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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-08-01 · Heft 8 (1.8.1884) · p. Seite 176

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 8 (1.8.1884)
Date
1884-08-01
Page
Seite 176 (sequence 6)
Language
German
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176 Der Titel dieses Buches läßt kaum die Fülle der darin so herrlich angeordneten und ausgebreiteten Gelehrsamkeit ahnen, noch ein nicht fachwissenschaftliches Publikum die Tragweite und Bedeutsamkeit seines Inhalts verinuten. Vielleicht belingt es uns, von beiden hier eine entsprechende Vorstellung zu vermitteln, indem wir auf die Frage nach der Veranlassung dieses Buches eingehen. Der streng wissenschaftliche Charakter desselben wird durch diese Frage in keiner Weise berührt. In Bezug auf den letzteren ist es kein Geringerer, als Prof. Steinthal in Berlin, der gelegentlich gegen Bruno Bauer iiber dieses Buch von Zunz bemerkt, daß es „aus' der Zeit der blühenden Philologie Deutschlands stammend in einer Reihe mit Böckhs, Grimms, Diez' Werken tritt."*) Und doch dürfte Geiger Recht haben, wenn er über die Veranlassung dieses Buches kurzweg sagt: „Das Werk wurde durch das preußische Predigtverbot angeregt."**) Das nächste Ergebnis dieses Buches war in der That der Nachweis, wie alt jene Institution der öffentlichen gottesdienstlichen Vorträge innerhalb des Judentums ist, welche seiner Zeit von jüdischen Orthodoxen als Nachahmung christlicher Sitte gebrandmarkt, von der Behörde als Sektiererei und Neuerung auf's strengste verboten wurde. So unglaublich es erscheinen dürfte, so ist es doch Thatsache, daß man christlicherscits anstatt die Quellen der christlichen Predigt aufzusuchen, dieselbe einfach für eine christliche Einrichtung ansah, deren Ursprung man, von der apostolischen Wirksamkeit absehend, aus den Tagen der Kirchenväter datierte. Wie aber nach dem Aufhören des Prophetentums in Israel jene Männer, die man als die Weisen, Schriftgelehrten, Rabbinen bezeichnet hat, für Religiosität, edlere Sitte, Frömmigkeit und Glaubenstreue durch das belehrende Wort öffentlicher Vorträge in den Synagogen und Lehrhäusern wirkten, wie diese Vorträge das heimatlos gewordene Volk durch die Länder der Erde begleiteten, die Nacht der Leiden und der Verfolgungen ihm erhellten, die Quelle des Trostes und der Erhebung wurden, hat Zunz in diesem Buche durch seine musterhafte Forschung dargethan. Zugleich aber gestaltete sich diese Untersuchung zu einer literarhistorischen Erforschung und Charakteristik jener Reihe Schriften, in denen Fragmente und Referate solcher Vorträge niedergelegt sind. Zunz durchforschte das weitschichtige Gebiet der Hagada, ihre ersten Anfänge und spätesten Ausläufer (Ältere und jüngere Midraschim, Targumim, Pesikta, Jelamdenu, Boraitha derabbi Elieser rc. rc.) Die Darlegung ihres Entwicklungsganges machte dieses Buch zu einer Litteratur- und Religionsgeschichte der ersten Epochen des Judentums, zu einer Fundgrube gründlichster Belehrung über alle in diesen Zusammenhang gehörigen Fragen der jüdischen Wissenschaft. Und daß dieses in jener an Zunz bewunderten und gerühmten, klassischen Weise geschehen, mußte den Wert des Buches noch erhöhen und es zu einem monumentum nvrs perennius machen Aber die tausendjährige Entwicklung, die Znnz hier erforscht und dargestellt hatte, war in der synagogalen Poesie, ini sog. Piut, in neuen Fluß geraten. Andeutungsweise hatte Zunz schon in dem genannten Werke die verschiedenen Momente dieser neuen Entwicklung gekennzeichnet. Aber es galt nicht blos den ideelen Zusammenhang zwischen Midrasch und Piut, zwischen dem Lehrinhalt jenes und den dichterischen Motiven dieses aufzuweisen, sondern auch *) Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, herausg. von Prof. I>r. M. Lazarus und Prof. l)r. H. Steinthal. Bd. X. Seite 4L8. **) Jüdische Geschichte von >830 bis zur Gegenwart. Breslau 1819—50. Nachgel. Schriften Bd. II. Seite 261.

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