Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1884)
- Date
- 1884-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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den Dienst der Gemeinde wird stellen können. — Am 27. April hielt die Israelitische Allian; in Wien ihre 11. ordentliche Generalversammlung ab. Der Präsident Kitter v. Wertheimer erstattete den Bericht und betonte in seinem Rückblicke auf das russische Hilfswerk, wie die jungem Emigranten sich ganz vorzüglich zum Ackerbau eignen. — Nicht so Erfreuliches wird uns aus deutschen Gemeinden berichtet. In Taste! petitionieren die sogenannten Orthodoxen bei der Regierung wegen Anstellung eines gesetzestreuen Landrabbiners und beklagen in ihrem Bittgesuche an die Regierung, daß die Speisegesetze in Cassel nicht gehalten werden, schänden das Judentum, indem sie die Reformjuden als eine besondere Sekte bezeichnen und erfrechen sich, den langjährigen greisen Seelsorger Herrn Landrabbiner Dr. Adler in diesem Schriftstücke zu schmähen. Sie wollen daß die Mitwirkung der Orgel beim Gottesdienste in der Synagoge zu Cassel vorläufig unterbleibe und daß die Landrabbinatsstelle mit diesem Bemerken neu ausgeschrieben werde. Wir wissen nicht, ob in dem betreffenden Gesuche auch hervorgehoben ist, daß die Orgel den orthodoxen Juden auch darum verpönt ist, weil sie im Gottesdienste der Nichtjuden in Anwendung ist. Im Uebrigen wird von anderer Seite die Hyperorthodoxie in Hessen als das Hecknest des Wuchers bezeichnet. — In Kaiserslautern hat das dortige Kasino die Aufnahme des Distriktsrabbiners Dr. Landsberg mit 59 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Das wird noch lange nachklingen, bemerkt hierzu eine Pfälzer Zeitung. — In Minden, woselbst bei Theine ein „Illustrierter deutscher Armeekalender" erschienen ist, der nach den Auszügen in der „Frankfurter Zeitung" stark in Antisemitismus macht, ist jüngst auf ein Gesuch von Petenten von der Regierung die Anweisung erteilt worden, daß Schüler jüdischen Glaubens auf Antrag der Eltern oder Pfleger zum Zwecke der Teilnahme am Synagogen-Gottesdienste vom Schulbesuche am Sonnabend und jüdischen Festtagen zu dispensieren seien. — Am 15. April wurde von der jüdischen Gemeinde in Güstrow dem verstorbenen Großherzog von Mecklenburg-Schwerin Iran; II. aus Verehrung für denselben ein Denkstein in schwarzem Marmor mit entsprechender Inschrift errichtet. Herr Landrabbiner Dr. Keilchenfeld hielt bei diesem Anlasse die Festrede. In Mingolsheim wurden auf dem jüdischen Friedhofe 8 Grabsteine demoliert. — Aus Aargardl wird berichtet, daß der wegen des Verdachts der Thäter- und Mitwissenschaft an dem Morde des Knaben Eybula in Murr; verhaftet gewesene Handelsmann Josefsoh» in Freiheit gesetzt wurde und daß sich die Untersuchung jetzt gegen einen christlichen Fleischermeister Kehrend richtet, der zu den Belastungszeugen gegen Josefsohn gehörte. — Aus Frankfurt n. M. wird nach auswärts berichtet: Das allbekannte Stammhaus der Familie Rothschild wird in einigen Wochen demoliert, was den hiesigen Maler Gödel veranlaßte, auf einen ihm gewordenen Auftrag hin, das Haus in einem meisterhaft durchgeführten Oelbilde zu verewigen und es so der Vergessenheit zu entreißen. — Am 10. August d. Js. wird Dr. Leopold Jluitj, der Nestor der jüdischen Wissenschaft, sein 90. Lebensjahr vollenden. Dieser Tag soll durch eine Jubelschrift gefeiert werden, an deren Herstellung die berufenen Vertreter der Wissenschaft des Judentums in ihren mannigfachen Zweigen und ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität Mitwirken sollen, um in dem gemeinschaftlichen Werke ein Zeichen der allgemeinen Verehrung und Dankbarkeit gegen den Begründer der Wissenschaft des Judentums zu schaffen. — Nach dem neunzehnten Rechenschaftsberichte der „Achawa" (gegründet 1864) für das Jahr 1883 betrugen die Jahresunterstützungen M. 7868 (gegen M. 7420 im Jahre 1882). Außerdem wurden aus dem Reservefond in 15 Fällen M. 896 verabreicht. Das