Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1884)
- Date
- 1884-07-01
- Page
- Seite 166 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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I I 166 geheil, sei hier die Jahreszahl „1836" für Seite 114 dieses Jahrgangs der Monatsblatter Zeile 15 nach „15. Juni", die durch ein Versehen wegblieb, nachgetragen. — Von Herrn Dr. Adolf Kosenzweig, Rabbiner in Teplih, ist uns folgendes Referat zugegangen. Die Entwiikelung des israelitischen Vrophetentums von Dr. Sigmund Daybaum. Berlin, Ierd. DUmmler's Verlagsbuchhandlung 1883. 8° VIII., 162 S. Stade macht uns in der Einleitung zu seiner im Erscheinen begriffenen Geschichte des israelitischen Volkes den stillen Vorwurf, daß wir uns zu wenig mit den sog. a. t. Studien befassen und wir müssen es bekennen, nicht ganz mit Unrecht; denn thatsächlich ist in unserer Mitte betreffs dieser der Zustand eingetreten, von dem Alcharisi einst, da in der Literatur der Gebrauch der arabischen Sprache der hebräischen vorgezogen wurde, in geistreicher Wendung klagend ausrief: Düsterer Eifer meine Seele umnachtet Ob des Wissens, das uns entschwunden, Seh' ich Hagar holder Kinder entbunden, Während Sara kinderlos schmachtet. Die mittelalterliche Literatur ist es zumeist, die die jüdische Gelehrtenwelt beschäftigt, während der Quell, aus dem wir entsprungen sind, der christlichen Forschung und Anschauung überlassen wird. In neuester Zeit scheint indessen diesbezüglich eine Wendung zum Besseren eingetreten zu sein; neben den talmudischen und den Studien über das Mittelalter führt einerseits die Apologetik und andererseits das Streben nach klarem Erfassen des Schriftwortes und der Kenntnis des israelitischen Altertums zu dem Borne, aus dem die Wasser des Lebens für alle Geschlechter und Anschauungen geflossen sind. In der Reihe der biblischen Biicher aber besitzen die prophetischen Schriften die meiste Anziehungskraft, nicht blos weil hier der Forscher eine breitere, sicherere Grundlage findet, auf der er fortbauen kann und nicht auf jene hypothesischen Annahmen stößt, die die Pentateuchkritik so sehr verwirren, sondern auch weil sie von einem höheren Schwünge getragen sind, namentlich aber weil sie eine Ansnahmstellung in der Weltliteratur einnehmen, einen Einblick uns gewähren in das graue Altertum und in die Zukunft des Menschengeschlechtes. Schöngeister werden stets gerne nach dem Homer greifen und sich an seinen wundersamen Gestalten erheben; die rastlos vorwärtsstrebende Kulturarbeit des Menschengeistes aber kann heute füglich seiner entbehren, weswegen ihn auch die realistischen Studien aus ihrem Unterrichtsplane gestrichen haben: Nicht so die heilige Schrift! — seufzende Völker und vom Drucke gebeugte Seelen, menschenfreundliche Gesetzgeber und denkende Menschen werden allezeit sehnsuchtsvoll nach der Erfüllung der Ideale ausschauen, die Israels Propheten mit Flammengriffel in's Herz der Menschheit geschrieben haben. Daher wird auch jeder Beitrag zur Aufhellung lind Beurteilung dieser glorreichen Zeit, zum besseren Erkennen der treibendeir Kräfte des altisraelitischen Geisteslebens eine lohnende und dankbare Arbeit bleiben. Auch dem obgenannten Buche wird dieses Verdienst nicht abgesprochen werden können; denn es bietet eine Fülle anregender Gedanken, die als Hypothese — und als solche giebt sie der Verfasser S. 5 aus — hie und da sogar viel Wahrscheinlichkeit in sich tragen. Das Buch ist die Frucht ernsten Fleißes und eingehender Studien in der einschlägigen Literatur; es führt uns das Prophetentum von seinem Entstehen bis zu seinem Untergange nach folgendem Entwürfe vor: Die Einleitung (1—6) behandelt die Frage über das Verhältnis des israelitischen Prophentuins zur heidnischen Mantik; Abschnit 1 (S. 7—29) die vorsamuelische Zeit, A. 2 (S. 30—59) den Einfluß Samuels auf die Prophetenschüler, A. 3 (S. 60—84). die Heldenzeit des