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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 161

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 161 (sequence 15)
Language
German
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löi bezeichnete, der in dem Herzen jedes Frenndes der Wahrheit der Geistesfreiheit, der Gerechtigkeit und der guten Sitte das Gefühl jener Verachtung Hervorrufen müsse, welche der Gemeinheit überhaupt gebührt. Superintendent De. Haase hat schon in der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 21. Januar 1881 die Worte gesprochen: Ich muß diese Bewegung als eine Schmach für das Christentum bezeichnen, als auch als protestantischer Seelsorger als Schmach für den Protestantismus, von dessen Metropole diese Bewegung ausgegangen. — Auch Fürst Carlos Auersperg hat in einem Dankschreiben vom 3. Mai an die isr. Kultusgemeinde in Wasäsim in Böhmen für die ihm von derselben anläßlich seines 70. Geburtstages überreichte Glückwunsch-Adresse sich in ähnlicher Weise über die antisemitische Bewegung ausgesprochen, er schreibt: Diese den unlautersten Trieben entsprungenen Ausfälle von Feindschaft bezeichnen traurige Rückschritte der Kultur und sie kennzeichnen Jene, welche an diesen Raubzügen mittelbar oder unmittelbar Schuld tragen, als Diener des Neides und als offene Feinde des Besitzes und des Eigentums. Er nannte ferner das Treiben anarchisch und verdammt es, daß die Verfolgungen unter dem Schilde der Religion eingeleitet werden, die veredeln und nicht verwildern soll. — Auch in Rußland hat ein Priester, wie im „Hameliz“ berichtet wird, für die Juden gepredigt. — Dagegen haben wir von Madrid zu berichten, daß daselbst Pater Mo» misgewieseu wurde, weil er gegen die dortigen Juden gepredigt. — Am 4. April wurde in Wien in Anwesenheit eines zahlreichen gewählteil Publikums die öffentliche Prüfung der dortigen israelitischen Blindenanstalt abgehalten. 30 Knaben und 7 Mädchen besuchten im verflossenen Schuljahre dieses unter ausgezeichueter Leitung stehende Institut. — Am 29. April fand in Wie» eine öffentliche Antisemiten-Versammlung statt unter dem Vorsitze Nollomay's. Die österreichischen Antisemiten sollen als Erkenilungszeichen eine helle Kravatte mit einem silbernen Kreuze als Nadel tragen, in welches die Worte „Jn hoc signo vinces“ eingraviert sind. Tags zuvor eröffnete der Präsident Zmolka die Sitzungen des Abgeordnetenhauses daselbst mit einem ehrenden Nachrufe für Zgna; Kuranda. — Herr Moritz von Aorkenau wurde am 4. April zum Präses der israelitischen Kultusgemeinde in Wien erwählt. Er sagte unter Anderem in seinen Worten des Dankes für die ihn ehrende Wahl: Es kann nicht geleugnet werden, daß die Wiener Kultusgemeinde, welche in früherer Zeit stets die Initiative ergriff, wo es galt, Verbesserungen und zeitgemäße Reformen einzuführen, darin einen Stillstand eintreten ließ und von kleinen Genieinden überflügelt wurde — wissen Sie doch m. H., daß auf jedem Gebiete, dem geistigen wie materiellen, Stillstand mit Rückschritt gleichbedeutend ist. Zum Schluffe empfahl er der bereits bestehenden Kommission zur Reform des Gottesdienstes die Inangriffnahme ihrer Arbeit. Auch der Vicepräsident Herr Kaiser!. Rat Arminia Cohn äußerte sich iu ähnlichem Sinne und betonte „Es sei ein Irrtum, jede Reforin, wenn sie noch so vernünftig, noch so in den Zeitbedürfnissen begründet, noch so besonnen sei, für einen Verstoß, für eine Versündigung gegen die Tradition zu halten. Im Gegenteile! der Fortschritt sei eine Tradition der Wiener Kultusgemeinde, er sei an ihrer Wiege gestanden." Wir sehen, von dieser Sitzung läßt sich die sonst im Ganzen richtige Behauptung des „Kolonist" nicht anwenden, „es wird sich in keinem Protokolle der Gemeinden auch nur ein einziger Satz finden, der von den allgemeinen Interessen des Judentums spricht." — Erfreulich ist uns die aus Wien gewordene Mitteilung von der fortschreitenden Genesung des schwer erkrankt gewesenen Regierungsrates I),-. Kompert, der a»>15. Mai in sein 63. Lebensjahr eintrat und nun bald wieder seine bewährte Kraft in

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