Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1884)
- Date
- 1884-08-01
- Page
- Seite 172 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 172 Sinnesart und edelsten geistigen Heldentums, die in diesem Lebensbilde unsere Aufmerksamkeit fesseln, in ihrer Betrachtung uns erheben und wohlthätig berühren. Aber nur unvollkommen werden wir sie hier vorführen und zeichnen können. Aeußere und innere Umstände zugleich machen die Aufgabe, Zunz's reiches und literarisches Schaffen zu überblicken, zu einer in mehrfacher Beziehung besonders schwierigen. Zunz's erstes literarisches Hervortreten reicht in das zweite Dezennium unseres Jahrhunderts zurück. Es war eine kleine Schrift: „Etwas über die rabbinische Literatur" (1818), in der schon der spätere Meister der kritischen Behandlung und Darstellung literarischer Dinge, seine erstaunliche Belesenheit und Sachkenntnis auf dem Gebiete des jüdischen Schrifttums uns entgegentritt. Es ist diese Schrift als eine Art Progamm der später» literarischen Thätigkeit Zunz's angesehen worden. Und in der That, fast jede Disziplin der in unserm Jahrhundert begründeten jüdischen Wissenschaft ist hier nach ihrer Quelle und Tragweite gekennzeichnet, wie fast kein irgendwie bedeutendes Werk der jiidischen Literatur aus diesem Gesichtspunkte unbesprochen geblieben oder dem Autor entgangen war. Und diese so erfolgreich von dem 24 jährigen begonnene literarische Thätigkeit hat der 70 jährige noch unermüdet und ungeschwächt fortgesetzt. Zunz war gewiß nichts weniger, als was man einen Vielschreiber zu nennen pflegt. Auch seine Gelegenheitsschriften sind Juwele aus dem reichen Schatze seiner wissenschaftlichen Forschungen und tragen das Gepräge des systematischen Denkers und weit ausschauenden Geistes. Und doch zählt ein 1857 zum 63. Geburtstage Zunz's erschienenes Schriftchen, *) in welchem Herr v>. Stein sch n ei der über die literarischen Schöpfungen des Meisters eine Uebersicht geben will, unter Rubrik „I Selbständige Schriften" bereits 21 Numern auf, unter Rubr. „Il Beiträge zu Schriften Anderer" 7 Nummern, unter Rubr. „III Hebräisches" 5 Nummern, und Rubr. IV „Verschiedenes in Periodischen und Sammelschriften" verzeichnet eine stattliche Zahl von größern und kleinern Aufsätzen, die Zunz zum Autor haben. Um wie viel diese Zahlen inzwischen gewachsen sind, lehrt ein Blick in das bibliographische Handbuch von Lippe, wo beispielsweise Rubr. I fast um das doppelte größer geworden ist und das auch seitdem erschienene Werke aufzuzählen hat, die zu den Denkmälern Zunzischer Forschung gehören. Ist demzufolge der Faden, der durch eine solche Fülle geistiger Schöpfungen hindurchleitet, nicht leicht festzuhalten und für ein nicht fachwisfenschaftliches Publikum sichtbar zu machen, so dürfte es bei der klassischen Objektivität, mit der Zunz seine Werke als Zeugnisse der erforschten Wahrheit, von allem Persönlichen abgelöst, frei und abgerundet hingestellt hat, bei der seltenen Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Geistes, die schon in seinen ersten Schriften zu Tage tritt, noch schwieriger sein, die innern Keime aufzudecken, aus denen solche herrliche Geistesblüte hervorgehen konnte. Zunz selbst verschmähte es mehr als andere berühmte Gelehrte in dieser Richtnng über sich Aufschlüsse zu geben. Die wenigen Mitteilungen überfeinen Lebensgang verdanken wir Herrn Dr. Kir schstein in Berlin, der seit Jahrzehnten das Glück hat, diesem seltenenen Manne in fast täglichem Verkehr nahe zu stehen. Seinem Aufsatze über Zunz im Novemberheft 1880 der „Zeichen der Zeit" *) Die Schriften des Dr. L. Zunz, des Begründers der jiidischen Wissenschaft, zu seinem 63. Geburtstage (10. August 1857.) zusammengestellt. Mit Anmerkungen von M. St. Berlin 1857.