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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 160 (sequence 14)
Language
German
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— 160 — Frankfurt a. M. Herr De. zur. Leopold Odrell in seinem 79. Jahre. Der Verstorbene, der für seine eigene Person kaum ein größeres Lebensbedürfnis kannte, war nach allen Seiten hin mildthätig und niemals klopfte die Not vergeblich an seine Thüre. Für seine literarische Thätigkeit ivar er von der Regierung in Spanien mehrfach ausgezeichnet worden, mit dessen hervorragendsten Staatsmännern er in regem Briefwechsel stand. Ueber sein am 26. Mai stattgehabtes Leichenbegängnis schreibt die „Fr. Ztg.": „Heute früh wurde Herr De. jur. Leopold Odrell auf dem israelitischen Friedhofe zur Erde bestattet. Herr Rabbiner Dr. Brüll gedachte in kurzer aber inniger Rede des Verstorbenen und seines in aller Stille wohlthätigen Wirkens während seines langen Lebens, wie er allerwärts die Not linderte, ohne einen Unterschied irgend eines Glaubensbekenntnisses zu machen, und wie er fast scheu jedem Dank hierfür auswich. Der Wohthätigkeitssinn, den er im Leben bekundete, sollte auch mit seinem Tode nicht enden, wie aus seinen testamentarischen Bestimmungen hervorgeht", und hat der Verstorbene den größten Teil seines Vermögens zu Vermächtnissen bestimmt. Odrell gehörte auch dem Mendelssohn-perem seit dessen Bestehen an. — Der aus dem Tisza-Eszlarer Prozesse bekannte Ialomon Schwär? hat bei seiner Reise durch Deutschland auch einige Tage seinen Aufenthalt in Frankfurt a. |H. genommen. — Am 17. April trat Herr Silderstein aus Wilna unter dem Namen Michailow mit großem Erfolge als Sänger in der Oper zu St. Petersburg auf. Auch in Kiew und Tiflis hatte er große Erfolge bei seinem Auftreten. — Das Mitglied der Kultusgemeinde-Repräsentanz in Prag, Herr Kaiserlicher Rat Friedrich Kubinsky, wurde in den erblichen Ritterstand erhoben. — Wie man uns berichtet, war bei der Beerdigung Cmanuel Oeibel's in Lübeck die dortige israelitische Gemeinde durch eine Deputation vertreten und auch die Hamburger isr. Gemeinde legte zum Zeichen der Verehrung einen Kranz auf des Dichters Grab. — Am 1. April überreichte Herr Salomo» Low aus Großmardein im Beisein einer Deputation dem Ministerpräsidenten Tis?a ein Diplom, wonach er zum Ehrenmitgliede der Großwardeiner „Chewrah-Kadischa“ ernannt wurde. Der Minister dankte für die ihm gewordene Auszeichnung. — Am 4. Mai wurde in Hamburg das neue Gebäude des isr. Mädchen-Waisenhauses eingeweiht. — In Marirnbad wird demnächst die im Bau begriffene Synagoge ihrer Bestimmung übergeben werden. — In S'iliflria (Bulgarien) sprach bei der Einweihung einer neuen Synagoge neben dem Rabbiner Levy auch der Pope (bulgarischer Geistlicher) pulfi. In der Synagoge ertönte der Ruf „Lange lebe die jüdische Bevölkerung" und reiche Geschenke für das israelitische Gotteshaus spendeten die Christen. — In Athen, wo nur eine kleine jüd. Gemeinde sich befindet, wurde eine Synagoge in prachtvollem Stile gebaut und im Beisein der höchsten Spitzen der Regierung feierlich eingeweiht.— Auch die Gemeinde „Bnai Israel" in Memphis hat einen neuen Tempel, bei dessen Einweihung die Rabbinen Samfield, Dr. Mise und Dr. Sonnenschein funktionierten. — Der Orden Bnai Krith geht daran, in New-pork ein großartiges Logengebäude zu errichten. Dasselbe soll Räumlichkeiten für mehrere Logen dieses oder verwandter Orden, die Räume für die Bureanx der Oberbehörde des Ordens, Fest- und Gesellschaftsrnume enthalten. Ferner sollen in demselben die Ordensbibliotheken und die Schulen untergebracht werden. — In Tesche« in Schlesien hat der mährisch-schlesische Superintendent Dr. Theodor Haase in der größten 8000 Seelen fassenden protestantischen Kirche Oesterreichs, die in all' ihren Räumen überfiillt war, am Karfreitage sich, anknüpfend an den Tod des verstorbenen Juden Ignaz Kuranda, gegen den Antisemitismus ausgesprochen, den er als eine Mischung von Haß und Lüge, Bosheit und Engherzigkeit, Intoleranz und Gemütsverrohung

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