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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-08-01 · Heft 8 (1.8.1884) · p. Seite 173

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 8 (1.8.1884)
Date
1884-08-01
Page
Seite 173 (sequence 3)
Language
German
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(herausgegeben von Dr. Chronik) entnehmen wir die wesentlichsten biographischen Daten mit großem Dank, aber auch mit Bedauern, daß ihrer nur so wenige sind. Es ist zwar eine recht jüdische Anschauungsweise, Geisteshelden gegenüber nicht denjenigen Verhältnissen Aufmerksamkeit znzuwenden, nach deren Gestaltung man bei jedem Menschenleben fragen darf, als ob man sich gleichsam scheute, durch derartige Nachfragen den Genius auf das allgemeine Niveau herabzuziehen, über das er sich ja so hoch erhoben hat. Aber diese Thatsache ist von den literarischen Forschern oft genug bedauert, und das Fehlen biographischer Denkmäler als eine nicht ausfüllbare Lücke der jüdischen Literaturgeschichte erkannt und empfunden worden. Und so dürfte eine Lebensgeschichte Zunz's gewiß auch zugleich ein gut Stück Entwicklungsgeschichte des Judentums im 19. Jahrhundert enthalten, sowie ein Bild der geistigen Bestrebungen und Errungenschaften desselben gewähren, abgesehen von den berechtigten Ansprüchen, welche die Teilnahme und Verehrung für diesen Mann auf eine solche Kenntnis seines Lebens hätten. Wenn es uns also nach dem Vorausgeschickten nur unvollkommen gelingen kann, den Altmeister Zunz im Folgenden vorzuführen, wie er in einer geistig zwar tiefbewegten, aber doch auch vielfach zerrütteten Zeit, dem Kompaß seines hohen Geistes, seiner tief sittlichen, idealen Natur folgend, den Weg bahnte, welcher aus Irrungen und Verwirrungen zur wissenschaftlichen Erkenntnis und tiefern Erfassung des Judentums herausführte, wie er den Boden bereitete, in dem eine lebendige Überzeugung von der Hoheit und Würde desselben von Neuem Wurzel fassen, und aus dem die Liebe zum geistigen Erbe der Väter neue belebende Säfte gewinnen konnte; wenn es uns vielleicht noch weniger gelingen wird, die schöpferische, gestaltende Kraft des Schriftstellers zu kennzeichnen, wie sie in der Plastik des Ausdrucks, in der Bewältigung und Auffindung kaum übersehbaren geschichtlichen und literarischen Materials sich offenbart, das reiche Gemütsleben zu schildern, das den gepreßten Blumen gelehrter Sammluilg Seele und Duft einzuhauchen vermochte, das warmfühlende Herz, dessen Pulse wir oft schlagen hören bei den unsäglichen Leiden und Mishandlungen von denen der Forscher zu berichten hatte, dessen heiliger Schmerz zwar niemals in jenen „aufgelösten Pathos", wol aber in einer epigrammatischen Schneidigkeit und Schärfe des Wortes seinen Ausdruck findet, Tyrannei und Unverstand geißelt, zugleich aber das subjektive Mitgefühl des Lesers zu einer höheren, richterlichen Instanz erhebt; — wenn alle diese hohen Geistes- und Charakterzüge des Forschers und Menschen offenbar einen Gegenstand bilden, dem wir nicht Genüge leisten werden: so glauben wir uns der Nachsicht der geneigten Leser versichert halten zu dürfen, indem wir an den Ausspruch Carlyles erinnern: „Wir können keinen großen Menschen, sei es auch noch so unvollkommener Weise, betrachten, ohne Gewinn von ihm zu ziehen. Er ist der lebendige Lichtborn, dem nahe zu sein gut und erquickend ist,.in dessen Abglanz alle Seelen fühlen, daß ihnen wohl ist." Leopold (Jom — Tob, Liepmann) Zunz ist am 10. August 1794 in Detmold geboren. Er verlor seinen Vater, mit den« er nach Hamburg übergesiedelt war, schon als Knabe und fand 1803 Aufnahme in das Beth-Hamidrasch zu Wolfenbüttel, welches 1808 unter Direktor Ehrenberg in ein modernes Schul- Jnstitut umgewandelt wurde. Hier wurde Zunz mit dem ebenfalls zur Berühmtheit gelangten, sehr verdienten I. M. Jost zusammen erzogen, und hier, in der sog. „Samsonschule", legte Zunz den Grund zu seiner umfassenden talmudischen 16*

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