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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 157

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 157 (sequence 11)
Language
German
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157 Adolf Kremiem. ii. Cremienx's Kindheit. Die Anarchie hatte in Frankreich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts fürchterliche Zustände geschaffen. Der Bürgerkrieg wütete in den großen und kleinen Städten, im Norden und Süden des Reiches und die Verwirrung war allgemein. Zu jener Zeit lebte in Nimes im südlichen Frankreich ein Jude namens David Cremieux, der wegen seiner Bildung als Philosoph allseits geehrt und geachtet wurde. Er genoß ein solches Ansehen bei seinen Mitbürgern, daß er, obgleich Jude, in der munizipialen Verwaltung eine hervorragende Stellung einnahm. Da die Kommune sich im ganzen Reiche organisierte, so war die Aufgabe in der munizipialen Verwaltung immer schwieriger geworden. Der Stadtpräfekt von Nimes >var bereits alt und David Cremieux mußte ihn unterstützen. Er leitete fast allein und selbstständig das Amt. Für die Gegner der Kommune war dies eine traurige Zeit. Sie wurden schonungslos hingerichtet. Da zeigt sich groß und edel Creniieux. Er verhalf Vielen zur Flucht, indem er ihnen Geleitscheine ausfertigte. Eines Tages saß David Cremieux an seinem Schreibtisch, da traten zwei Mönche verkleidet an ihn heran und baten um Geleitscheine zur Auswanderung. „Monsieur, — sprach der Eine — wir wollen über die Grenze." „Warum nennst Du mich Monsieur und nicht Citoyen", fragte Cremieux. Beide wurden bleich und zitterten. Aber Cremieux beruhigte sie und sprach zu ihnen: „Ich kenne euch.. Ihr seid aus unserer Nachbargemeinde —." Er übergab ihnen die Pässe und entließ sie. Die Tage der Kommune waren gezählt und die Reaktion erhob wieder ihre Fahne. Jetzt kamen über das Haus Cremieux trübe Stunden. Er wurde eingekerkert und sollte hingerichtet werden. Das Todesurteil war bereits gefällt, da erschienen jene beiden Mönche, die durch Cremieux gerettet wurden, vor dem Richter und baten für den Gefangenen. Der Richter wollte Creniieux befreien, allein der Pöbelhaufe tobte auf den Straßen und der Richter sah sich genötigt, um diese unglückliche Familie vor der Volkswut zu retten, Cremieux's Gemahlin blos zum Scheine gewaltsam in den Kerker schleppen zu lassen. Hier lebte Cremieux und seine Familie, streng bewacht, bis die Ordnung hergestellt war. Finster war die Zelle, trübe und düster, da zum ersten Male Isaak Moise die geschlossenen Augen öffnete. Die unglückliche Mutter blickte wehmutsvoll auf ihr neugeboreires Kind und ein Thränenpaar glänzte an ihren bleichen Wangen. Des Lämpchens matte Strahlen fielen auf die feuchte Wand und spärlich erleuchtet war die Kerkerzelle. David Cremieux schloß das Kind in seine Arme und war getröstet. Zwei Söhne und eine Tochter hatte er zu Grabe getragen, seine Lage war trostlos und nur ein Hoffnungsstrahl verbreitete Licht um sein banges Herz: der 30. April 1796 gab ihm einen Sohn wieder.

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