegende Kapitel (über Tosafisten, Exegeten, Grammatiker, Sittenlehrer» bereicherte; ferner die vielen bibliographischen und biographischen Arbeiten und Editionen von Werken Anderer. Erwähnen möchten wir nur noch die 1837 erschienene Schrift „Die Namen der Juden. Eine geschichtliche Untersuchung" — ein Buch, zu dessen Abfassung Zunz durch ein Dekret, das den Juden „christliche Namen" zu führen verbieten sollte, veranlaßt wurde, und Zunz's erstaunliche Belesenheit und weit verzweigte Forschungen von einer neuen Glan^seite zeigt. Zunz führt hier durch seitenlange Namensverzeichnisse aus den verschiedensten Dokumenten (handschriftlichen wie gedruckten) den Nachweis, daß die Juden schon seit den ersten Zeiten ihrer Berührung mit andern Völkern ohne jegliches nationale und religiöse Bedenken persische, syrische, griechische, römische, arabische, wie später alle in Europa üblichen Vor- und Familiennamen geführt haben. Dieser statistischen Darlegung fehlt es auch nicht an interessanten Bemerkungen über Wesen und Motive der Namengebung überhaupt. „Den Lebenshauch, heißt es sinnig und treffend im Eingang zu jener Schrift, empfängt der Name von der Sprache, aber die Bedeutsamkeit von der Geschichte, von der Sitte den Reiz. Darum bergen jene Namen eine geheime Geschichte, es sind Annalen in Chiffer-Schrift, zu welcher geistige Forschung den Schlüssel giebt." Wie Zunz bei allen' seinen gelehrten Forschungen sich vom Leben und seinen praktischen Aufgaben keineswegs zurückzog, und sein warmfühlendes Herz jederzeit nicht nur für alle jüdischen Angelegenheiten, sondern auch für alle großen menschheitlichen Interessen, für die Entwicklung des geistigen und politischen Lebens in Deutschland voll Teilnahme schlug, so hat er es auch in dieser Richtung nicht an literarischer und persönlicher Wirksamkeit fehlen lassen. Er erhob 1840 seine Stimme gegen die Gräul in Daniaskus, gehörte 1845 zu der vom Kultusministerium berufenen Kommission, welche über Gemeinde- und Schulverhältnisse der Israeliten in Preußen Gutachten ausarbeitete, nachdem er schon 1843 auf Anfragen der preußischen Regierung „Kurze Antworten auf Kultusfragen" geschrieben hatte, die 1844 auch im Buchhandel erschienen sind. In den vierziger und den fünfziger Jahren hielt er in Berlin eine Reihe von politischen Reden, die ebenfalls sämmtlich, teils nach stenographischem Bericht im Druck erschienen und sich nicht nur durch eine entschieden freiheitliche Gesinnung, sondern auch durch eine scharfe logische Gedankendarlegung und große Formschönheit auszeichnen. Ein feiner Takt und jene Sicherheit des Gedankenganges, die aus reichen Kenntnissen stammt, ließ ihn überall das Richtige treffen und für Alles die entsprechende Form finden. Das sind die Grundzüge eines Lebens, dem noch ein so später Abend gegönnt ist. In dem Straßenbezirk Berlins, der von der nördlichen Peripherie nach dem Zentrum der Stadt führt, begegnet man zuweilen einem Greis von kleinerem Wuchs, zartem Körperbau, etwas gebückter Haltung, aber doch rüstigen und sichern Ganges. Langes Silberhaar, fast über die Schulter herabhängend,

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