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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 158

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 158 (sequence 12)
Language
German
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158 Wronik der Tagesereignisse im Judentums auf soziakem und literarischem Aeviete. Herr Dr Joel Müller aus Wie», der, wie bereits von uns mitgeteilt wurde, zum Dozenten für die talmudischen Lehrfächer an die „Lehranstalt (Hochschule) für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin berufen wurde, ist am 6. Mai in sein Amt eingeführt worden. In seiner bei dieser Gelegenheit gehaltenen Ansprache, die bei den Studierenden der Anstalt die vollste Sympathie für ihren neuen Lehrer hervorrief, führte der auf dem Gebiete der talmudischen Forschung bereits rühmlichst bekannte Gelehrte in sinniger Weise seinen zukünftigen Zuhörern sowol die Schwierigkeiten, als auch die reiche wissenschaftliche Ausbeute vor Augen, die das Studium gerade dieses Zweiges der jüdischen Wissenschaft bietet. Der Talniud gleiche einem Urwalde, in dem es nur nach Ueberwindung unzähliger Schwierigkeiten vvrzudringen gelingt. Ist erst in der rechten Weise Bahn gebrochen, dann eröffnet sich der Ausblick auf die mannigfachsten Gebiete der wissenschaftlichen Forschung: Gesetzeskunde und Volksbrauch, Sprachwissenschaft und logische Formen, Sittenlehre und Weltweisheit — für alle diese Fächer der wissenschaftlichen Forschung ist der Talmud eine ergiebige Quelle. Für diese Erforschung des Talmuds habe allerdings erst die Wissenschaft unserer Zeit die Gesichtspunkte eröffnet; die streng wissenschaftlich methodische Behandlung des Talmuds aber, führte der Redner aus, ist so alt wie die Erklärung desselben überhaupt. Von den Arbeiten der Geonim beginnend, unter denen besonders Scherira's historisch wichtiger. Brief und Saadia's Darke ha-Talmud zu nennen wären, entwarf der Redner in kurzen, aber schwungvollen Umrissen ein wohlgelungenes Bild von den Leistungen der vergangenen Jahrhunderte in der genannten Richtung; selbst das 17. und 18. Jahrhundert, wo die populistische (dialektische) Methode überwucherte, hat eine Reihe von Werken aufzuweisen von wissenschaftlicher Strenge und methodischer Forschung. Dieses Bild, das der Redner seinen Jüngern vorführte, war ebenso wegen der in ihm hervortretenden Meisterschaft anziehend wie wegen der in ihm sich bekundenden Pietät wohlthuend und erhebend. — Samstag den 17. Mai wurde in Wiesbaden Herr Dr. Silbelstem durch den Königl. Landrat Graf Matuschka im Auftrag der Königl. Regierung bei dem Morgengottesdienste in der Synagoge in sein Anit als Bezirksrabbiner eingeführt. — Am 16. Juni feierte Herr Landrabbiner Prof. Heidenhnm in Sondershausen seinen 70. Geburtstag und zugleich sein 50-jähriges Amtsjubilänm im Dienste der Gemeinde. — Aus Baden schreibt man uns: Herrn Bezirksrabbiner Dr. Sondheimrr in Heidelberg wurde voni Großherzoge das Ritterkreuz I. Klasse verliehen. — Im April d. I. sind es 40 Jahre gewesen, seitdem der durch seine hebräische Dichtungen bekannte Herr Simon Jacher als Schriftsteller ausgetreten. Seine erste Arbeit war eine Uebertragung aus Schiller's „Glocke". Eine Uebersetzung von Dr. L. A. Frankl's „Tragische Könige", nebst andern Gedichten und Makamen ist im Jahre 1881 in Budapest von ihm unter den« Titel „Melech Ewjon“ erschienen. — Am 1. Juni begieng Herr Bezirksrabbiuer Koth in Siblo« sein 25jähriges Aintsjubilium als Rabbiner der Gemeinde und zugleich seinen 60. Geburtstag. Wir sprechen unserem geschätzten Mitarbeiter nachträglich unser» herzlichsten Glückwunsch aus. — In Wien wurde der Cand. jur. Herr Jakob Ornstein zum Doktor der Rechte „unter den Auspicien des Kaisers" promoviert. Das Kaiserliche Geschenk bestand in einem mit den Initialen des Kaisers gezierten

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